Privatverkauf - Haftung für defektes Gerät?

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Adlerträger
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Privatverkauf - Haftung für defektes Gerät?

Beitrag von Adlerträger » 04.05.19, 11:27

Hallo liebe Forenmitglieder,

ich bitte um Rat bzw. Ihre Einschätzung zu folgendem fiktiven Fall:
Eine Privatperson hat vor kurzem ein Haus geerbt, in der "Erbmasse" befanden sich auch einige neue und neuwertige elektrischen Geräte, welche er online zum Kauf anbietet.
Darunter war auch ein Kaffeevollautomat, welcher noch in OVP und teilweise eingeschweißt war, dieser wurde mit den Worten " Neu, unbenutzt, nur zum Fotografieren ausgepackt" und
"Privatverkauf - Rücknahme, Umtausch, Garantie/Gewährleistung sind ausgeschlossen" eingestellt.

Es fand sich ein Käufer, welcher den Kaffeevollautomaten per Überweisung zahlte. Ein paar Tage nach Erhalt des Geräts schrieb der Käufer, dass er ein falsches Netzkabel erhalten habe und bat um die Zusendung des richtigen Kabels. Das fand der Verkäufer zwar seltsam, um Ärger zu vermeiden, hat er für kleines Geld jedoch ein Netzkabel als Ersatzteil beim Hersteller bestellt und direkt an den Käufer schicken lassen.
In der Zwischenzeit kam eine weitere Reklamation, am Gehäuse fehle eine Schraube, ob diese denn beim Verkäufer sei. Dies verneinte der Verkäufer, danach herrschte bis zum Eintreffen des Netzkabels Stille.
Nun reklamiert der Käufer erneut, dass das Gerät defekt sei - trotz ordnungsgemäßem Anschluss und Betätigen des Einschaltknopfs leuchte das Lämpchen nicht.

Der Verkäufer war leider nicht so intelligent um das Gerät vor Versand bzw. Anzeigenerstellung mal kurz anzuschließen, bei einem "neuen" Gerät, welches laut Rechnung zudem direkt beim Hersteller erworben wurde, ist er wie ganz selbstverständlich davon ausgegangen, dass es funktioniert. :roll:

Wie ist die Rechtslage und wie würden Sie als Verkäufer nun handeln?

SusanneBerlin
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Re: Privatverkauf - Haftung für defektes Gerät?

Beitrag von SusanneBerlin » 04.05.19, 12:43

Wenn das Gerät defekt ist, muss der Verkäufer es zurücknehmen und dem Käufer den Preis und Versandkosten erstatten.

Oder würden Sie im umgekehrten Fall für ein defektes Gerät, das als "neu und unbenutzt" angepriesen wurde, Geld zahlen wollen?
Grüße, Susanne

Adlerträger
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Re: Privatverkauf - Haftung für defektes Gerät?

Beitrag von Adlerträger » 04.05.19, 14:54

Im umgekehrten Fall würde ich dem Verkäufer die fehlende Funktionstüchtigkeit zunächst einmal anhand eines Videos, aus dem hevorgeht, dass ich das Kabel korrekt in Gerät und Steckdose eingesteckt habe, nachweisen, und nicht einfach "Funktioniert nicht" schreiben oder würden Sie in einem solchen Fall direkt nach der Bankverbindung des Käufers fragen, um eine Gelderstattung vorzunehmen?

Mal abgesehen davon, dass ich vor dem Kauf mal anfragen würde, ob mit dem Gerät alles ok ist - wenn darauf eine positive Antwort käme, ich aber ein defektes Gerät erhielte, würde ich natürlich nicht dafür zahlen wollen.

Für mich als Laie, ich mag hier absolut falsch liegen, heißt "neu und unbenutzt" zunächst einmal nur, dass der Verkäufer das Gerät eben nicht in Benutzung hatte, über die Funktionstüchtigkeit sagt das meines Erachtens nichts aus. Zumal auch nicht danach gefragt wurde.

Um nicht missverstanden zu werden: Hier will keiner den Käufer im Regen stehen lassen - gesetzt dem Fall, dass er nachweist, dass das Gerät nicht in Ordnung ist (man darf davon ausgehen, dass der Gesetzgeber dies so vorsieht) und die Rechtslage so ist, dass man als privater Verkäufer für versteckte Mängel geradestehen muss, erhält er natürlich sein Geld zurück.

SusanneBerlin
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Re: Privatverkauf - Haftung für defektes Gerät?

Beitrag von SusanneBerlin » 04.05.19, 15:22

und die Rechtslage so ist, dass man als privater Verkäufer für versteckte Mängel geradestehen muss, erhält er natürlich sein Geld zurück.
Man kann als privater Verkäufer die Gewährleistung ausschließen. Das bedeutet jedoch nicht, dass man ein defektes Gerät oder mangelhaftes Gerät verkaufen darf ohne auf den Mangel hinzuweisen. Hat das Gerät von Anfang an einen Mangel, mit dem der Käufer nicht rechnen musste, dann kann der Käufer vom Kauf zurücktreten. Ich möchte damit nicht sagen, dass Ihnen der Mangel bekannt war, die Rechtslage ist jedoch, dass die Eigenschaft als Privatmensch Sie nicht berechtigt, die Reklamation des Kunden in diesem Fall abzuweisen.
Grüße, Susanne

Adlerträger
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Re: Privatverkauf - Haftung für defektes Gerät?

