Krankschreibung während des Erholungsurlaub

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SusanneBerlin
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Re: Krankschreibung während des Erholungsurlaub

Beitrag von SusanneBerlin » 15.09.18, 21:15

Jörg A. hat geschrieben:Noch einmal zur Richtigstellung: Der SV ereignete sich während eines Erholungsurlaubs dieses Kollegen. Er hielt sich im Ausland auf, als ihm am 01.08. telefonisch die Nachricht erreichte, dass seine Mutter einen Schlaganfall erlitt und er sich mit dem Gedanken vertraut machen sollte, dass sie nicht mehr so aussieht, wie an dem Tag, an dem er sie das letzte Mal gesehen hat. Versuche den Urlaub sofort abzubrechen schlugen fehl (keine sofortige Rückreisemöglichkeit). Am 02.08. dann ein erneuter Anruf, dass die Mutter verstorben sei. Wäre der Kollege nicht im Urlaub gewesen, hätte er sich sicherlich aus nachvollziehbaren Gründen bereits am 01.08. dienstunfähig schreiben lassen. Warum also in einem solchen Fall keine rückwirkende Krankschreibung???
Man würde denken, dass ein Sohn zu seiner Mutter ins Krankenhaus fahren würde, wenn ihn die Nachricht erreicht, dass die Mutter einen Schlaganfall hatte, selbst wenn ihm dadurch ein Urlaubstag verloren geht.

Sie stellen dar, bei Beamten ist das anders. Ein Beamter wird durch diese Nachricht so erschüttert, dass er statt zu seiner Mutter zu fahren, erstmal selbst einen Arzt aufsucht um sich Dienstunfähigkeit bescheinigen zu lassen. Der nachvollziehbare Grund, dass ein Beamter sich dienstunfähig schreiben lässt, wenn er im Urlaub erfährt dass seine Mutter einen Schlaganfall hatte, ist dass es schließlich keine erholsame Urlaubsbeschäftigung ist, seine Mutter im Krankenhaus zu besuchen und ihm die Stunden die er bei seiner erkrankten Mutter verbringt, nicht als Urlaubstage "verlorengehen" sollen, soweit richtig?
Grüße, Susanne

Jörg A.
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Re: Krankschreibung während des Erholungsurlaub

Beitrag von Jörg A. » 16.09.18, 15:54

SusanneBerlin hat geschrieben: Man würde denken, dass ein Sohn zu seiner Mutter ins Krankenhaus fahren würde, wenn ihn die Nachricht erreicht, dass die Mutter einen Schlaganfall hatte, selbst wenn ihm dadurch ein Urlaubstag verloren geht.

Sie stellen dar, bei Beamten ist das anders. Ein Beamter wird durch diese Nachricht so erschüttert, dass er statt zu seiner Mutter zu fahren, erstmal selbst einen Arzt aufsucht um sich Dienstunfähigkeit bescheinigen zu lassen. Der nachvollziehbare Grund, dass ein Beamter sich dienstunfähig schreiben lässt, wenn er im Urlaub erfährt dass seine Mutter einen Schlaganfall hatte, ist dass es schließlich keine erholsame Urlaubsbeschäftigung ist, seine Mutter im Krankenhaus zu besuchen und ihm die Stunden die er bei seiner erkrankten Mutter verbringt, nicht als Urlaubstage "verlorengehen" sollen, soweit richtig?

Was soll dieser andauernde Vergleich Beamte/ Arbeitnehmer und Kritiken zum Verhalten meines Kollegen??? Ich habe geschrieben, dass sich mein Kollege zum Zeitpunkt der erwähnten Ereignisse im Urlaub (AUSLAND) befand. Er ist also nicht sofort zum Arzt gegangen, sondern hat dies erst ein paar Tage später nachgeholt. Er hat sich dann "rückwirkend" krankschreiben lassen!!! Eine frühere Rückreise und sofortige Krankschreibung war ihm aus logistischen Gründen nicht möglich, denn in einigen Teilen unserer Erde kann man sich nicht einfach in den Bus setzen und innerhalb einer halben Stunde wieder zu Hause sein.


Erkrankt ein Beamter ABER AUCH Arbeitnehmer im Urlaub und meldet dies seinem Dienstherrn/Arbeitgeber unverzüglich, kann ihm der Urlaubsanspruch für den Zeitraum seiner Erkrankung gutgeschrieben werden!!! Ein ärztliches Attest ist dafür notwendig und kann auch bis zu 3 Tage vom Arzt rückdatiert werden. Dies ist in diversen Gesetzesnormen eindeutig definiert. Meine Frage bezog sich ganz speziell auf die rückwirkende Krankschreibung, wenn diese sich auf eine sonst geplante (laut Dienstplan) Nachtschicht bezog, für die der Kollege ab 00.00 Uhr des gleichen Tages, der in der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung angegeben ist, 6 Stunden Urlaub beantragen musste und die ihm nun nicht gutgeschrieben werden sollen. Gilt die Krankschreibung ab 00.00 Uhr bei einer rückwirkenden Krankschreibung (?) war meine Frage.

