1 Jahr dauernde Autoreparatur

Rechtsgeschäfte des täglichen Lebens, Kaufrecht für Käufer und Verkäufer, Werkvertragsrecht

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RubRecht
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1 Jahr dauernde Autoreparatur

Beitrag von RubRecht » 18.06.19, 14:57

Guten Tag,
mich würde es brennend interessieren, ob man als Kunde auf Gedeih und Verderb einer Werkstatt ausgeliefert ist, nur weil man der offensichtlich gespielten Freundlichkeit und den mündlichen Versprechungen deren Chef vertraut hat.

Angenommen man hätte seinen Diesel-Oldtimer im Sommer letzten Jahres einer Werkstatt mündlich in Auftrag gegeben, weil der Motor qualmt und stottert. Der Firmenchef nimmt den Auftrag per freundschaftlichem Handschlag an, erklärt dazu dass das nichts Größeres, was schnell erledigt ist, sei und man sich keine Sorgen zu machen brauche.
Trotzdem zögert sich die Reparatur hinaus, Ende Sommer 2018 sind dann endlich (angeblich) neue Düsen eingebaut, doch sämtliche Symptome bleiben unverändert. Telefonisch und per Mail (mit erhaltener Lesebestätigung) wird das reklamiert, woraufhin nach etlichen Aufforderungen per Mail (mit erhaltener Lesebestätigung) einer Nachbesserung stattgegeben wird, die aber nichts bewirkt.
Irgendwann erhält die Kundin zwar sogar ein altes Leihfahrzeug, doch die Nachbesserungs-Reparatur verschiebt sich wegen angeblichen Personalmangels immer weiter, bringt dann aber wieder keinerlei Verbesserung, alle jeweiligen Reklamationen per Mail (mit erhaltener Lesebestätigung) führen nur zu weiteren Nachbesserungsversuchen, und sämtliche angeblich durchgeführten Nachbesserungen schlagen fehl.
Im Januar wird, weil, da angeblich der Fehler endlich gefunden und beseitigt wurde, dummerweise zur Abholung eine Anzahlung geleistet, weshalb Tage später Mahnungen für die Restzahlung eintrudeln.
Sicherheitshalber wird nun endlich die erneute Reklamation mit Aufforderung zur kostenlosen Nachbesserung inkl.des Einspruchs gegen die Mahnung per Fax gesendet, wobei nochmal sämtliche Symptome sowie die erhaltenen vielen Versprechungen schriftlich festgehalten werden.
Die nächsten Reklamationen auf weitere gescheiterte angeblich durchgeführte Nachbesserungen geschehen nun ebenfalls nur noch per Telefax, wobei im Mai zusätzlich die von der Werkstatt zugesagte Fertigstellungsfrist festgehalten wird. Anfang Juni wird dann nochmal per Fax reklamiert, dass
  • das Fahrzeug monatelang unter freiem Himmel seinen Wert verliert,
  • die letzte (xte) Nachbesserung schon wieder keine Besserung gebracht hat,
  • sämtliche Versprechungen nicht eingehalten werden sowie
  • nun zusätzlich ein Aschenbecher sowie ein Konsolen-Klappengriff (wahrscheinlich beim Ausbau der innenliegenden Motorhaube) beschädigt wurde.
  • Außerdem wird eine zweiwöchige Frist zur Fertigstellung mit dem Hinweis auf die Geltendmachung weiterer Rechte gesetzt.
Dies alles wird - wie gehabt - ebenfalls einfach von der Werkstatt ignoriert.
Auf keine der Schriftsätze wurde übrigens jemals reagiert, sondern bei persönlichen Gesprächen nur über Personalmangel geklagt, versprochen und vertröstet!

Welche Rechte, falls sie denn welche besitzt, hätte denn diese arme Kundin überhaupt, und wie sollte sie weiterhin vorgehen, bitte?
Über eine hilfreiche Antwort würde ich mich sehr freuen!
Lieben Gruß Suzi

ktown
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Re: 1 Jahr dauernde Autoreparatur

Beitrag von ktown » 18.06.19, 15:33

Liebes FDR-Mitglied,

wie Sie sicher in unserer Juriquette (=Forenregeln) gelesen haben, darf hier keine individuelle Rechtsberatung in einem konkreten Fall erfolgen. Sie helfen dem Forum und erleichtern dem Moderatoren-Team die Arbeit, wenn Sie eine Fragestellung zur allgemeinen Rechtslage herausarbeiten, die für Sie von Relevanz ist.

