Handwerker will Bargeld

Rechtsgeschäfte des täglichen Lebens, Kaufrecht für Käufer und Verkäufer, Werkvertragsrecht

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Celcite
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Handwerker will Bargeld

Beitrag von Celcite » 29.08.19, 17:22

Familie A kauft bei Firma A ein Garagentor in den glauben das Firma A ansässig ist durch die große Werbung der Firma A auf welchee mit Ansässigwr geworben wird.

Firma A kommt ausmessen nachdem der Ringanker gesetzt und gegossen ist.
Familie A zahlt das Tor.
Firma A kommt zum Einbau und stellt fest Tor passt nicht wie geplant weil beim Ausmessen eine Mauer übersehen wurde die am Tag des messens schon da war weil da der Ringanker mit drauf ist.

Mehrkosten für umplanung werden von Kunden getragen. Mussten per Vorkasse gezahlt werden.

Nun kommt Firma A endlich zum Einbau.
Beim Telefonat sagt Firma A "Wir liefern. Bauen aber nur ein wenn VORHER die Zahlung dafür in Bar getätigt wird."

Kaufvertrag ist mit Einbau.

1. Kann Familie A den Einbau bei Barzahlung nicht steuerlich geltend machen
2. Hat Familie A keinerlei Druckmittel wenn das Tor nun wieder nicht passt
3. Hat Familie A immer sofort ohne jeglichen Verzug die Vertragsleistungen gezahlt selbst diese welche auf Verschulden der Firma erst entstanden (Mauer die übersehen wurde beim vermessen)


Welche Handhabe hat Familie A die Firma zur Erfüllung des Vertrages zu bringen ohne sich zur Barzahlung nötigen zu lassen?

Welche Möglichkeiten hat Familie A sollte die Firma den Vertrag nicht erfüllen und das Tor ohne Einbau stehen lassen weil Barzahlung verweigert wird?

Familie A vermutet dass das Tor wieder nicht passen wird und Firma A sich so aus den Verkehr ziehen möchte indem sie vorab kassiert und Familie A dann mit fehlerhaften Garagentor stehen lässt.

Froggel
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Re: Handwerker will Bargeld

Beitrag von Froggel » 29.08.19, 20:25

Hat Familie A schon einmal im Internet zu dieser Firma recherchiert? Wenn Firma A so etwas öfter macht, dürfte das nicht spurlos vorbeigegangen sein. Außerdem sollte Familie A sich bei der Handwerkskammer über diese Art und Weise und entsprechend der Rechtmäßigkeit der Firma erkundigen. Wenn Familie A einen Betrug vermutet, sollte sie sich an die Polizei wenden. Möglicherweise besteht eine Chance darauf, Betrüger auf frischer Tat zu ertappen.
Auch lesenswert: Link! Seite 1 und 2 lesen
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FM
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Re: Handwerker will Bargeld

Beitrag von FM » 29.08.19, 23:26

Natürlich ist es erlaubt, Barzahlung zu verlangen (gesetzliches Zahlungsmittel) und auch Vorauskasse zu verlangen ist nicht verboten. Dem Finanzamt ist es völlig egal, auf welchem Weg man eine steuerlich relevante Zahlung getätigt hat.

Hier scheint wohl eher die Frage zu sein, wann die Zahlung fällig ist. Das ergibt sich aus dem Vertrag, kann so oder so vereinbart sein.

Pünktchen
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Re: Handwerker will Bargeld

Beitrag von Pünktchen » 30.08.19, 00:29

FM hat geschrieben:
29.08.19, 23:26
Dem Finanzamt ist es völlig egal, auf welchem Weg man eine steuerlich relevante Zahlung getätigt hat.
Das steht in der folgengen Website anders:
https://www.haufe.de/personal/haufe-per ... 17728.html

Altersings hat der Abs. 2 nur (noch) 2 Sätze. Aber in § 35 Abs. 5 S. 3 steht:
Voraussetzung für die Inanspruchnahme der Steuerermäßigung für haushaltsnahe Dienstleistungen nach Absatz 2 oder für Handwerkerleistungen nach Absatz 3 ist, dass der Steuerpflichtige für die Aufwendungen eine Rechnung erhalten hat und die Zahlung auf das Konto des Erbringers der Leistung erfolgt ist.

webelch
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Re: Handwerker will Bargeld

Beitrag von webelch » 30.08.19, 04:30

Ein Auftrag über ein neues Garagentor dürfte aber regelmäßig keine haushaltsnahe Dienstleistung sein.

ktown
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Re: Handwerker will Bargeld

