Werkstudentenprivileg nachteilig

Arbeitslosengeld, Arbeitslosengeld II, Berufsgenossenschaften, Renten, Schwerbehinderung ,Kranken- und Pflegeversicherung

Moderator: FDR-Team

Antworten
Struppinger
Topicstarter
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 227
Registriert: 27.08.07, 04:40

Werkstudentenprivileg nachteilig

Beitrag von Struppinger » 13.05.19, 13:14

Student A nimmt einen Job als studentische Hilfskraft auf und verdient mtl. knapp 500 € brutto. Zuvor war er beitragsfrei gesetzlich familienversichert. Die Versicherung fordert von ihm nunmehr Pflichtbeiträge zur KV und PV, wenn auch in reduzierter Höhe (insgesamt knapp 100 € mtl.). A fragt sich, ob das alles so seine Richtigkeit hat und vermag im "Werkstudentenprivileg" (https://www.studentenwerke.de/de/werkstudentenprivileg) keine Vorteile für sich zu sehen (die hat eher der Arbeitgeber). Ansprüche auf BAföG und damit einen Zuschuss zur KV/PV bestehen nicht. Hat A eine Möglichkeit, wieder Aufnahme in der Familienversicherung zu finden? Ein teilweiser Lohnverzicht sei schon aufgrund fester landesweiter Regelungen keine Option.

SusanneBerlin
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 15816
Registriert: 05.11.12, 13:35

Re: Werkstudentenprivileg nachteilig

Beitrag von SusanneBerlin » 13.05.19, 13:31

Hallo,

das "Werkstudentenprivileg" ist dann vorteilhaft für den Studenten, wenn er selber Mitglied einer Krankenversicherung ist.
Es bleibt dann beim reduzierten studentischen Monatsbeitrag, egal wieviel er verdient, solange die Wochenarbeitszeit unter 20h die Woche beträgt.
Wenn er familienversichert war und mehr als 450€ € brutto verdient, muss er sich fortan selber versichern und ab da den Monatsbeitrag zur KV leisten.
Hat A eine Möglichkeit, wieder Aufnahme in der Familienversicherung zu finden? Ein teilweiser Lohnverzicht sei schon aufgrund fester landesweiter Regelungen keine Option.
Tja wenn der Arbeitgeber kein Jobmodell bis 450€ brutto anbietet und der Student unbedingt in der Familienversicherung bleiben bzw. zurück möchte weil er den reduzierten studentischen Krankenkassenbeitrag von ca. 90€ monatlich auf keinen Fall tragen möchte, dann bleibt nur den Job zu kündigen. Dann kann er zurück in die Familienversicherung bis er 25 ist.
Grüße, Susanne

matthias.
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 23745
Registriert: 07.06.05, 20:10

Re: Werkstudentenprivileg nachteilig

Beitrag von matthias. » 13.05.19, 14:25

Studentsiche Hilfskraft heißt Job an der Hochschule?

Dann würde ich mich mal an den AStA oder Personalrat werden, das Problem dürfte dann ja nicht nur 1 Studierender haben.

vikingz
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 952
Registriert: 08.10.05, 23:03

Re: Werkstudentenprivileg nachteilig

Beitrag von vikingz » 13.05.19, 15:45

matthias. hat geschrieben:Studentsiche Hilfskraft heißt Job an der Hochschule?

Dann würde ich mich mal an den AStA oder Personalrat werden, das Problem dürfte dann ja nicht nur 1 Studierender haben.
Als Mitarbeiter einer Krankenkasse hört man sogar ziemlich häufig, dass nur genau nur dieser Student das Problem hat, alle anderen Kassen sind da kulanter.
Das Thema ist bei dem Gegenargument austauschbar, und erstaunlicherweise sogar die Kasse.

Aber zum Thema, es ist, wie SusanneBerlin schreibt. Die Altersgrenze für die studentische Versicherung ist zudem weit höher als die für die Familienversicherung. Das Privileg besteht darin, dass die Versicherungspflicht als Arbeitnehmer nicht greift, für die Familienversicherung ist es im Grunde gar nicht relevant.

Mit knapp 500 Euro monatlich läge ein Student aber nach Abzug der Werbungskosten noch unter der Einkommensgrenze (445 Euro in 2019 zuzüglich 83,33 Euro mtl. pauschale Werbungskosten). Da könnte man um Überprüfung bitten.

