Plötzlicher Antrag nach §212 Inso

Moderator: FDR-Team

Antworten
Julius Stranz
Topicstarter
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 101
Registriert: 30.12.15, 21:44

Plötzlicher Antrag nach §212 Inso

Beitrag von Julius Stranz »

Guten Tag, folgender imaginärer Fall:

Insolvenz steht kurz vor dem Abschluss, aufgrund überraschender Erbschaft hat Verwalter 100% Erfüllung angekündigt. Schlussverteilung ist ca. zur Hälfte durch, wird aber laut Verwalter noch ein paar Wochen dauern.

Nun reicht Insolvenzschuldner Antrag auf §212 ein mit der Bitte das Verfahren einzustellen wegen 100%. Gläubiger haben eine Woche Zeit für Widerspruch.

Meine Frage ist nun:
Ist dieser Antrag dazu geeignet die Schlussverteilung zu gefährden? Schließlich behauptet der Insolvenzzschuldner ja dass der Eröffnungsgrund, seine Schulden die durch die Verteilung getilgt werden sollen, weg seien.

Danke für Ihre Mühe.

Der Internationale
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 1316
Registriert: 17.02.05, 08:29
Wohnort: Im sonnigen Süden

Re: Plötzlicher Antrag nach §212 Inso

Beitrag von Der Internationale »

8) Fühle ich eine gewisse Feindseligkeit gegenüber in Ihrem Text? :mrgreen: Wenn der Nikolaus dem Schuldner unerwartet und zu früh jede Menge Kohle in die Schuhe gesteckt hat, dann MUSS ein Antrag gem. § 212 InsO zwangsläufig plötzlich kommen. Sie sollten die Sache NACH ihrem Freudentanz vollkommen nüchtern sehen. Denn das was Sie schreiben kann nicht das sein was wirklich passiert (ist). Insofern Konzentration auf's tatsächliche, statt Rochus auf den Schuldner.

Wenn die Zahlungsunfähigkeit des Schuldners weggefallen ist, dann wird er wohl ALLE seine Schulden demnächst bezahlen, :mrgreen: Also auch die nachrangigen wie Zinsen etc. GLÜCKWUNSCH! :D Dass er das kann, das hat er dem Insolvenzgericht glaubhaft zu machen. Insofern passiert da nicht irgendwas, weil der Schuldner "im Wald bellt" oder so. Wenn das Gericht die Nikolaus-Schuhe des Schuldners geprüft hat, dann erlässt es einen Einstellungsbeschluss nach § 212. Diesen können Sie dann ja in Ruhe prüfen. Wenn Sie dann rausfinden, dass der Schuldner gar keine Nikolaus-Schuhe hat, sondern nur Oster-Strümpfe mit 2 roten Cent-Stücken, dann steht Ihnen gegen den Einstellungsbeschluss das Rechtsmittel der sofortigen Beschwerde zu. Diese ihre Beschwerde muss dem Gericht binnen 2 Wochen ab Kenntnis des Einstellungsbeschlusses vorliegen. Ergo: ihr 8-Tage-Vortrag ist Kappes. Wahrscheinlich haben Sie Gelegenheit zu Stellungnahme erhalten.

Alles klar jetzt?
Das Böse bringen in der Regel nicht böse Menschen in die Welt, sondern dumme.

Haben Schuldner nur die Pflicht zur Redlichkeit?
Oder auch das Recht auf redliche Insolvenzverwalter und redliche Rechtspfleger und redliche Richter?

Dirty Uschi
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 1710
Registriert: 19.11.07, 18:29
Wohnort: ~ Betty Ford Clinic Berverly Hills~

Re: Plötzlicher Antrag nach §212 Inso

Beitrag von Dirty Uschi »

Julius Stranz hat geschrieben:
01.11.19, 12:27

Insolvenz steht kurz vor dem Abschluss, aufgrund überraschender Erbschaft hat Verwalter 100% Erfüllung angekündigt. Schlussverteilung ist ca. zur Hälfte durch, wird aber laut Verwalter noch ein paar Wochen dauern.
Wie ist eine Schlussverteilung "zur Hälfte durch"? Gab es eine Abschlagsverteilung? Gab es überhaupt einen Schlusstermin?
Julius Stranz hat geschrieben:
01.11.19, 12:27

Ist dieser Antrag dazu geeignet die Schlussverteilung zu gefährden? Schließlich behauptet der Insolvenzschuldner ja dass der Eröffnungsgrund, seine Schulden die durch die Verteilung getilgt werden sollen, weg seien.
Wenn der Antrag begründet ist, dann ist er geeignet die Schlussverteilung zu gefährden, weil eine solche dann nicht mehr stattfindet. Der Schuldner erhält die Verfügungsbefugnis über sein Vermögen zurück und muss sich dann selbst um die Befriedigung der Gläubiger kümmern.


@inti
die genannte Frist bezieht sich nicht auf die Einstellung des Verfahrens nach § 216 InsO, sondern auf § 214 Abs. 1 Satz 3 InsO, den Antrag des Schuldners.
Scheiße verdammt noch mal, ich will wie eine Dame behandelt werden. Meredith Grey
Wenn ich allen meinen Schwestern einen Kaffee ausgeben würde, hätte
ich eine Cafeteria. Derek Shepherd

Der Internationale
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 1316
Registriert: 17.02.05, 08:29
Wohnort: Im sonnigen Süden

Re: Plötzlicher Antrag nach §212 Inso

Beitrag von Der Internationale »

Dirty Uschi hat geschrieben:
04.11.19, 10:56
@inti
die genannte Frist bezieht sich nicht auf die Einstellung des Verfahrens nach § 216 InsO, sondern auf § 214 Abs. 1 Satz 3 InsO, den Antrag des Schuldners.
echte Fortbildung, danke. Diese Frist hatte ich nicht auf dem Radar. :oops:
Das Böse bringen in der Regel nicht böse Menschen in die Welt, sondern dumme.

Haben Schuldner nur die Pflicht zur Redlichkeit?
Oder auch das Recht auf redliche Insolvenzverwalter und redliche Rechtspfleger und redliche Richter?

Antworten