Beitrag von ktown » 30.08.19, 06:30

webelch hat geschrieben:
30.08.19, 04:30
Ein Auftrag über ein neues Garagentor dürfte aber regelmäßig keine haushaltsnahe Dienstleistung sein.
Wieso? Ist das keine Modernisierung? Ausnahme wäre, wenn es sich hier um einen Neubau handelt.
FM hat geschrieben:
29.08.19, 23:26
Natürlich ist es erlaubt, Barzahlung zu verlangen (gesetzliches Zahlungsmittel) und auch Vorauskasse zu verlangen ist nicht verboten.
Aber die Zahlungsart während eines Auftrages zu ändern ist sicherlich nicht OK. Gerade im Hinblick, dass der Kunde damit in eine Zwangsposition versetzt wird.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe

FM
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Re: Handwerker will Bargeld

Beitrag von FM » 30.08.19, 11:46

Pünktchen hat geschrieben:
30.08.19, 00:29
FM hat geschrieben:
29.08.19, 23:26
Dem Finanzamt ist es völlig egal, auf welchem Weg man eine steuerlich relevante Zahlung getätigt hat.
Das steht in der folgengen Website anders:
https://www.haufe.de/personal/haufe-per ... 17728.html

Altersings hat der Abs. 2 nur (noch) 2 Sätze. Aber in § 35 Abs. 5 S. 3 steht:
Voraussetzung für die Inanspruchnahme der Steuerermäßigung für haushaltsnahe Dienstleistungen nach Absatz 2 oder für Handwerkerleistungen nach Absatz 3 ist, dass der Steuerpflichtige für die Aufwendungen eine Rechnung erhalten hat und die Zahlung auf das Konto des Erbringers der Leistung erfolgt ist.
Da bin ich überrascht ... eine äußerst seltsame Regelung, die alleine allerdings den Handwerker nicht verpflichtet, das muss noch in den Vertrag. Ist übrigens § 35a, nicht 35.
Müsste man mal prüfen ob das seit der Euro-Einführung noch gemeinschaftsrechtlich zulässig ist, nach EU-Recht sind Euro-Münzen und -Scheine ja als Zahlungsmittel gültig.

Gaia
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Re: Handwerker will Bargeld

Beitrag von Gaia » 30.08.19, 23:14

Der Familie A kann ich nur raten, mit den gesamten Unterlagen zu der Geschichte einen Anwalt oder die juristische Beratung der Verbraucherzentrale aufzusuchen.
FM hat geschrieben:
30.08.19, 11:46
Da bin ich überrascht ...
Wenn man schon seit Jahren diesen Teil der Steuererklärung nicht ausgefüllt hat, kann das in der Tat überraschen.
eine äußerst seltsame Regelung, die alleine allerdings den Handwerker nicht verpflichtet, das muss noch in den Vertrag.
Ich wüßte nicht, was an der Regelung seltsam ist. Und natürlich verpflichtet sie den Handwerker nicht, schließlich hat der nichts zu tun mit der Steuererklärung seines Auftraggebers.
Müsste man mal prüfen ob das seit der Euro-Einführung noch gemeinschaftsrechtlich zulässig ist, nach EU-Recht sind Euro-Münzen und -Scheine ja als Zahlungsmittel gültig.
Gute Idee. Vorher sollte man allerdings noch prüfen, ob in dem Gesetzestext irgendwas darüber zu finden ist, daß Münzen und Scheine keine gültigen Zahlungsmittel mehr sind.

FM
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Re: Handwerker will Bargeld

Beitrag von FM » 30.08.19, 23:45

Das einzige andere Beispiel das mir einfällt ist der Zwang zur Einzugsermächtigung bei der Kfz-Steuer, ähnlich fragwürdig.

Solange der Staat Bargeld noch als gesetzliches Zahlungsmittel erlaubt, ist es nicht zulässig die Verwender eben durch denselben Staat zu benachteiligen (hier eben indem nachgewiesene Ausgaben steuerlich nicht anerkannt werden). Der BFH mag anderer Meinung sein, aber die muss ja nicht stimmen.

Eine vertragliche Festlegung bestimmter Zahlungsmethoden dürfte in der Regel schon zulässig sein, aber eben nicht eine gesetzliche.

Die Absicht scheint wohl die Verhinderung von Schwarzarbeit zu sein. Dafür ist die Regelung aber nicht erforderlich, eine quittierte Barzahlung reicht auch um zu prüfen ob der Handwerker es versteuert.

Gaia
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Re: Handwerker will Bargeld

Beitrag von Gaia » 31.08.19, 09:37

FM hat geschrieben:
30.08.19, 23:45
Das einzige andere Beispiel das mir einfällt ist der Zwang zur Einzugsermächtigung bei der Kfz-Steuer, ähnlich fragwürdig.
Ganz andere Baustelle. Außerdem bezieht sich der Zwang lediglich auf die Möglichkeit der Anmeldung. Das Lastschriftmandat kann selbstverständlich jederzeit widerrufen werden. Wer's braucht...
Solange der Staat Bargeld noch als gesetzliches Zahlungsmittel erlaubt, ist es nicht zulässig die Verwender eben durch denselben Staat zu benachteiligen (hier eben indem nachgewiesene Ausgaben steuerlich nicht anerkannt werden). Der BFH mag anderer Meinung sein, aber die muss ja nicht stimmen.
Es wird niemand benachteiligt. Es werden lediglich Bedingungen festgelegt, deren Erfüllung die Voraussetzung für die (im übrigen begrenzte) Inanspruchnahme von Vorteilen ist. Das ist ein wesentlicher Unterschied.

