Spezielles Arbeitsmittel fehlt

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SweetyBLN
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Spezielles Arbeitsmittel fehlt

Beitrag von SweetyBLN » 12.06.19, 19:10

Hallo zusammen,

Der Arbeitnehmer ist nun länger krank aufgrund eines Arbeitsunfalls . Hat aber ein Attest von seiner Ärztin bekommen, dass er einen speziellen Tisch benötigt. Dieses wurde auch beim Arbeitgeber eingereicht.
Der Tisch wurde vor 4 Monaten vom Arbeitgeber bestellt.

Nun soll der Arbeitnehmer wieder arbeiten gehen. Aber der verordnete Tisch ist immer noch nicht da.

Die zuständige Berufsgenossenschaft intressiert das nicht und sagt, dass sie damit nichts zu tun hat. Dafür ist der Arbeitgeber zuständig.

Die Ärztin sagt, dass sie es auch nicht ändern kann und den Tisch nicht zaubern kann. Man solle einfach arbeiten gehen wieder.

Der Arbeitgeber lässt sich Zeit mit dem Tisch, da der Lieferant nicht liefert.

Welche Möglichkeiten hat der Arbeitnehmer nun?
Ist die BG wirklich nicht zuständig um evtl Druck beim Arbeitgeber zu machen?

Die Ärztin verordnet per Attest ein spez Tisch und weiß, dass ohne diesen der Arbeitnehmer nicht arbeiten kann, schreibt aber auch nicht weiter krank

FelixSt
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Re: Spezielles Arbeitsmittel fehlt

Beitrag von FelixSt » 12.06.19, 19:31

Was will der AN denn wirklich? Den Tisch oder eine Krankschreibung?

SweetyBLN
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Re: Spezielles Arbeitsmittel fehlt

Beitrag von SweetyBLN » 12.06.19, 19:41

Der AN möchte den Tisch um wieder richtig arbeiten gehen zu können.

Wenn er arbeiten geht ohne diesen Tisch, muß er oft aufstehen und Pause machen. Dieses wird von Führungskräften im Sinne der Zielvereinbarung nicht toleriert.
Die würden dann sagen, dass man sich krank schreiben lassen soll wenn man nicht arbeiten kann

karli
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Re: Spezielles Arbeitsmittel fehlt

Beitrag von karli » 12.06.19, 20:07

SweetyBLN hat geschrieben:
12.06.19, 19:10
Die Ärztin sagt, dass sie es auch nicht ändern kann und den Tisch nicht zaubern kann. Man solle einfach arbeiten gehen wieder.
Offenbar ist doch die Ärztin der Ansicht, daß der AN auch ohne den speziellen Tisch arbeiten gehen kann.
Handelt es sich um eine Wiedereingliederung?
SweetyBLN hat geschrieben:
12.06.19, 19:41
Der AN möchte den Tisch um wieder richtig arbeiten gehen zu können.
Vielleicht hilft es, wenn man energisch mit dem Fuß aufstampft. :mrgreen:
Wenn du kritisiert wirst, dann mußt du irgend etwas richtig machen, denn man greift nur denjenigen an, der den Ball hat. (Bruce Lee)
Achtung: Meine Beiträge können Meinungsäusserungen, Denkanstösse, sowie Spuren von Ironie und Sarkasmus enthalten.

FM
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Re: Spezielles Arbeitsmittel fehlt

Beitrag von FM » 12.06.19, 20:16

Die Hausärztin des Arbeitnehmers kann dem Arbeitgeber keine rechtsverbindlichen Anweisungen erteilen. Sie kann nur eine sachverständige Meinung äußern.

Wenn sie der Meinung ist, ohne diesen Tisch würde zutreffen:
1Arbeitsunfähigkeit liegt vor, wenn Versicherte auf Grund von Krankheit ihre zuletzt vor der Arbeitsunfähigkeit ausgeübte Tätigkeit nicht mehr oder nur unter der Gefahr der Verschlimmerung der Erkrankung ausführen können. 2Bei der Beurteilung ist darauf abzustellen, welche Bedingungen die bisherige Tätigkeit konkret geprägt haben. 3Arbeitsunfähigkeit liegt auch vor, wenn auf Grund eines bestimmten Krankheitszustandes, der für sich allein noch keine Arbeitsunfähigkeit bedingt, absehbar ist, dass aus der Ausübung der Tätigkeit für die Gesundheit oder die Gesundung abträgliche Folgen erwachsen, die Arbeitsunfähigkeit unmittelbar hervorrufen.
kann sie ja weiterhin AU-Bescheinigungen ausstellen, solange der Tisch nicht da ist. Die Aussagen die Ärztin sagt "Man solle einfach arbeiten gehen wieder" und sie "weiß, dass ohne diesen der Arbeitnehmer nicht arbeiten kann" sind widersprüchlich. Welche von beiden trifft zu?

