Anpassung Gasabschläge/Zwischenabrechnung

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immerso
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Anpassung Gasabschläge/Zwischenabrechnung

Beitrag von immerso » 30.12.18, 22:16

Hallo,

darf ein Gasversorger mitten während des ersten Belieferungsjahres die Abschlagszahlung anpassen?
Wenn als Grund genannt wird, der Vorversorger hätte jetzt den Jahresverbrauch im Vorjahr übermittelt (etwas höher als bei Vertragsabschluss angegeben), und auf dieser Basis wurde zunächst eine "Zwischenrechung" erstellt (dafür wurden die Versorger bereits abgemahnt, da die Voraussetzung einer Abrechnung eine Ablesung ist, die ja nicht stattfand), und eben die Abschläge nach oben angepasst. Allerdings ergibt sich dann bei 12 Abschlägen je zum Monatsersten vor der Jahresabrechnung ein zu hoher Betrag (ohne Bonuszahlungen) - er müsste sogar niedriger sein als der ursprüngliche Abschlag.

Kann der Verbraucher, nachdem er dem ohne Reaktion per E-Mail widersprochen hat, die Lastschriften zurückgeben und die Einzugsermächtigung stornieren und einfach den alten Abschlag überweisen? Ohne mit Kosten für die Rückgabe rechnen zu müssen (die Überweisung als Zahlungsmethode ist in den AGB vorgesehen).

Vielen Dank im Voraus

Etienne777
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Re: Anpassung Gasabschläge/Zwischenabrechnung

Beitrag von Etienne777 » 31.12.18, 00:44

Ich verstehe nur Bahnhof.

Der vom Vorversorger am Ende ermittelte Jahresverbrauch lag höher, als der Verbraucher ihn bei Vertragsabschluß dem neuen Versorger angegeben hat. Nun hat aber der neue Versorger seine Abschläge auf der Grundlage des zu niedrig angegebenen Verbrauchs logischerweise niedriger kalkuliert, als wenn er den wahren (höheren) Verbrauch gekannt hätte und wünscht nun, daß der Verbraucher künftig den höheren Abschlag zahlt, da der bisherige Abschlag durch unrichtige Angaben des Verbrauchs entstand. Soweit so nachvollziehbar.

Warum wird nun gemeint, daß der neue Abschlag trotz höheren Verbrauchs niedriger sein müsse, als der Abschlag bei Zugrundelegung eines geringeren Verbrauchs?

Der Sinn der monatlichen Abschläge ist es, die voraussichtlichen Jahreskosten erstens gleichmäßig auf 12 Monate aufzuteilen und zweitens das Risiko von Zahlungsausfällen zu minimieren. Daß es am Ende keine Punktlandung geben wird, ist jedem vernünftig denkenden Menschen klar, so wie auch niemand von uns präzise vorhersagen kann, wieviel Gas er am Ende der 12 Monate dann tatsächlich verbrannt haben wird. Gewisse Nach- oder Rückzahlungen sind normal und bei einer verbrauchsabhängigen Abrechnung unvermeidbar.
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immerso
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Re: Anpassung Gasabschläge/Zwischenabrechnung

Beitrag von immerso » 31.12.18, 09:45

Vielleicht wird es anhand diesem Beispiel deutlicher, warum der Verbraucher keinesfalls hohe Abschläge zahlen will - wie gesagt, sind diese sowieso auch zu hoch angesetzt:
https://www.marktwaechter-energie.de/be ... zulaessig/

"Auch dürfen Abschlagszahlungen in der laufenden Abrechnungsperiode nur mit Zustimmung der Kunden angepasst werden."

FM
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Re: Anpassung Gasabschläge/Zwischenabrechnung

Beitrag von FM » 31.12.18, 12:06

immerso hat geschrieben: "Auch dürfen Abschlagszahlungen in der laufenden Abrechnungsperiode nur mit Zustimmung der Kunden angepasst werden."
In der entsprechenden Verordnung findet sich das nicht:
http://www.gesetze-im-internet.de/gasgvv/__13.html

ktown
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Re: Anpassung Gasabschläge/Zwischenabrechnung

Beitrag von ktown » 31.12.18, 12:12

Ich vermute mal, dass die Verbraucherzentralen auf den Abs. 2 abzielen und der Ansicht sind, dass nur bei einer Preisänderung die Abschläge frühzeitig geändert werden dürfen.

