BaWü: Ganztagsgrundschule und Schulbezirkswechsel

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Frisch_ling
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BaWü: Ganztagsgrundschule und Schulbezirkswechsel

Beitrag von Frisch_ling » 10.08.18, 15:11

Bundesland: Baden-Württemberg
Schulform: Grundschule mit Sprengelpflicht
Die für den Wohnort zuständige Grundschule wird als verpflichtende Ganztagsschule geführt, die kaum schlechter erreichbare Schule im Nachbarbezirk hat die traditionelle Halbtagsform.

Ich meine gelesen zu haben, dass es in Ba-Wü einen Anspruch auf Halbtagsgrundschule gibt, sofern die Eltern dies wünschen und somit unter den o. g. Voraussetzungen für einen Antrag auf Schulbezirkswechsel gegeben wären. Leider kann im Netz keinen passenden Hinweis mehr finden. Ist das evtl. geändert worden?

Kurt Knitz
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Re: BaWü: Ganztagsgrundschule und Schulbezirkswechsel

Beitrag von Kurt Knitz » 11.08.18, 06:15

Hallo Frisch_ling,

um die Einführung des Ganztagsbetriebs an Grundschulen (und den Grundschulklassen der Förderschulen) rechtlich zu regeln, wurde der § 4a nachträglich in das Schulgesetz Baden-Württemberg eingefügt:
http://www.landesrecht-bw.de/jportal/po ... focuspoint

Darin wurde festgelegt, dass der Ganztagsbetrieb an einer Grundschule entweder in der Wahlform oder in der verbindlichen Form eingeführt werden kann. Besteht an der Schule die Wahlform, dann können die Eltern auswählen, ob sie ihr Kind in eine Ganztagsklasse oder eine Halbtagsklasse geben wollen. Hat die Schule die verbindliche Form eingeführt, dann müssen an dieser Schule alle (in der Regel beginnend mit einem bestimmten Jahrgang) Kinder in den Ganztag gehen.

Die Pflicht zum Besuch der "Sprengelschule" steht im § 76 Absatz (2) Satz 1 des Schulgesetzes. Schulbezirke werden nur für Grundschulen eingerichtet. Ein Antrag zum Besuch einer anderen Grundschule "aus pädagogischen Gründen" (z.B. wenn man die Halbtagsform lieber mag als die Ganztagsform) ist möglich, jedoch ist nirgends ein Recht darauf festgeschrieben, sondern das ist eine Einzelfallentscheidung (m.W. des Schulleiters der Sprengelschule).

Im Konfliktfall besteht so gut wie keine realistische Chance, die Entscheidung des Schulleiters rechtlich korrigieren zu lassen: Bis der erste Termin am Verwaltungsgericht überhaupt stattfindet, ist das Kind so viel älter, dass es die Eltern unabhängig von den rechtlichen Aussichten an der Grundschule lassen, an dem es dann zu diesem Zeitpunkt schon Schulfreunde gefunden hat.

Also sollte man sich vor der Antragstellung
https://www.service-bw.de/web/guest/lei ... leistung-0
gut umhören, wie kritisch der Schulleiter solche Wechselwünsche in ähnlichen Fällen in der Vergangenheit behandelt hat und mit welchen Argumenten er am ehesten zu überzeugen war. Da spielen im Hintergrund oft politische Motive eine Rolle. Auch die derzeitige Landesregierung arbeitet daran, weitere Grundschulstandorte aus Kostengründen zu schließen. Der Kampfbegriff lautet "Zwergschulen".

Die ggf. anfallenden Transportkosten zur anderen Schule übernimmt dann aber nicht die Stadt mit der Sprengelschule, sondern das müssen die Eltern selbst irgendwie organisieren.

Schöne Grüße
Kurt
Die Schulgesetze der einzelnen Bundesländer und vieles mehr kann man finden über den Deutschen Bildungsserver:
https://www.bildungsserver.de/Schulrecht-72-de.html#Schulrecht_der_Laender

Kurt Knitz
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Re: BaWü: Ganztagsgrundschule und Schulbezirkswechsel

Beitrag von Kurt Knitz » 11.08.18, 13:41

Korrektur: Anfangs war ich davon ausgegangen, dass die beiden Schulen in verschiedenen Städten stehen, sie scheinen jedoch in verschiedenen Schulbezirken derselben Stadt zu sein. Dann werden idR Schülerbeförderungskosten übernommen in der Höhe, in der sie auch an der Sprengelschule angefalllen wären.
Die Schulgesetze der einzelnen Bundesländer und vieles mehr kann man finden über den Deutschen Bildungsserver:
https://www.bildungsserver.de/Schulrecht-72-de.html#Schulrecht_der_Laender

Frisch_ling
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Re: BaWü: Ganztagsgrundschule und Schulbezirkswechsel

Beitrag von Frisch_ling » 28.08.18, 20:27

Danke Kurt für die Klarstellung. Das mit der Wahlfreiheit hatte ich dann wohl überinterpretiert.