Weitere Konkretisierungen zur unseren Forenregeln finden sich neben der Juriquette in der Moderationsleitline oder in dem Beitrag "Was ist erlaubt"?

Fragen dazu können Sie jederzeit im Forum für Mitgliederinformation u. Support stellen.

Wenn sie eine individuelle Beratung wünschen, dann hilft ihnen diese Seite.

SusanneBerlin
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Re: 1 Jahr dauernde Autoreparatur

Beitrag von SusanneBerlin » 18.06.19, 15:41

Die Kundin muss sich von der Vorstellung verabschieden, dass man bei einer Autowerkstatt nur die erste Rechnung für die erste Fehlersuche und ersten Austausch von Teilen zahlt und alles weitere kostenlose "Nachbesserungen" sind, d.h. die Werkstatt ohne Bezahlung arbeitet bis die Fehlerursache gefunden ist. Dem ist nicht so.

Findet die Werkstatt den Fehler nicht in einer angemessenen Zeit, steht es einem Kunde frei den Wagen abzuholen und woanders reparieren zu lassen.
Grüße, Susanne

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Re: 1 Jahr dauernde Autoreparatur

Beitrag von Gaia » 18.06.19, 17:50

Ein Kunde muß für eine Reparatur bezahlen, die den angeblich reparierten Fehler nicht behoben hat? :shock:

Gäbe es in dem hier geschilderten fiktiven Fall eigentlich irgendwelche Schriftstücke seitens der Werkstatt (z.B. ein Kostenvoranschlag) oder irgendwelche Zeugen für irgendwelche Gespräche oder gar die darin enthaltenen Zusagen (abgesehen vom freundlichen Chef und der verärgerten Kundin)?

RubRecht
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Re: 1 Jahr dauernde Autoreparatur

Beitrag von RubRecht » 18.06.19, 18:04

Danke ktown,
und Entschuldigung bitte, ich war der Meinung, dass mit dem Begriff "Kunde" dieser fiktive Fall genügend verallgemeinert worden wäre.

Danke SusanneBerlin und Gaia.
Die Kundin hatte in diesem fiktiven Fall bereits der Werkstatt klar gemacht, dass sie sich bewusst darüber sei, dass andere Reparaturen von ihr bezahlt werden müssten, aber der Meister der Fachwerkstatt hatte ihr und ihrem Ehemann immer wieder mündlich versichert, dass es die Düsen seien und sie sich diesbzgl.keine Sorgen zu machen brauche, was sie dann per Fax festgehalten hat.
Abgesehen davon ist der Schaden nach dem Eingriff größer geworden als er zuvor war.

Zafilutsche
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Re: 1 Jahr dauernde Autoreparatur

Beitrag von Zafilutsche » 27.06.19, 15:16

RubRecht hat geschrieben:
18.06.19, 14:57
... weil der Motor qualmt und stottert. Der Firmenchef nimmt den Auftrag per freundschaftlichem Handschlag an, erklärt dazu dass das nichts Größeres, was schnell erledigt ist, sei und man sich keine Sorgen zu machen brauche.
Hierzu sei erwähnt, dass es spezialisierte Motoren Instandsetzer gibt. Die Möglichkeiten, warum ein Motor stottert und ungewöhnlich stark qualmt können sehr vielschichtig sein.
Klar können verschlissene Injektoren zu falschen Abgasen führen. Genauso könnten Ventile/Ventilsitze das Problem verstärken oder verschlissen Ölabstreifer. Dann wären die Probleme jedenfalls nicht so schnell zu erledigen und könnten mit unangenehm unerwartet hohen Kosten verbunden sein. Genauso fehlende falsche Signalübertragungen von Messsensoren u.v.m.
Eine klare Diagnose wird man ohne Prüf- Messmittel nicht seriös abgeben können. (Vielleicht konnte die Werkstatt via Sichtprüfung erkennen das eine/zwei oder mehr Injektoren Undichtigkeiten aufweisen. Aber zu behaupten die Kleinigkeiten seien das Problem des Stotterns, das wäre m.E. etwas weit aus dem Fenster gelehnt.
Oder es ist doch die berühmt berüchtigte Glaskugel verwendet worden (die aber in diesem Fall defekt war).

RubRecht
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Re: 1 Jahr dauernde Autoreparatur

Beitrag von RubRecht » 27.06.19, 21:19

Danke Zafilutsche!

Da könnte ja in meinem fiktiven Fall nicht nur rechtlich sondern auch technisch ein ziemlich unangenehmer Nachgeschmack bleiben...