Problem dabei ist nur, dass die wenigsten Endverbraucher in der Grundversorgung sind und sicherlich die Versorger, aus der Erfahrung der letzten Jahrzehnte, ihre AGB diesbezüglich so korrigiert haben, dass sie nicht mehr nur einfach auf die GasGVV verweisen.
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Etienne777
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Re: Anpassung Gasabschläge/Zwischenabrechnung

Beitrag von Etienne777 » 31.12.18, 12:18

Ich ging bei meinem Vorpost von dem aus, was im Eingangsbeitrag vorgetragen wurde. Nämlich, daß eine (zwischenzeitlich) vorliegende Verbrauchsabrechnung des Vorversorgers vorliegt, die einen offenbar deutlich höheren stattgefundenen (nicht prognostizierten!) Verbrauch belegt. Insoweit bestünde dann nämlich eine Diskrepanz zwischen den Angaben des Verbrauchers beim Vertragsschluß und seinem wahren Verbrauch, die der Verbraucher zu vertreten hat.

Nach meiner Rechtsauffassung ist die (wenigstens bestmögliche) Aufteilung der Jahreskosten auf 12 Monatsabschläge vertraglich vereinbart und die in dem verlinkten Artikel vertretene Rechtsauffassung jedenfalls nicht pauschal vertretbar. Denn sonst hätte das zur Folge, daß ein unredlicher Verbraucher sich Vorteile / ein zinsloses Darlehen zu Lasten des Versorgers verschaffen könnte, indem er beim Abschluß des Vertrages einen Verbrauch nennt, der wesentlich niedriger ist als in der Realität.

Unrichtige Verbrauchsangaben des Neukunden dürften nach meiner Meinung gerade nicht ausschließen, die Abschläge - jedenfalls bei wesentlichen Abweichungen des behaupteten vom echten Verbrauch - anzupassen. Denn das ist keine Anpassung auf der Basis fiktiver Zwischenprognosen des neuen Versorgers, sondern auf der Basis einer objektiven und nachprüfbaren Abrechnung. Daraus, daß diese vom Vorversorger erstellt wurde, ergibt sich nichts Anderes.
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Re: Anpassung Gasabschläge/Zwischenabrechnung

Beitrag von immerso » 31.12.18, 12:24

Als Beispiel können auch hier die AGB der XY dienen, wo es heißt:

8.1 Der Kunde zahlt während des Abrechnungszeitraums unter Berücksichtigung des prognostizierten Jahresverbrauchs und des Tarifmodells monatliche Abschlagszahlungen. Diese werden anteilig für den Zeitraum der Abschlagszahlung entsprechend dem Verbrauch im zuletzt abgerechneten Zeitraum berechnet. Ist eine solche Berechnung nicht möglich, bemisst sich die Abschlagszahlung nach dem durchschnittlichen Verbrauch vergleichbarer Kunden. Macht der Kunde glaubhaft, dass sein Verbrauch erheblich geringer ist, so wird dies angemessen von der XY berücksichtigt.

Es liegt ja tatsächlich eine aktualisierte Prognose vor (Vorjahresverbrauch) - nur stimmt zusätzlich die Berechnung auch nicht, auf Basis von 12 Abschlägen, die es offensichtlich sein werden (Abbuchung zum Monatsersten), ohne Berücksichtigung des Bonus. Schon der ursprüngliche Abschlag ist eigentlich zu hoch.
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Etienne777
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Re: Anpassung Gasabschläge/Zwischenabrechnung

Beitrag von Etienne777 » 31.12.18, 12:52

Das sollte sich ja klären lassen, warum ein Abschlag ggf. mehr als ein Zwölftel des Jahresbetrages beträgt, falls der Jahresbetrag auf dem echten Vorjahresverbrauch basieren sollte.
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Re: Anpassung Gasabschläge/Zwischenabrechnung

Beitrag von ktown » 31.12.18, 13:38

Also ich kenn es bisher so, dass die Abschläge auf 11 Monate verteilt werden, da der 12. der Abrechnungsmonat ist.
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Re: Anpassung Gasabschläge/Zwischenabrechnung

Beitrag von Etienne777 » 31.12.18, 17:20

Abgerechnet wird üblicherweise nach Ablauf eines Jahres. Soweit die Abschläge am Monatsanfang fällig sind, wären in diesem Zeitpunkt alle 12 Abschläge für die ersten 12 Monate gezahlt. Würde sich das auf nur 11 Abschläge verteilen, wären diese logischerweise im Einzelnen entsprechend höher, gleichwohl sollte aber auch dann am Ende der 12 Monate ungefähr die zu erwartende Jahressumme über die Abschläge geflossen sein.
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