An Gesprächen mit der Schulleitung und weiteren Beteiligten wird kein Weg vorbeiführen. Allerdings scheint eine Genehmigung auch vom Wohlwollen / Ermessen aller Entscheidungsträger abhängig zu sein. Im fikiven Beispiel geht es um verkürzte Beschulung vor dem Hintergrund sozial-emotionaler Schwierigkeiten. SPZ ist eingeschaltet, aber mit Warteliste. Die Eltern hätten gerne eine Schulbegleitung, diese wird aber voraussichtlich nur stundenweise gewährt werden und vermutlich nicht für den Nachmittag, an dem an einer gebundenen Ganztagsschule ja auch Unterricht in den Kernfächern stattfindet.

Mein Gedanke war, über die Halbtagsbeschulung hier etwas Milderung zu erreichen (gleiche Stadt, benachbarter Schulbezirk, Entfernung zur Wohnung bliebe gleich). Daneben stünde eine Förderschule im Raum, allerdings mit bislang ungeklärter Aufnahmemöglichkeit.

Kurt Knitz
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Re: BaWü: Ganztagsgrundschule und Schulbezirkswechsel

Beitrag von Kurt Knitz » 29.08.18, 12:34

Geht es da um eine Einschulung in zwei Wochen?
Hat der Schüler bisher in Baden-Württemberg einen Kindergarten oder Schulkindergarten besucht?
Welche Beratungen mit welchem Ergebnis haben im Rahmen der Schulanmeldung stattgefunden?

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Re: BaWü: Ganztagsgrundschule und Schulbezirkswechsel

Beitrag von Frisch_ling » 29.08.18, 14:59

Nein, das Kind besucht bereits die Schule, es wäre eine Umschulung nach - sagen wir - 2 Schulbesuchsjahren.

Vielleicht folgende Historie:
Gut intelligentes Kind mit Verhaltensauffälligkeiten bereits im Kindergarten. Dort erhält es Frühförderung (heißt das so?) durch eine Heilpädagogin. Die Eltern sehen die Richtigkeit und Wichtigkeit der Förderung und möchten diese auch für den bevorstehenden Schulbesuch beibehalten. Dies wird jedoch von der aufnehmenden Schule nicht für notwendig erachtet und somit nicht unterstützt. Schule wiegelt ab, Eltern verlassen sich zunächst auf deren Einschätzung.
Das erste Schuljahr gestaltet sich schwierig ("muss sich noch zurechtfinden"), im zweiten Halbjahr des zweiten Schuljahres dann wiederholt komplette Schulausschlüsse, verkürzte Beschulung, Androhung einer Umschulung auf eine Förderschule. Möglicherweise gab es Elterngespräche, deren Dramatik den Eltern aber nicht klar ist, denn zum Einschulungszeitpunkt wurde ein Förderbedarf seitens der Schule ja negiert.

Generell gefragt: Hätten die Eltern hier früher aktiv werden müssen? Mit welchen Maßnahmen bzw. Anträgen? Bei welchen über das SPZ hinausgehenden Anlaufstellen?

Kurt Knitz
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Re: BaWü: Ganztagsgrundschule und Schulbezirkswechsel

Beitrag von Kurt Knitz » 29.08.18, 15:15

Das sind Fragen, die dem Kind jetzt nicht helfen, deshalb möchte ich darauf nicht eingehen.

Der erste Beratungstermin am SPZ war noch nicht?
Was sagt der Kinderarzt?
Gibt es einen Beratungslehrer an der Schule?
Wie weit ist es zur nächsten schulpsychologischen Beratungsstelle?

Wenn die Eltern eine Schulbegleitung wünschen, dann läuft wohl schon ein Antrag auf sonderpädagogische Förderung?
Auf Antrag der Schule oder der Eltern?
Hat die Begutachtung durch einen Sonderpädagogen schon stattgefunden, liegt das Gutachten schriftlich vor?

Wer hat die "Förderschule in den Raum gestellt"?

Wenn das Verfahren zur sonderpädagogischen Förderung schon läuft, dann ist das jetzt das Wichtigste.

Kurt Knitz
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Re: BaWü: Ganztagsgrundschule und Schulbezirkswechsel

Beitrag von Kurt Knitz » 01.09.18, 09:05


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