Beitrag von Adlerträger » 04.05.19, 16:38

SusanneBerlin hat geschrieben:Hat das Gerät von Anfang an einen Mangel
Genau das ist ja der springende Punkt - wer ist denn bei Privat zu Privat in der Beweispflicht? VK weiß es eben nicht, weil nie angeschlossen, geschweige denn benutzt und im Leben nicht auf die Idee gekommen, dass ein originalverpacktes, unbenutztes Gerät nicht funktionieren könnte. (Mit knapp 40 noch was fürs Leben gelernt! :roll: ) Was bis dato ja nicht einmal klar ist, es steht "nur" die Behauptung des K im Raum.

Kann der K denn, ohne den Mangel nachgewiesen zu haben, vom Kaufvertrag zurücktreten und Forderungen stellen?

Tante Google erzählt viele Geschichten über Käufer, die nachträglich noch den Preis drücken wollen oder defekte Geräte gegen funktionierende Geräte austauschen und sich dann auch noch das Geld nebst Versandkosten erstatten lassen ... und nach der seltsam anmutenden Geschichte mit dem Kabel, der angeblich fehlenden Schraube und dem wiederholten Nachfragen nach der Rechnungskopie (welche kein Bestandteil des Kaufvertrags war) klingeln die Alarmglocken.

Etienne777
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Re: Privatverkauf - Haftung für defektes Gerät?

Beitrag von Etienne777 » 05.05.19, 00:01

Adlerträger hat geschrieben:... und im Leben nicht auf die Idee gekommen, dass ein originalverpacktes, unbenutztes Gerät nicht funktionieren könnte.
Sehen Sie, DAS ist der springende Punkt. Nicht nur der Verkäufer kommt nicht auf so eine Idee, sondern gleichermaßen auch der Käufer. Bei neuen unbenutzten Waren vermutet man ("allgemeine Verkehrsanschauung"), daß die Kaufsache funktioniert, soweit durch den Verkäufer nicht Gegenteiliges erklärt wird.

Niemand macht dem Verkäufer einen Vorwurf, aber ebenso kann niemand dem Käufer vorhalten, die gleiche Vermutung gehegt zu haben, denn sie liegt nahe. Nur muß man mit dieser Situation dann umgehen, denn natürlich ist es auch nicht ausgeschlossen, daß ein Gerät tatsächlich mal nicht funktioniert. Hätte der Verkäufer ein funktionsuntüchtiges neues Gerät geliefert, wäre damit der Kaufvertrag nicht erfüllt worden. Eine Nachbesserung oder ein Umtausch dürften in so einer Konstellation kaum möglich sein, so daß es auf die Rücknahme des Geräts und die Erstattung des Kaufpreises hinausliefe.

Sollte sich nach der Rücksendung des Geräts selbiges doch als funktionsfähig erweisen, war der Kaufvertrag mit der Lieferung doch erfüllt und ein Anspruch auf Rücknahme oder Rückzahlung damit nicht bestehend. Der Verkäufer hätte dann Eigentum des Käufers (wieder) bei sich und es müßte eine Lösung gefunden werden, was damit geschehen soll. Eine erneute Versendung an den Käufer auf dessen Kosten wäre eine denkbare Variante, oder das bloße Bereithalten damit sich der Käufer das Gerät persönlich abholen kann.
Aus technischen Gründen befindet sich die Signatur
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fodeure
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Re: Privatverkauf - Haftung für defektes Gerät?

Beitrag von fodeure » 05.05.19, 07:39

SusanneBerlin hat geschrieben:Das bedeutet jedoch nicht, dass man ein defektes Gerät oder mangelhaftes Gerät verkaufen darf ohne auf den Mangel hinzuweisen.
Aber nur, wenn man Kenntnis davon hat.
SusanneBerlin hat geschrieben:Hat das Gerät von Anfang an einen Mangel, mit dem der Käufer nicht rechnen musste, dann kann der Käufer vom Kauf zurücktreten.
Nein, kann er nicht, wenn der Verkäufer die Gewährleistung ausgeschlossen hat.
SusanneBerlin hat geschrieben:Ich möchte damit nicht sagen, dass Ihnen der Mangel bekannt war, die Rechtslage ist jedoch, dass die Eigenschaft als Privatmensch Sie nicht berechtigt, die Reklamation des Kunden in diesem Fall abzuweisen.
Nein, das ist definitiv nicht die Rechtslage.
Adlerträger hat geschrieben:Genau das ist ja der springende Punkt - wer ist denn bei Privat zu Privat in der Beweispflicht?
Der Käufer. Und er muß nachweisen, daß das Gerät schon bei Übergabe an den Versand defekt war.
SusanneBerlin hat geschrieben:Wenn das Gerät defekt ist, muss der Verkäufer es zurücknehmen und dem Käufer den Preis und Versandkosten erstatten.
Nein, muß er nicht.
SusanneBerlin hat geschrieben:Oder würden Sie im umgekehrten Fall für ein defektes Gerät, das als "neu und unbenutzt" angepriesen wurde, Geld zahlen wollen?
Das spielt keine Rolle. Wenn man in den Genuß von Gewährleistungsrechten kommen möchte, dann kauft man eben nicht von privat sondern vom Händler (und bezahlt natürlich auch einen entsprechend höheren Preis).
Etienne777 hat geschrieben:Sollte sich nach der Rücksendung des Geräts selbiges doch als funktionsfähig erweisen,
Diese Situation kann sich gar nicht ergeben, da der Käufer zunächst die fehlende Funktionsfähigkeit nachweisen bei Absendung durch den Verkäufer nachweisen muß. Dazu wird er nicht in der Lage sein.

