außergewöhnliche Belastung (Zusammenveranlagung)

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gandalf9
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außergewöhnliche Belastung (Zusammenveranlagung)

Beitrag von gandalf9 » 25.06.19, 16:22

Ausgangslage:
Eheleute mit Zusammenveranlagung, Ehemann ist schwerbehindert mit GdB 90 und Merkzeichen G, er bezieht Vollerwerbsunfahigkeitsrente und hat Pflegegrad II. Die Ehefrau ist berufstätig und unterliegt keinerlei Einschränkungen, kann aber aufgrund der Behinderung des Ehemanns nicht in Vollzeit arbeiten.
Zur Bearbeitung der Steuererklärung 2018 werden u.a. Nachweise für die Fahrtkosten zu Ärzten und Therapien verlangt, welches aus der Mitwirkungspflicht gem. AO auch durchaus berechtigt ist.
Probleme/ Fragen:
Können auch die Fahrtkosten der Ehefrau zu den nur sie betreffenden Besuchen in der Zusammenveranlagung geltend gemacht werden? Ihre Fahrtkosten wurden mit denen des Ehemanns als gemeinsame außergewöhnliche Belastungen angegeben.
Können in diesem Fall z.B. Besuche beim Zahnrzt ebenfalls als außergewöhnliche Belastungen angegeben werden (also alle Arztbesuche)?
Die tatsächlichen Fahrtkosten übersteigen die als angemessenen anzusehenden Kosten. Das hat folgende Gründe: zum einen sind die in den aktuellen Praxen angewandten Untersuchungen/ Therapien wirksam, zum anderen sind gleiche Ergebnisse in anderen Einrichtungen zwar evtl. möglich, letztere sind aber zumind. viel zeitaufwändiger zu erreichen (sehr wahrscheinlich ist die Entfernung in km zu den Praxen auch noch höher). Die Vorgabe von 3.000 km p.a. ist unseren Ermessens nicht praktikabel. Das eigentliche Problem stellt sich aber noch. Bisher wurden die Angaben vom zuständigen FA ohne Nachweise anerkannt. Ein einfaches Fahrtenbuch, welches nicht eingereicht werden mußte, genügte. Jetzt verlangt das FA Nachweise. Um diese zu besorgen, fallen aber wiederum Kosten an, die dann bei der nächsten Erklärung auch als außergewöhnliche Belastung angegeben werden könnten. Welche Seite davon letztlich profitiert, ist eine Tatfrage, die für diesen Fall ausgerechnet werden muß. Jedenfalls ist dies alles u.E. keine angemesssene Vorgehensweise.
Existieren dazu Urteile, Gesetzestexte o.ä.?
Bitte unterbreiten Sie uns Vorschläge über Lösungsmöglichkeiten bzw. für die weitere Vorgehensweise.
Danke

SusanneBerlin
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Re: außergewöhnliche Belastung (Zusammenveranlagung)

Beitrag von SusanneBerlin » 25.06.19, 16:40

Hallo,
Um diese zu besorgen, fallen aber wiederum Kosten an, die dann bei der nächsten Erklärung auch als außergewöhnliche Belastung angegeben werden könnten.
Welche Kosten zum Nachweis der Kosten meinen Sie?
Kopierkosten? Fahrten zum Schreibwarengeschäft wo der Kopierer steht?
Grüße, Susanne

bavarian tax collector
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Re: außergewöhnliche Belastung (Zusammenveranlagung)

