Schuldfrage wie ist die Rechtslage

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hannibal1234
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Schuldfrage wie ist die Rechtslage

Beitrag von hannibal1234 » 18.06.18, 15:31

Folgender Sachverhalt:
Ein 17 jähriges Mädchen sitzt auf einem Pferd und gibt ihrer 12 jährigen Schwester ihr Smartphone. Sie soll es weglegen. Die legt es auf die Wiese. Ein anderes Mädchen (14 jahre) hebt es vorsichtshalber auf und legt es auf ein parkendes Auto, welches zu der Gruppe gehört. Nach dem reiten fahren alle gemeinsam los. Die Besitzerin des smartphone stellt fest, dass sie ihr handy nicht hat. Sie fahren zurück und das handy wurde von einem Auto überfahren und ist kaputt. Wer trägt hier die Schuld und muss das Handy ersetzen?
Gibt es hierfür eine rechtliche Regelung?

Danke für Hinweise

ktown
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Re: Schuldfrage wie ist die Rechtslage

Beitrag von ktown » 19.06.18, 12:41

hannibal1234 hat geschrieben:Gibt es hierfür eine rechtliche Regelung?
Es ist wie so oft in Rechtsfragen, es kommt darauf an. Da alle Kinder Minderjährig waren, kann nicht pauschal die Haftungsfrage beantwortet werden.
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Tastenspitz
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Re: Schuldfrage wie ist die Rechtslage

Beitrag von Tastenspitz » 19.06.18, 12:58

Für sowas hat der liebe Gott Hosentaschen erfunden. Da steckt man Telefone rein und dort werden sie dann auch nur in Ausnahmefällen überfahren. :)
BTT
Nun die grundsätzliche Regelung zum Schadenersatz ist im BGB 823 zu finden. Dabei ist Vorsatz oder Fahrlässigkeit gefordert. Das bringt mich zu dem Fahrer auf dessen Auto das Telefon abgelegt wurde. Der hat das fahrlässigerweise nicht gesehen, dass da lose Gegenstände auf seinem Auto rumliegen und ist trotzdem losgefahren.
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winterspaziergang
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Re: Schuldfrage wie ist die Rechtslage

Beitrag von winterspaziergang » 19.06.18, 13:39

Tastenspitz hat geschrieben:Für sowas hat der liebe Gott Hosentaschen erfunden. Da steckt man Telefone rein und dort werden sie dann auch nur in Ausnahmefällen überfahren. :)
BTT
Nun die grundsätzliche Regelung zum Schadenersatz ist im BGB 823 zu finden. Dabei ist Vorsatz oder Fahrlässigkeit gefordert. Das bringt mich zu dem Fahrer auf dessen Auto das Telefon abgelegt wurde. Der hat das fahrlässigerweise nicht gesehen, dass da lose Gegenstände auf seinem Auto rumliegen und ist trotzdem losgefahren.
Es ist in der Schilderung unklar, ob das Auto, auf dem das Smartphone lag, auch jenes ist, welches das Smartphone überfahren hat.

hannibal1234
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Re: Schuldfrage wie ist die Rechtslage

Beitrag von hannibal1234 » 19.06.18, 14:15

winterspaziergang hat geschrieben:
Tastenspitz hat geschrieben:Für sowas hat der liebe Gott Hosentaschen erfunden. Da steckt man Telefone rein und dort werden sie dann auch nur in Ausnahmefällen überfahren. :)
BTT
Nun die grundsätzliche Regelung zum Schadenersatz ist im BGB 823 zu finden. Dabei ist Vorsatz oder Fahrlässigkeit gefordert. Das bringt mich zu dem Fahrer auf dessen Auto das Telefon abgelegt wurde. Der hat das fahrlässigerweise nicht gesehen, dass da lose Gegenstände auf seinem Auto rumliegen und ist trotzdem losgefahren.
Es ist in der Schilderung unklar, ob das Auto, auf dem das Smartphone lag, auch jenes ist, welches das Smartphone überfahren hat.
Das ist in der Tat nicht klar.... Sie wissen nicht, wer drüber gefahren ist.

SusanneBerlin
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Re: Schuldfrage wie ist die Rechtslage

Beitrag von SusanneBerlin » 19.06.18, 14:45

Das war dann wohl eine Verkettung unglücklicher Umstände.

Da das Ganze im Freien stattfand: Welche Vorstellung hatte die 17-jährige, auf welchem sicheren Platz die 12-jährige das Handy ablegen sollte? Egal an welcher Bodenstelle das gelegen hätte, es hätte doch überall ein Mensch oder Pferd drauftreten können.