Für Prävention am Arbeitsplatz ist in erster Linie der Betriebsarzt zuständig. Dieser wird sicherlich die Stellungnahme seine behandelnden Kollegin in seine Überlegungen einbeziehen, wenn man sie ihm vorlegt.

Sollte der Arbeitnehmer aus denselben Gründen schwerbehindert sein, gilt weiteres. Aber das wurde noch nicht erwähnt.

Welche Krankheit führt eigentlich dazu, dass ein bestimmter Tisch notwendig ist?

SweetyBLN
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Re: Spezielles Arbeitsmittel fehlt

Beitrag von SweetyBLN » 12.06.19, 20:22

Die D-Ärztin ist der Meinung, dass sie kein Einfluß auf den Tisch hat und nur das Attest was auch dem Betriebsarzt vorgelegt wurde, ausgestellt hat.
Sie kann kein Tisch zaubern. Man solle einfach arbeiten gehen.

Der Ärztin ist bewusst, dass der AN starke Schmerzen hat wenn er laufend sitzt.
Der Stehtisch hilft dabei weiter ohne Pause zwecks Schmerzen zu arbeiten.

Die BG behauptet, dass die selbige damit nichts zu tun hat.

Der AN hatte mehrere Knochenbrüche mit bleibenden Schäden.
Im Sitzen fängt es nach einer Weile an zu schmerzen usw.

Eine Schwerbehinderung ist bis dato zwar beantragt, aber aufgrund 6 monatiger Wartezeit nach dem Unfall vorerst auf Eis gelegt. Das zuständige Amt fordert erst in diesem Monat die Berichte erneut an und entscheidet dann

Eine weitere Krankschreibung wird von der Ärztin auf bitten bis der Tisch da ist, abgelehnt.

SusanneBerlin
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Re: Spezielles Arbeitsmittel fehlt

Beitrag von SusanneBerlin » 12.06.19, 21:39

SweetyBLN hat geschrieben:Der Arbeitgeber lässt sich Zeit mit dem Tisch, da der Lieferant nicht liefert.
Der AN könnte herausfinden, welcher Lieferant in der Lage ist den Tisch kurzfristig zu liefern und diese Info an den AG weitergeben, zusammen mit der Bitte bei diesem Lieferanten den Tisch zu bestellen.
Grüße, Susanne

SweetyBLN
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Re: Spezielles Arbeitsmittel fehlt

Beitrag von SweetyBLN » 13.06.19, 04:04

Genau da liegt das Problem. Das Unternehmen ist so groß, dass keiner weiss was der Andere macht. Die Zuständige Person die den Tisch bestellt hat, sitzt in in einem anderen Standort und reagiert weder auf Anrufe oder Emails.

Ist bzw muss die BG den Arbeitnehmer jetzt nicht unterstützen dabei und den AG kontaktieren? Weil wenn die BG sich einmischt, hat diese ggf mehr Einfluß.

Die BG sagte mir aber, dass diese damit nichts zu tun hat. Obwohl laut deren Webseite usw, diese die AN und auch AG unterstützt.

Ist es ein korektes Verhalten der Ärztin, dass sie den AN arbeiten gehen lässt obwohl er nachweislich diesen Tisch braucht ?

Dummerchen
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Re: Spezielles Arbeitsmittel fehlt

Beitrag von Dummerchen » 13.06.19, 06:58

Zunächst einmal: auch die BG kann keine Tische kurzfristig schnitzen. Wenn ein Lieferengpass besteht, dann ist das ärgerlich, aber nicht zu ändern.

Ansonsten kann man seine Arbeit an den meisten Arbeitsplätzen so organisieren, dass langes Sitzen vermieden werden kann. So kann man z.B. auch an einem gewöhnlichen Schreibtisch aufstehen zum Telefonieren. Man muss Gänge an den Drucker/Kopierer/ in andere Büros nicht bündeln, um dann eine ganze Stunde ununterbrochen zu stehen, sondern kann immer wieder solche Nebenarbeiten erledigen. Ablagetätigkeiten können oftmals vor dem Aktenschrank stehend erledigt werden, zum Abheften muss man nicht sitzen. Wenn alle Sticke reissen, könnten auch häufigere Kurzpausen vereinbart werden, die der AN zur Bewegung nutzen kann (er darf dann aber nicht am Schreibtisch sitzend Kaffee trinken).
Hier sollte der AN zunächst mit seinen Vorgesetzten sprechen, dass seine Arbeit entsprechend angepasst wird. Der Betriebsarzt kann in solcher Situation oftmals vermitteln. Mit dem Vorgesetzten kann man auch besprechen, dass der sich an den Einkauf/die Materialwirtschaft wendet, um die Dringlichkeit der Bestellung deutlich zu machen. Dazu kann er auch die Fachkraft für Arbeitssicherheit einbinden, die oftmals die Wege der Hilfsmittelbestellung im Betrieb recht gut kennt.
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winterspaziergang
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Re: Spezielles Arbeitsmittel fehlt