Die Vorschrift existiert ja nun schon seit einigen Jahren. Gibt es Klagen dagegen? Hat der BFH sich schon geäußert? Das dessen Meinung maßgeblich ist, sofern sie nicht ein dafür zuständiges Gericht ändert, und zwar völlig unabhängig davon, ob irgendwelche Laien oder selbsternannte oder tatsächliche Experten anderer Ansicht sind, brauchen wir wohl nicht ernsthaft diskutieren.
Eine vertragliche Festlegung bestimmter Zahlungsmethoden dürfte in der Regel schon zulässig sein, aber eben nicht eine gesetzliche.
Auch diese Frage ist hier jedenfalls irrelevant, da es keine gesetzliche Festlegung einer bestimmten Zahlungsmethode gibt.
Die Absicht scheint wohl die Verhinderung von Schwarzarbeit zu sein. Dafür ist die Regelung aber nicht erforderlich, eine quittierte Barzahlung reicht auch um zu prüfen ob der Handwerker es versteuert.
Jetzt wird es endgültig absurd. Schon mal einen Gedanken daran verschwendet, daß das Wesen der Schwarzarbeit darin besteht, ohne quittierte Zahlung gleich welcher Art geleistet zu werden und Schwarzarbeit üblicherweise natürlich weder versteuert noch steuerlich abgesetzt wird?

FM
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Re: Handwerker will Bargeld

Beitrag von FM » 31.08.19, 11:06

Absurd wird es, wenn man den Sinn des Textes nicht verstehen will. Dann nutzt auch Wiederholung nichts.

Gaia
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Re: Handwerker will Bargeld

Beitrag von Gaia » 31.08.19, 16:04

FM hat geschrieben:
31.08.19, 11:06
Absurd wird es, wenn man den Sinn des Textes nicht verstehen will. Dann nutzt auch Wiederholung nichts.
Ja, solche Menschen kenne ich. Deshalb wiederhole ich mich auch so ungern.

Evariste
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Re: Handwerker will Bargeld

Beitrag von Evariste » 31.08.19, 17:08

FM hat geschrieben:
30.08.19, 23:45
Die Absicht scheint wohl die Verhinderung von Schwarzarbeit zu sein. Dafür ist die Regelung aber nicht erforderlich, eine quittierte Barzahlung reicht auch um zu prüfen ob der Handwerker es versteuert.
Und wie soll so eine Prüfung aussehen? Dann müssten Privatkunden alle ihre Quittungen beim FA vorlegen, das FA muss diese den verschiedenen Handwerkerfirmen zuordnen und dann dort jeweils prüfen ... klingt reichlich kompliziert.

Im Falle einer Überweisung muss gleicht das FA bei einer Betriebsprüfung einfach die Kontostände mit der Buchführung ab.

FM
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Re: Handwerker will Bargeld

Beitrag von FM » 31.08.19, 20:17

Evariste hat geschrieben:
31.08.19, 17:08
FM hat geschrieben:
30.08.19, 23:45
Die Absicht scheint wohl die Verhinderung von Schwarzarbeit zu sein. Dafür ist die Regelung aber nicht erforderlich, eine quittierte Barzahlung reicht auch um zu prüfen ob der Handwerker es versteuert.
Und wie soll so eine Prüfung aussehen? Dann müssten Privatkunden alle ihre Quittungen beim FA vorlegen, das FA muss diese den verschiedenen Handwerkerfirmen zuordnen und dann dort jeweils prüfen ... klingt reichlich kompliziert.
Ja, genauso funktioniert es bei anderen Zahlungen auch (wobei seit einiger Zeit die Quittungen nicht mehr flächendeckend sondern nur auf Nachfrage vorgelegt werden müssen). Es wird nicht jede einzelne Zahlung beim Empfänger gegengeprüft, aber alleine die Möglichkeit reicht schon aus. Die hier genannte Art der Berücksichtigung nach § 35a ist ja eher eine Randerscheinung bei den steuerlichen Daten, sehr viel öfter werden Zahlungen des Steuerpflichtigen an Unternehmen als Betriebsausgaben oder Werbungskosten geltend gemacht. Und da genügt es ohne weiteres, die Quittung über eine Barzahlung mit Verwendungszweck zu haben und auf Nachfrage vorzulegen, und es wird dann auch - stichprobenweise - bei Zahlungsempfängern nachgefragt, wo denn diese Einnahme in ihrer Daten auftaucht.

ktown
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Re: Handwerker will Bargeld

Beitrag von ktown » 31.08.19, 20:19

Aber ich glaube das wollte der TE überhaupt nicht wissen. :wink:
Daher wieder zurück zum Thema.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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