Verstorbener Angehöriger aus Testament gelöscht

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jimmyone
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Verstorbener Angehöriger aus Testament gelöscht

Beitrag von jimmyone » 18.06.18, 10:56

Hallo Zusammen,

angenommen folgender Fall tritt ein.
Es gibt eine Familie, bestehend aus den Enkeln (A), den Eltern (B), den Großeltern (C).

Die Großeltern (C) besitzen ein Haus und haben im Testament die eigenen Kinder (B) jeweils zu gleichen Teilen eingesetzt.
Nun verstirbt eines der Kinder (B) frühzeitig. Die Enkel (A) treten an die Stelle der Kindes (B).

Nun verstirbt auch ein Teil der Großeltern (C). Die Enkel (A) erhalten vom Gericht ein Schreiben zur Eröffnung des Testaments. Der länger lebende Teil der Großeltern (C) lässt sich überreden und ändert das Testament und nimmt das verstorbene Kind (B) aus dem Testament heraus.
Die Enkel hatten das Erbe (A) hatten das Erbe des Elternteils (B) aufgrund Überschuldung ausgeschlagen.

Fragen:
1.) In wie weit ist das wirksam sprich ist das schon eröffnete Testament damit hinfällig?
2.) Was passiert mit dem Anspruch der Enekl auf den Pflichtteil des aus dem Testament gestrichenen Kindes?
3.) Wie steht das in Verbindung mit dem ausgeschlagenen Erbe?

An dieser Stelle herrscht uneinigkeit, denn die Argumentation lautet, dass Kind ist Tod. Wenn es aus dem Testament gestrichen wurde, haben die Enkel also die direkten Nachfahren des Kindes keinen Anspruch auf einen Pflichtteil.

Wie ist das zu sehen?

LG
Jimmyone

matthias.
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Re: Verstorbener Angehöriger aus Testament gelöscht

Beitrag von matthias. » 18.06.18, 11:18

1. Für den Erbfall des verstorbenen Großelternteils kann nachträglich natürlich kein Testament mehr geändert werden. Das wäre ja irre ginge so was.

Ich vermute aber die 2 Großeltern haben ein sog. Berliner Testament gemacht, so dass der Überlebende erstmal Alleinerbe wird. Das ist natürlich wirksam. Danach ist die Frage ist dieses Berliner Testament so gestaltet, dass der Überlebende es noch ändern kann oder nicht. Das hängt davon ab was da drin steht.
Da geht es aber dann nur um den 2. Erbfall.

Der Enkel der jetzt (angeblich) herausgestrichen wird, kann sich nun überlegen den Pflichtteil zu fordern, da er ansonsten enterbt würde (falls das alles so stimmt wie es geschildert ist).

Der Enkel sollte mit den Unterlagen zu einem Anwalt gehen, die Erstberatung kostet max 250 €, das sollte sich lohnen, genau bescheid zu wissen, was seine Rechte sind.
Im übrigen ist die Verjährungsfrist des Pflichtteils 3 Jahre, man sollte hier also nicht all zu lange zu warten.

2. Der Pflichtteil beim 2. Erbfall bleibt in meinen Augen auch erhalten. Die Frage ist hier also wahrscheinlich bekommt/verlangt man 1 mal oder 2 mal den Pflichtteil.

An dieser Stelle herrscht uneinigkeit, denn die Argumentation lautet, dass Kind ist Tod. Wenn es aus dem Testament gestrichen wurde, haben die Enkel also die direkten Nachfahren des Kindes keinen Anspruch auf einen Pflichtteil.
Doch Enkel haben als direkte Nachfahren der Großeltern, wenn die Eltern schon gestorben sind, einen Pflichtteilsanspruch. Daran ändert sich auch nichts, dadurch dass man das Erbe der eigenen Eltern ausgeschlagen hat. Auch evtl. vorhandene Gläubiger des Elternteils können aus dem Erbe der Großeltern nichts verlangen.

SusanneBerlin
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Re: Verstorbener Angehöriger aus Testament gelöscht

Beitrag von SusanneBerlin » 18.06.18, 11:27

Hallo,
jimmyone hat geschrieben:Die Großeltern (C) besitzen ein Haus und haben im Testament die eigenen Kinder (B) jeweils zu gleichen Teilen eingesetzt.
Gemeint ist wahrscheinlich: Die Großeltern setzen sich gegenseitig als Alleinerbe ein, Erben des Längerlebenden sollen die gemeinsamen Kinder sein (Berliner Testament).
jimmyone hat geschrieben:Der länger lebende Teil der Großeltern (C) lässt sich überreden und ändert das Testament und nimmt das verstorbene Kind (B) aus dem Testament heraus.
Wahrscheinlich spielen Sie auf § 2069 BGB an: "Hat der Erblasser einen seiner Abkömmlinge bedacht und fällt dieser nach der Errichtung des Testaments weg, so ist im Zweifel anzunehmen, dass dessen Abkömmlinge insoweit bedacht sind, als sie bei der gesetzlichen Erbfolge an dessen Stelle treten würden."
Ändert der Längerlebende das Testament dahingehend, dass das verstorbene Kind nicht mehr im Testament genannt wird, dann erben auch dessen Kinder (die Enkel) nicht.
jimmyone hat geschrieben:1.) In wie weit ist das wirksam sprich ist das schon eröffnete Testament damit hinfällig?
Normalerweise kann der Längerlebende das Testament nach dem Tod des Erstversterbenden nicht mehr ändern. Ist gewollt, dass der Längerlebende das Testament ändern kann, dann muss das im Testament niedergeschrieben (und von beiden unterzeichnet) worden sein.
jimmyone hat geschrieben:2.) Was passiert mit dem Anspruch der Enekl auf den Pflichtteil des aus dem Testament gestrichenen Kindes?
Das verstorbene Kind hat keinen Pflichtteil, weil Tote nicht erben können.