M.E. hat die 17-jährige einfach die falsche Person ausgewählt um das Handy in Sicherheit zubringen und die Anweisung das Handy "wegzulegen" (wohin im freien Gelände soll man ein Handy legen?) war ungeeignet. Es wäre von der 17-jährigen Handybesitzerin zielführender gewesen, das Handy einer Person anzuvertrauen, die über Hosentaschen verfügt oder eine Umhängetasche oder einen Rucksack bei sich trägt und das Handy hätte einstecken können.
Grüße, Susanne

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Re: Schuldfrage wie ist die Rechtslage

Beitrag von ktown » 19.06.18, 15:51

SusanneBerlin hat geschrieben:Welche Vorstellung hatte die 17 Jährige, auf welchem sicheren Platz die 12-jährige das Handy ablegen sollte?
Grundsätzlich gebe ich Ihnen Recht. Die 17 jährige hätte da mehr mitdenken müssen, aber von ablegen war nie die Rede. Sie sprach von weglegen und wenn, wie beschrieben, im näheren Umfeld die Fahrzeuge der Kinder standen, müssen zwangsläufig wohl auch Erwachsene in der Nähe sein. Daher scheint es für die 17 Jährige viele weitere Möglichkeiten für das sichere weglegen gegeben zu haben, die die 12 Jährige nicht erkannte oder erkennen wollte. :wink:
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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Re: Schuldfrage wie ist die Rechtslage

Beitrag von hannibal1234 » 19.06.18, 16:02

Ok, folgende Situation hat sich im Nachgang ergeben, weshalb auch die Frage von mir kommt.
Der 14 jährigen wird hier die “Hauptschuld“ gegeben. Daher wurde der Fall auch der Haftpflichtversicherung der 14 jährigen gemeldet. Die Versicherung hat den Zeitwert (300 €) erstattet.
Da ein Wiedererwerb des Handys, auch gebraucht, etwas höher liegt, wollte die Geschädigte noch zusätzlich Geld Von der 14 jährigen haben.
In dem Fall haben die Eltern gesagt, dass keine weitere Zahlung erfolgen wird.

Daher interessiert mich, wie so ein Fall wohl rechtlich entschieden werden würde.

SusanneBerlin
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Re: Schuldfrage wie ist die Rechtslage

Beitrag von SusanneBerlin » 19.06.18, 16:05

Wenn ein gebrauchtes Handy zerstört wird, hat man keinen Anspruch auf ein neues Handy bzw. den Betrag, den das Handy neu kostet. Man hat nur Anspruch auf den Zeitwert, der wurde von der Versicherung erstattet.
In dem Fall haben die Eltern gesagt, dass keine weitere Zahlung erfolgen wird.
Und das zu recht. Weitergehende Ansprüche als der von der Haftpflichtversicherung erstattete Geldbetrag existieren nicht.
Grüße, Susanne

Etienne777
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Re: Schuldfrage wie ist die Rechtslage

Beitrag von Etienne777 » 19.06.18, 16:11

Der 14 jährigen wird hier die “Hauptschuld“ gegeben.
Das nenne ich mutig. Sie hat sich ohne daß ihr das Gerät anvertraut worden wäre bemüht, eine noch wahrscheinlichere Gefahr der Zerstörung zu bannen, indem sie das Gerät immerhin aus dem Geh- und Trittbereich nahm und auf ein Auto legte. Aus welchem Konstrukt man da eine Haftung herleiten möchte, wüßte ich gern.

Ein Mitverschulden der 17-Jährigen wurde offenbar auch von der Versicherung erstaunlicherweise nicht reklamiert, obwohl das wohl weit überwiegend die nachfolgende verhängnisvolle Kette ausgelöst hat. Mit den erhaltenen immerhin 300 € ist die Dame wohl weitaus besser gestellt, als es ihr angesichts ihres wesentlichen Mitverschuldens nach § 254 BGB gebührt hätte. Der Rest ist einfach nur dreist.
Aus technischen Gründen befindet sich die Signatur
auf der Rückseite dieses Beitrags.

ktown
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Re: Schuldfrage wie ist die Rechtslage

Beitrag von ktown » 19.06.18, 18:18

Wie wird hier eigentlich der Zeitwert ermittelt? Wenn ich so mein 5 Jahre altes Smartphone ansehe und das 2 Jahre alte meines Sohnes dagegen stelle, dann sieht meines um Welten besser aus.
Wird da ein Mittelwert der Abnutzung ermittelt?
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Re: Schuldfrage wie ist die Rechtslage

Beitrag von Dummerchen » 19.06.18, 18:19

Etienne777 hat geschrieben: Ein Mitverschulden der 17-Jährigen wurde offenbar auch von der Versicherung erstaunlicherweise nicht reklamiert, obwohl das wohl weit überwiegend die nachfolgende verhängnisvolle Kette ausgelöst hat.
Bei solchen recht kleinen Beträgen ist es für die Versicherung meist betriebswirtschaftlich günstiger, den Zeitwert ohne jegliche Prüfung zu ersetzen. Selbst ein Sachbearbeiter, der stundenlang ermittelt, kostet mehr.
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