Etienne777
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Re: Privatverkauf - Haftung für defektes Gerät?

Beitrag von Etienne777 » 05.05.19, 12:03

fodeure hat geschrieben:Diese Situation kann sich gar nicht ergeben, da der Käufer zunächst die fehlende Funktionsfähigkeit nachweisen bei Absendung durch den Verkäufer nachweisen muß. Dazu wird er nicht in der Lage sein.
Dazu könnte der Käufer schon in der Lage sein, etwa indem er das defekte Gerät durch einen Sachverständigen begutachten läßt. Dabei könnte ein Fehler zutage treten, der eindeutig auf einen Fertigungsmangel zurückzuführen ist und somit schon vorgelegen hätte, als der Verkäufer das Gerät versandt hat. Die Frage ist, ob der Verkäufer das Risiko tragen will, daß sich ein solcher Mangel bei einer Begutachtung erweist und daß ihm dann am Ende nicht nur das defekte Gerät anlastet, sondern auch noch die Kosten des Sachverständigen, die bei vielen Haushaltsgeräten den Wert der begutachteten Sache deutlich übersteigen würden. Praxisnäher ist es da wohl, daß der Verkäufer sich die Sache zurückschicken läßt und selbst prüft, ob sie die behauptete Funktionsuntüchtigkeit aufweist oder nicht.
Aus technischen Gründen befindet sich die Signatur
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Re: Privatverkauf - Haftung für defektes Gerät?

Beitrag von fodeure » 05.05.19, 12:44

Etienne777 hat geschrieben:Die Frage ist, ob der Verkäufer das Risiko tragen will
Welches Risiko? Der Verkäufer hat die Sachmängelhaftunng ausgeschlossen. Deswegen kann der Käufer nachweisen, was er will. Der Verkäufer haftet trotzdem nicht.

cherokee
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Re: Privatverkauf - Haftung für defektes Gerät?

Beitrag von cherokee » 06.05.19, 08:27

Wenn das Gerät defekt ist, dann schreibt man das in die Anzeige. Wenn man nicht weiß ob das Gerät funktioniert, dann schreibt man das in die Anzeige. Wenn man es weiß und verschweigt, dann täuscht man über den Zustand. Ebenso, wenn man es nicht weiß und den Käufer durch die Beschreibung in der Anzeige glauben lässt, dass das Gerät funktionieren müsste. Dann verschweigt man den Mangel.

Als Käufer tut man gut daran sich das Gerät zurückschicken zu lassen und es selber zu Prüfen. Das ist in jedem Fall der günstigste Weg. Kosten werden auch erst nach Prüfung erstattet!

Adlerträger
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Re: Privatverkauf - Haftung für defektes Gerät?

Beitrag von Adlerträger » 07.05.19, 09:56

cherokee hat geschrieben:Wenn das Gerät defekt ist, dann schreibt man das in die Anzeige. Wenn man nicht weiß ob das Gerät funktioniert, dann schreibt man das in die Anzeige.
Wenn man "unbenutzt" schreibt, ist es doch klar, dass man nicht weiß ob es funktioniert oder nicht?!
cherokee hat geschrieben: Als Käufer tut man gut daran sich das Gerät zurückschicken zu lassen und es selber zu Prüfen. Das ist in jedem Fall der günstigste Weg. Kosten werden auch erst nach Prüfung erstattet!
Als Verkäufer meinst Du.

Das Thema kann von mir aus geschlossen werden, die Sache hat sich erledigt. Seltsamerweise wollte der Käufer das Gerät nämlich nicht zur Prüfung an den Verkäufer zurückschicken, stattdessen pochte er auf den Garantieschein ... nach einem freundlichen Hinweis darauf, dass der Hersteller vorab ganz sicher die Seriennummer des Geräts überprüfen wird, war das Gerät plötzlich doch ok. :roll:

cherokee
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Re: Privatverkauf - Haftung für defektes Gerät?

Beitrag von cherokee » 07.05.19, 11:01

Stimmt natürlich als Verkäufer! Na da haben Sie einen ganz findigen Käufer an der Angel gehabt ;-)

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