Der Enkel hat einen eigenen Pflichtteilanspruch, weil er gestzlicher Erbe wäre, wenn er niicht durch das Testament enterbt worden wäre, er ist sogar Erbe erster Ordnung:
BGB hat geschrieben:§ 1924 Gesetzliche Erben erster Ordnung
(1) Gesetzliche Erben der ersten Ordnung sind die Abkömmlinge des Erblassers.
(...)
(3) An die Stelle eines zur Zeit des Erbfalls nicht mehr lebenden Abkömmlings treten die durch ihn mit dem Erblasser verwandten Abkömmlinge (Erbfolge nach Stämmen).
BGB hat geschrieben:§ 2303 Pflichtteilsberechtigte; Höhe des Pflichtteils
(1) Ist ein Abkömmling des Erblassers durch Verfügung von Todes wegen von der Erbfolge ausgeschlossen, so kann er von dem Erben den Pflichtteil verlangen. Der Pflichtteil besteht in der Hälfte des Wertes des gesetzlichen Erbteils.
matthias. hat geschrieben:2. Der Pflichtteil beim 2. Erbfall bleibt in meinen Augen auch erhalten. Die Frage ist hier also wahrscheinlich bekommt/verlangt man 1 mal oder 2 mal den Pflichtteil.
Der Pflichtteil bleibt immer erhalten. Deb Pflichtteil zu versagen ist nicht möglich (außer im Ausnahmefall des § 2333), deswegen heißt es ja Pflichtteil. Was Sie meinen, ist die Pflichtteilstrafklausel: Wer beim Tod des Erstversterbenden den Pflichtteil fordert, erhält beim Tod des Letztversterbenden auch nur den Pflichtteil."

Wenn der Enkel aber sowieso enterbt ist, dann bekommt er als Mindestzuwendung 2x die Pflichtteile, einem beim erstverstorbenen Großelternteil und ein zweites Mal beim letztverstorbeen Großelternteil.
Grüße, Susanne

matthias.
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Re: Verstorbener Angehöriger aus Testament gelöscht

Beitrag von matthias. » 18.06.18, 12:28

SusanneBerlin hat geschrieben:
Wenn der Enkel aber sowieso enterbt ist, dann bekommt er als Mindestzuwendung 2x die Pflichtteile, einem beim erstverstorbenen Großelternteil und ein zweites Mal beim letztverstorbeen Großelternteil.

Die Regelung wäre im übrigen für die Oma ziemlich doof, sie müsste nämlich jetzt Geld auf den Tisch legen und der Enkel bekäme letztlich genau so viel wie als Erbe (vorrausgesetzt es geht jeweils um dieselbe Erbmasse z.b. ein Haus) und das in Geld.

jimmyone
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Re: Verstorbener Angehöriger aus Testament gelöscht

Beitrag von jimmyone » 18.06.18, 12:36

OK also ich erlese daraus, dass der Pflichtteil niemals versagt werden kann bzw. nicht ohne erheblichen Aufwand.

Muss denn der Enkel in diesem Szenario seinen Pflichtteil des früher verstorbenen geltend machen oder kann er dies auch noch nach versterben des länger lebenden Großelternteils? Insbesondere weil der länger lebende ja alles erbt.

In der Regel wird es für die Oma kaum möglich sein, mehrere 10 T€ auf den Tisch zu legen.
In der Tat ist es ein Berliner Testament.

Jimmyone

SusanneBerlin
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Re: Verstorbener Angehöriger aus Testament gelöscht

Beitrag von SusanneBerlin » 18.06.18, 13:30

Muss denn der Enkel in diesem Szenario seinen Pflichtteil des früher verstorbenen geltend machen oder kann er dies auch noch nach versterben des länger lebenden Großelternteils? Insbesondere weil der länger lebende ja alles erbt.
Der Pflichtteilsanspruch verjährt 3 Jahre nach dem Jahr zu dem er entsanden ist, zum Ende des Jahres.

Ja der Längerlebende erbt vom Erstversterbenden, trotzdem kann der Längerlebende die Auszahlung des Pflichtteils verweigern wenn der Anspruch verjährt ist.

Den Pflichtteil vom Nachlass des Längerlebenden muss man von den Erben (hier den Kindern) des Längerlebenden fordern.
Grüße, Susanne

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