Beitrag von bavarian tax collector » 25.06.19, 16:43

gandalf9 hat geschrieben:
25.06.19, 16:22
Bisher wurden die Angaben vom zuständigen FA ohne Nachweise anerkannt.
Hieraus lässt sich für die Zukunft keinerlei Rechtsanspruch ableiten!
gandalf9 hat geschrieben:
25.06.19, 16:22
Jetzt verlangt das FA Nachweise.
Das ist -wie Sie richtig erkannt haben!- das gute Recht des FA!
gandalf9 hat geschrieben:
25.06.19, 16:22
Um diese zu besorgen, fallen aber wiederum Kosten an, die dann bei der nächsten Erklärung auch als außergewöhnliche Belastung angegeben werden könnten.
Das sehe ich nicht so, denn für diese Aufwendungen ist nicht die Behinderung, sondern das Geltend machen in der Steuererklärung ursächlich. Sie sind damit nicht zwangsläufig.
gandalf9 hat geschrieben:
25.06.19, 16:22
Jedenfalls ist dies alles u.E. keine angemesssene Vorgehensweise.
Ich persönlich sehe hier keine Überschreitung des Ermessensspielraumes seitens des FA!
gandalf9 hat geschrieben:
25.06.19, 16:22
Bitte unterbreiten Sie uns Vorschläge über Lösungsmöglichkeiten bzw. für die weitere Vorgehensweise.
Das wäre Steuerberatung, die ein Forum nicht leisten kann und vor allem nicht darf!

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SusanneBerlin
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Re: außergewöhnliche Belastung (Zusammenveranlagung)

Beitrag von SusanneBerlin » 25.06.19, 18:36

gandalf9 hat geschrieben:um einen sind die in den aktuellen Praxen angewandten Untersuchungen/ Therapien wirksam, zum anderen sind gleiche Ergebnisse in anderen Einrichtungen zwar evtl. möglich, letztere sind aber zumind. viel zeitaufwändiger zu erreichen (sehr wahrscheinlich ist die Entfernung in km zu den Praxen auch noch höher). Die Vorgabe von 3.000 km p.a. ist unseren Ermessens nicht praktikabel.
Fahrten zum Beispiel zum Arzt, zum Therapeuten oder zur Reha, die auf die Behinderung zurückzuführen sind, können zusätzlich zu den 3.000 Kilometern als außergewöhnliche Belastung abgesetzt werden.
Quelle: https://www.vlh.de/krankheit-vorsorge/b ... en-ab.html
gandalf9 hat geschrieben:Bitte unterbreiten Sie uns Vorschläge über Lösungsmöglichkeiten bzw. für die weitere Vorgehensweise.
Hier schreibt jeder freiwillig und aus eigenem Antrieb. Lösungsmöglichkeiten und Vorgehensweise erfahren Sie beim Steuerberater.
Grüße, Susanne

winterspaziergang
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Re: außergewöhnliche Belastung (Zusammenveranlagung)

Beitrag von winterspaziergang » 25.06.19, 18:44

gandalf9 hat geschrieben:
25.06.19, 16:22
Können auch die Fahrtkosten der Ehefrau zu den nur sie betreffenden Besuchen in der Zusammenveranlagung geltend gemacht werden? Ihre Fahrtkosten wurden mit denen des Ehemanns als gemeinsame außergewöhnliche Belastungen angegeben.
Können in diesem Fall z.B. Besuche beim Zahnrzt ebenfalls als außergewöhnliche Belastungen angegeben werden (also alle Arztbesuche)?
Nur eine Verständnisfrage: Die üblichen Fahrkosten zum Zahnarzt der Ehefrau als außergewöhnliche Belastung?
Die tatsächlichen Fahrtkosten übersteigen die als angemessenen anzusehenden Kosten. Das hat folgende Gründe: zum einen sind die in den aktuellen Praxen angewandten Untersuchungen/ Therapien wirksam, zum anderen sind gleiche Ergebnisse in anderen Einrichtungen zwar evtl. möglich, letztere sind aber zumind. viel zeitaufwändiger zu erreichen (sehr wahrscheinlich ist die Entfernung in km zu den Praxen auch noch höher).
Nur eine Verständnisfrage: Die aktuellen Praxen sind somit bereit die nächsten Praxen, die aufgesucht werden können?

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