Besten Gruß und Gute Nacht!
Suzi

WHKD2000
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Re: 1 Jahr dauernde Autoreparatur

Beitrag von WHKD2000 » 29.06.19, 16:56

Zafilutsche hat geschrieben:
27.06.19, 15:16
Hierzu sei erwähnt, dass es spezialisierte Motoren Instandsetzer gibt. Die Möglichkeiten, warum ein Motor stottert und ungewöhnlich stark qualmt können sehr vielschichtig sein.
Ein Motor-Instandsetzer setzt defekte Motoren instand.

Er baut diese auf Wunsch auch von Grund auf neu und mit den zulässigen Maßen der beweglichen Teile wieder auf,hont,plant verzogene :shock: Köpfe ,was auch immer.
Aber er macht definitv keine Fehlersuche.
Das ist die falsche Baustelle.

Aber eine Werkstatt,die einen Oldtimer ( ob Diesel oder Benziner ) nicht einstellen kann,hat vermutlich nur junge KFZ-Mechaelektoniker am Start.

Wenns da nichts zum :shock: Einstecken gibt ist da schnell mit dem Latein am Ende.

RubRecht
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Re: 1 Jahr dauernde Autoreparatur

Beitrag von RubRecht » 30.06.19, 08:51

Der Chef versichert seit einem Jahr immer wieder ganz stolz, dass er der einzige in seinem Betrieb sei, der das noch beherrsche - und die Kundin sich keine Sorgen zu machen bräuchte...

SusanneBerlin
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Re: 1 Jahr dauernde Autoreparatur

Beitrag von SusanneBerlin » 30.06.19, 09:03

RubRecht hat geschrieben:
30.06.19, 08:51
Der Chef versichert seit einem Jahr immer wieder ganz stolz, dass er der einzige in seinem Betrieb sei, der das noch beherrsche
Warum bringt er es seinen Lehrlingen und Mitarbeitern dann nicht bei? Dann würden es mehrere in seinem Betrieb beherrschen.
Grüße, Susanne

RubRecht
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Re: 1 Jahr dauernde Autoreparatur

Beitrag von RubRecht » 30.06.19, 11:31

Interessante Frage, aber:
Wie lange er wohl Beibringen müsste, wenn schon das Reparieren selber innerhalb eines Jahres nicht klappt ...

Zafilutsche
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Re: 1 Jahr dauernde Autoreparatur

Beitrag von Zafilutsche » 01.07.19, 07:35

RubRecht hat geschrieben:
30.06.19, 08:51
Der Chef versichert seit einem Jahr immer wieder ganz stolz, dass er der einzige in seinem Betrieb sei, der das noch beherrsche - und die Kundin sich keine Sorgen zu machen bräuchte...
Was denn beherrscht? Eine qualifizierte Fehlerdiagnose wohl offenbar nicht. :oops: Sonst würde die "Bastelei" nicht so ewig lange dauern. Das muß ja ein super seltenes/Exostisches Exemplar von Oldtimer sein.

WHKD2000
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Re: 1 Jahr dauernde Autoreparatur

Beitrag von WHKD2000 » 01.07.19, 11:57

Zafilutsche hat geschrieben:
01.07.19, 07:35

Was denn beherrscht? Eine qualifizierte Fehlerdiagnose wohl offenbar nicht. :oops: Sonst würde die "Bastelei" nicht so ewig lange dauern. Das muß ja ein super seltenes/Exostisches Exemplar von Oldtimer sein.
wenn ich raten müßte, MB 123 oder W 114/115.
Der Chef weiß von den Modellen,daß es da auch Diesel gibt.

RubRecht
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Re: 1 Jahr dauernde Autoreparatur

Beitrag von RubRecht » 04.07.19, 08:45

Nein, gar nicht!
Es handelt sich in meiner Geschichte um ein einfaches altes Feuerwehrauto D 407, wie diesen hier https://blog.daimler.com/wp-content/upl ... 40x375.jpg.

WHKD2000
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Re: 1 Jahr dauernde Autoreparatur

Beitrag von WHKD2000 » 04.07.19, 20:32

RubRecht hat geschrieben:
04.07.19, 08:45
Nein, gar nicht!
Es handelt sich in meiner Geschichte um ein einfaches altes Feuerwehrauto D 407, wie diesen hier https://blog.daimler.com/wp-content/upl ... 40x375.jpg.
hehehe,ist auch ein Daimler.............den Chef kann ich mir lebhaft vorstellen :lachen:

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