SusanneBerlin
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 15816
Registriert: 05.11.12, 13:35

Re: Werkstudentenprivileg nachteilig

Beitrag von SusanneBerlin » 13.05.19, 17:44

A fragt sich, ob das alles so seine Richtigkeit hat und vermag im "Werkstudentenprivileg" keine Vorteile für sich zu sehen
Werkstudentenprivileg bedeutet nicht, dass man für lau krankenversichert ist wie in der Familienversicherung, sondern es bedeutet dass man wesentlich weniger Abzüge hat als ein normaler Arbeitnehmer, weil keine Beiträge zur Arbeitslosen- und zur Rentenversicherung erhoben werden.

Ohne Werkstudentenprivileg, als normaler Arbeitnehmer bei hätte A folgende Abzüge von seinen 500€ Brutto zu verzeichnen:

Krankenversicherung: 38,75
Pflegeversicherung: 8,88
Rentenversicherung: 46,50
Arbeitslosenversicherung: 6,25
Nettolohn: 399,63
(https://www.brutto-netto-rechner.info/)

Mit Studentenprivileg:
Kranken- und Pflegeversicherung: 94 €
Nettolohn: 406 €

Bei 500€ brutto ist der Unterschied nicht sonderlich hoch, aber füttern Sie den brutto-netto-Rechner mit höheren Lohnbeträgen, dann wird es deutlich.
Grüße, Susanne

RHW
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 229
Registriert: 23.05.10, 23:16

Re: Werkstudentenprivileg nachteilig

Beitrag von RHW » 13.05.19, 19:38

Hallo "SusanneBerlin",

die Rechnung passt nicht ganz:

Beim Werkstudentenprivileg fallen auch noch 46 Euro Rentenversicherungsbeitrag an. Es ergibt sich folgende Rechnung:

Ohne Werkstudentenprivileg, als normaler Arbeitnehmer bei hätte A folgende Abzüge von seinen 500€ Brutto zu verzeichnen:

Krankenversicherung: 38,75
Pflegeversicherung: 8,88
Rentenversicherung: 46,50
Arbeitslosenversicherung: 6,25
Nettolohn: 399,63
(https://www.brutto-netto-rechner.info/)

Mit Studentenprivileg:
Kranken- und Pflegeversicherung: 94 €
Rentenversicherung: 46,50
Nettolohn: 359,50 €

Bei 500 Euro Bruttoverdienst kann aber noch die Werbungskostenpauschale von 1.000 Euro pro Kalenderjahr abgezogen werden. Der Fragesteller kann gegen die Beendigung der Familienversicherung Widerspruch einlegen und auf die Werbungskostenpauschale verweisen.

Gruß
RHW

FM
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 16699
Registriert: 05.12.04, 16:06

Re: Werkstudentenprivileg nachteilig

Beitrag von FM » 14.05.19, 07:55

Die Bezeichnung "Privileg" ist hier irreführend und wird auch nicht im Gesetz verwendet. Es geht um Versicherungsfreiheit, und die ist in vielen Fällen gerade in der KV ein Nachteil - weil man dann eben anderweitig versichert sein muss.

Struppinger
Topicstarter
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 227
Registriert: 27.08.07, 04:40

Re: Werkstudentenprivileg nachteilig

Beitrag von Struppinger » 20.05.19, 16:44

@ vikingz und RHW:
Wo ist denn die Absetzung der Werbungskostenpauschale geregelt? Und müsste das die Versicherung nicht von Amts wegen beachten?
Gut, die zweite Frage ziehe ich zurück :|

vikingz
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 952
Registriert: 08.10.05, 23:03

Re: Werkstudentenprivileg nachteilig

Beitrag von vikingz » 21.05.19, 15:32

Die Regelung zu Werbungskosten findet man hier, die Kasse müsste sie von selbst berücksichtigen, wenn die geforderten Einkommensnachweise eingereicht werden.

Struppinger
Topicstarter
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 227
Registriert: 27.08.07, 04:40

Re: Werkstudentenprivileg nachteilig

Beitrag von Struppinger » 29.05.19, 14:28

Thx! :D

Antworten