Eigenkündigung des Arbeitsvertrags mit vorgerücktem Alter

Arbeitslosengeld, Arbeitslosengeld II, Berufsgenossenschaften, Renten, Schwerbehinderung ,Kranken- und Pflegeversicherung

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normanescio
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Eigenkündigung des Arbeitsvertrags mit vorgerücktem Alter

Beitrag von normanescio » 31.07.19, 22:16

Angenommen, jemand ist 62 Jahre und kündigt seinen Arbeitsvertrag. Hat das Arbeitsamt die Möglichkeit, außer der Sperrfrist des ALG von 3 Monaten Sanktionen zu verhängen? D.h. kann der AN nach 2-jähriger Arbeitslosigkeit mit 64 Jahren (vorzeitig) in Rente gehen?

SusanneBerlin
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Re: Eigenkündigung des Arbeitsvertrags mit vorgerücktem Alter

Beitrag von SusanneBerlin » 31.07.19, 22:33

Wenn er gegen keine weiteren Obliegenheiten verstösst, gibt es auch keine weiteren Sanktionen.
Grüße, Susanne

Froggel
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Re: Eigenkündigung des Arbeitsvertrags mit vorgerücktem Alter

Beitrag von Froggel » 31.07.19, 23:15

Er sollte sich das aber natürlich trotzdem gut überlegen.
Drei wichtige finanzielle Gründe sprechen für eine Entscheidung gegen die vorzeitige Rente und für den weiteren Bezug der Leistungen der Arbeitsagentur.

ALG I ist häufig höher als die Rente,

jedes Jahr des Arbeitslosengeld-Bezugs erhöht die Rente (ähnlich wie beim Krankengeld) und

wer vorzeitig in Rente geht, wird meist durch Rentenabschläge bestraft.

Ältere sollten sich allerdings klarmachen, dass bei der Arbeitsagentur für Jung und Alt die gleichen Regeln gelten. Dies gilt selbst für 64-Jährige, die kurz vor dem regulären Rentenalter stehen. Insbesondere müssen auch Ältere alle zumutbaren Arbeiten annehmen. Und zumutbar ist – z.B. – im Grundsatz auch für eine Bankkauffrau eine Reinigungsarbeit. Denn auch für Arbeitslose gibt es generell keinen Berufs- und Qualifikationsschutz. Zudem müssen sich auch ältere Arbeitslose die Vermittlung in Stellen gefallen lassen, die weit schlechter dotiert sind als diejenige, die sie zuletzt innegehabt haben.
Quelle
Ich bin kein Jurist.
- alle Angaben ohne Gewähr -

ExDevil67
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Re: Eigenkündigung des Arbeitsvertrags mit vorgerücktem Alter

Beitrag von ExDevil67 » 01.08.19, 05:44

Ich würde mal sagen, er kann nach 2 Jahren nicht nur in Rente gehen, sondern wird es müssen. Oder wovon will man sonst leben?
Spätestens wenn man einen Antrag auf ALG II stellt, wird man in der Rente landen. Den Antrag auf Rente darf nämlich afaik auch das Jobcenter für einen stellen.

Und gut ausrechnen sollte man sich das. Rente mit ~64 klingt nach einem vorzeitigem Rentenbeginn. Der ist aber nur mit entsprechenden Abschlägen auf die Rente möglich und die bleiben einem dann für den Rest des Rentnerlebens erhalten.

Old Piper
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Re: Eigenkündigung des Arbeitsvertrags mit vorgerücktem Alter

Beitrag von Old Piper » 01.08.19, 06:34

ExDevil67 hat geschrieben:
01.08.19, 05:44
Rente mit ~64 klingt nach einem vorzeitigem Rentenbeginn.
Es sei denn es lägen eine Schwerbehinderung und mind. 35 Versicherungsjahre vor oder der Jemand ist ein "besonders langjährig Versicherter"
MfG
Old Piper
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Behörden- und Gerichtsentscheidungen sind zwar oft recht mäßig, aber meistens rechtmäßig.

windalf
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Re: Eigenkündigung des Arbeitsvertrags mit vorgerücktem Alter

Beitrag von windalf » 01.08.19, 07:27

Ich würde mal sagen, er kann nach 2 Jahren nicht nur in Rente gehen, sondern wird es müssen. Oder wovon will man sonst leben?
Das ist so ne typische Sozi-Denke. Man kann nur von Erwerbsarbeit leben und was am Anfang des Monats auf Girokonto raufgeht ist am Ende auch wieder weg... Alles andere ist nahezu unmöglich.
...fleißig wie zwei Weißbrote
0x2B | ~0x2B
Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

matthias.
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Re: Eigenkündigung des Arbeitsvertrags mit vorgerücktem Alter

Beitrag von matthias. » 01.08.19, 11:01

normanescio hat geschrieben:
31.07.19, 22:16
Angenommen, jemand ist 62 Jahre und kündigt seinen Arbeitsvertrag. Hat das Arbeitsamt die Möglichkeit, außer der Sperrfrist des ALG von 3 Monaten Sanktionen zu verhängen? D.h. kann der AN nach 2-jähriger Arbeitslosigkeit mit 64 Jahren (vorzeitig) in Rente gehen?
Wenn das Arbeitsamt dir Vermittlungsvorschläge macht in der Zeit und du die unrechtmässig ablehnst, dann kann es zu weiteren Sanktionen führen.

Ob die dir welche machen höngt davon in welcher Region du lebst, es gibt viele Boomregionen in denen auch 62jährige noch Jobs finden aber auch von deiner Ausbildung / Tätigkeit und wie der Bearbeiter so drauf ist, ob er sich drum kümmert oder nicht.

fodeure
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Re: Eigenkündigung des Arbeitsvertrags mit vorgerücktem Alter

Beitrag von fodeure » 02.08.19, 08:05

windalf hat geschrieben:
01.08.19, 07:27
Das ist so ne typische Sozi-Denke. Man kann nur von Erwerbsarbeit leben und was am Anfang des Monats auf Girokonto raufgeht ist am Ende auch wieder weg... Alles andere ist nahezu unmöglich.
Und falls es doch mal jemand schafft, nicht alles am Monatsende ausgegeben zu haben und dadurch über die Jahre etwas Geld auf dem Konto angesammet hat oder dieses anderweitig angelegt hat, dann muß diesesr natürlich über eine Vermögenssteuer oder ähnlich unsinnige Maßnahmen enteignet werden.

FM
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Re: Eigenkündigung des Arbeitsvertrags mit vorgerücktem Alter

Beitrag von FM » 02.08.19, 09:40

matthias. hat geschrieben:
01.08.19, 11:01
Ob die dir welche machen höngt davon in welcher Region du lebst, es gibt viele Boomregionen in denen auch 62jährige noch Jobs finden aber auch von deiner Ausbildung / Tätigkeit und wie der Bearbeiter so drauf ist, ob er sich drum kümmert oder nicht.
Die Region ist im Prinzip Deutschland, aus § 140 SGB III:
Ein Umzug zur Aufnahme einer Beschäftigung außerhalb des zumutbaren Pendelbereichs ist einer arbeitslosen Person zumutbar, wenn nicht zu erwarten ist, dass sie innerhalb der ersten drei Monate der Arbeitslosigkeit eine Beschäftigung innerhalb des zumutbaren Pendelbereichs aufnehmen wird. Vom vierten Monat der Arbeitslosigkeit an ist einer arbeitslosen Person ein Umzug zur Aufnahme einer Beschäftigung außerhalb des zumutbaren Pendelbereichs in der Regel zumutbar.

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