Ich bitte darum, das eigentliche Thema zu beachten. Es geht hier um eine rechtliche Würdigung!!! Für eventuelle Meinungsbilder zu diesem Sachverhalt könnte ich mich ansonsten auch in die Kneipe setzen und dort mit anderen Anwesenden diskutieren.

Beste Grüße

webelch
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Re: Krankschreibung während des Erholungsurlaub

Beitrag von webelch » 16.09.18, 17:11

Jörg A. hat geschrieben:Es geht hier um eine rechtliche Würdigung!!! Für eventuelle Meinungsbilder zu diesem Sachverhalt könnte ich mich ansonsten auch in die Kneipe setzen und dort mit anderen Anwesenden diskutieren.
Dann sollten Sie dies tun. Hier in diesem Forum diskutieren Laien rechtliche Fragestellungen. Dabei wird auch gerne der Hintergrund eines Sachverhaltes zum Gegenstand der Diskussion erhoben. Rechtliche Einschätzungen ohne weitere Diskussionen erhält man beim Anwalt gegen Entgelt.

Evariste
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Re: Krankschreibung während des Erholungsurlaub

Beitrag von Evariste » 16.09.18, 21:22

Jörg A. hat geschrieben:Das ist schon klar. Aber kann man bei der stundenweisen Berechnung des Jahresurlaubs diesen Schnitt um 00:00 Uhr machen? Bei einer Krankschreibung ist auf dem Arztzeugnis nur das Datum (Kalendertag) der krankheitsbedingten Dienstunfähigkeit vermerkt, nicht die Uhrzeit!!! Ein Kalendertag beginnt nun mal jeweils um 00:00 Uhr, wonach für eine am Vorabend begonnene Nachtschicht dann immer noch 6 Stunden zu leisten gewesen wären!
Drehen wir es einfach herum, dann wird es vielleicht klarer. Angenommen, der letzte Tag der AU ist der 5.8. Nehmen wir weiter an, am 5.8. wäre der Beamte laut Dienstplan für eine weitere Nachtschicht eingeteilt, die um 22 Uhr beginnt. Nach Ihrer Lesart müsste der Polizist dann pünktlich am 6.8. um 0:00 Uhr zum Dienst erscheinen und dann 6 Stunden Dienst leisten. Das funktioniert so natürlich nicht. Sondern eine Schicht wird normalerweise immer komplett dem Tag zugeordnet, an dem sie beginnt. Eine stundenweise Berechnung findet nicht statt,

Wenn der Beamte der Meinung ist, er war auch schon während der am 1.8. beginnenden Schicht arbeitsunfähig, dann muss er darauf achten, dass er ab dem 1.8. krankgeschrieben wird.

Tom Ate
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Re: Krankschreibung während des Erholungsurlaub

Beitrag von Tom Ate » 19.09.18, 16:48

Die Krankschreibumg klingt rechtswidrig.
Rückwirkend wegen Todesfall...


Abgesehen davon gilt sie grds ab Ausstellung. Hier dann für den Kalendertag. Heißt ein Teil der Nachtschicht, würde Urlaub gemacht einen Teil krank.

Jörg A.
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Re: Krankschreibung während des Erholungsurlaub

Beitrag von Jörg A. » 28.09.18, 07:40

Eine Krankschreibung ist selbstverständlich auch rückwirkend möglich. Die Rechtsgrundlage dafür liefert § 5 Absatz 3 AU-RL:

„Eine Rückdatierung des Beginns der Arbeitsunfähigkeit auf einen vor dem Behandlungsbeginn liegenden Tag ist ebenso wie eine rückwirkende Bescheinigung über das Fortbestehen der Arbeitsunfähigkeit nur ausnahmsweise und nur nach gewissenhafter Prüfung und in der Regel nur bis zu drei Tagen zulässig.“

Inwieweit eine solche Krankschreibung nun wegen eins Todesfalls rückdatiert werden kann, obliegt dann wohl dem behandelnden Arzt. In dem hier angebrachten Fall ist dies nun so geschehen und ich denke, dass es nicht rechtswidrig war.

Tom Ate
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Re: Krankschreibung während des Erholungsurlaub

Beitrag von Tom Ate » 28.09.18, 09:18

Danke für diese Ergänzung


In der Regel nur bis zu drei Tagen zulässig
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was_guckst_du
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Re: Krankschreibung während des Erholungsurlaub

Beitrag von was_guckst_du » 28.09.18, 09:35

...ich galube, da hat sich bereits jemand "im Grabe rumgedreht"...

Jörg A.
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Re: Krankschreibung während des Erholungsurlaub

Beitrag von Jörg A. » 28.09.18, 13:41

Ergebnis: Mein Kollege hat seinen durch die Krankheit verlorengegangenen Urlaubsanspruch in voller Höhe gutgeschrieben bekommen. :D

Manchmal läuft im Leben doch tatsächlich Einiges anders wie man denkt!!! Vielen Dank aber für die "ernsthaften" Antworten!

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