Beitrag von winterspaziergang » 13.06.19, 07:00

SweetyBLN hat geschrieben:
12.06.19, 19:10
Hallo zusammen,

Der Arbeitnehmer ist nun länger krank aufgrund eines Arbeitsunfalls . Hat aber ein Attest von seiner Ärztin bekommen, dass er einen speziellen Tisch benötigt. Dieses wurde auch beim Arbeitgeber eingereicht.
Der Tisch wurde vor 4 Monaten vom Arbeitgeber bestellt.

Der Arbeitgeber lässt sich Zeit mit dem Tisch, da der Lieferant nicht liefert.
wieso lässt sich der AG Zeit, wenn der Lieferant, den bereits bestellten Tisch nicht liefert?
SweetyBLN hat geschrieben:
12.06.19, 19:10
Welche Möglichkeiten hat der Arbeitnehmer nun? [/u]
Ist die BG wirklich nicht zuständig um evtl Druck beim Arbeitgeber zu machen?
gehört der Druck nicht zum Lieferanten? wobei Druck wohl falsch ist, wenn man noch gar nicht weiß, warum es so lange dauert. Nachfragen kann der AN dort nicht?
SweetyBLN hat geschrieben:
12.06.19, 19:10
Die Ärztin verordnet per Attest ein spez Tisch und weiß, dass ohne diesen der Arbeitnehmer nicht arbeiten kann, schreibt aber auch nicht weiter krank
SweetyBLN hat geschrieben:
12.06.19, 19:10
Ist es ein korektes Verhalten der Ärztin, dass sie den AN arbeiten gehen lässt obwohl er nachweislich diesen Tisch braucht ?
Offensichtlich benötigt der AN den Tisch nicht, um zu arbeiten, sondern, um nicht so viele Pausen zu machen. Arbeitsunfähig ist er offenbar nicht und dann darf die Ärztin auch gar nicht die AU ausstellen.

ktown
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Re: Spezielles Arbeitsmittel fehlt

Beitrag von ktown » 13.06.19, 07:10

winterspaziergang hat geschrieben:
13.06.19, 07:00
Offensichtlich benötigt der AN den Tisch nicht, um zu arbeiten, sondern, um nicht so viele Pausen zu machen. Arbeitsunfähig ist er offenbar nicht und dann darf die Ärztin auch gar nicht die AU ausstellen.
Sehe ich auch so. Der AN muss halt das
SweetyBLN hat geschrieben:
12.06.19, 19:41
Wenn er arbeiten geht ohne diesen Tisch, muß er oft aufstehen und Pause machen. Dieses wird von Führungskräften im Sinne der Zielvereinbarung nicht toleriert.
aushalten.
Dieses Problem kann er nicht auf die BG oder die Ärztin abwälzen.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe

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Re: Spezielles Arbeitsmittel fehlt

Beitrag von Zafilutsche » 13.06.19, 07:38

Aus Ergonomischen Gründen müssen Stuhl und Tisch zusammen passen und auf die Körpergröße des Schreibtischtäters angepasst sein.
Lange Sitztätigkeiten (und das auf nicht abgestimmte/Falsch eingestellte Stühlen) führen nicht selten zu Rücken und oder Schulterproblemen.
Als AN wäre es m.E. ratsam, die Aktionen mit den falschem Tisch und den vergeblichen Versuchen einen ordnungsgemäßen Arbeitsplatz zu erhalten zu dokumentieren.
Wichtig wäre (für den Fall das ein BEM=Widereingliederungsgespräch stattfindet) das die Maßnahme "Schnellstmögliche Beschaffung eines geeigneten Tisches für den AN Herr X oder Frau Y" oder so ähnlich im Gesprächs Protokoll fixiert ist.
Es könnte ja mal in Zukunft um die Frage gehen, ob aus Gründen eines mangelnden Arbeits-/Gesundheitsschutzes heraus eine Berufsbedingte Gesundheitsschädigung eingetreten ist die zu Rentenansprüchen führen könnten.
Da können Nachweise (auch der Nachweis einer unzureichend oder gar fehlenden BEM) dem Richter helfen eine richtige Entscheidung zu finden. :wink:
Der Betriebsarzt und die Fachkraft für Arbeitssicherheit sind die richtigen Ansprechpartner. Dann sollte das Thema eigentlich durch sein. :wink:

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