In Schießerei verwickelt - psychologischer Schaden - Schadensersatz?

Straftaten und Ordnungswidrigkeiten, Straf- und Ordnungswidrigkeitenverfahren

Moderator: FDR-Team

FinaaL
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In Schießerei verwickelt - psychologischer Schaden - Schadensersatz?

Beitrag von FinaaL »

Hallo zusammen!

Person A geht mit den Personen B, C und D (alle über 18) eines Abends an einen Fluss um ein paar Bierchen zu trinken. Gegen 23 Uhr kommt ein Anwohner (AW) aus unmittelbarer Umgebung aus seinem Haus und beschwert sich lautstark bei den Jugendlichen. Er hat einen Revolver dabei und richtet diesen nach ein paar gewechselten Worten auf die Jugendlichen. Personen A-C sind aufgrunddessen geschockt und wollen flüchten. Person D legt sich aber mit dem AW an und es ensteht ein Wortgefecht. Personen A-C versuchen zu schlichten und sowohl AW als auch Person D zu beruhigen. Dies bringt jedoch nichts und AW schießt mit dem Revolver Person D einmal in die Schulter. Die Jugendlichen A-D flüchten so schnell es geht, verständigen Polizei und Krankenwagen. Der AW wird vom SEK gestellt, Person D ins KH gebracht und dort behandelt. Person D ist glücklicherweise außer Lebensgefahr. Gegen AW wird wg. gefährlicher Körperverletzung ermittelt. AW ist ein bekannter Politiker und wurde nur 12h nach dem Vorfall wieder aus der U-Haft entlassen.

Person A muss noch in der selben Nacht bei der Kripo als Zeuge aussagen. Mehr wurde bisher nicht unternommen.

Seit dem Vorfall ist Person A natürlich sichtlich psychisch angeschlagen. Person A überlegt AW noch anzuzeigen und bei der Polizei weitergehende psychologische Unterstützung einzufordern. Weiterhin denkt Person A an Schadensersatz o.Ä., jedoch ist ihm die rechtliche Lage nicht bekannt.

Frage: Was kann Person A noch machen? Was steht Person A rechtlich zu? Strafanzeige?

Freundlichste Grüße

ExDevil67
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Re: In Schießerei verwickelt - psychologischer Schaden - Schadensersatz?

Beitrag von ExDevil67 »

Wie lange ist der Vorfall her? So die eine oder andere Woche sollte man der eigenen Psyche schon geben zur Selbstheilung. Wobei es nicht schaden kann sich schon frühzeitig entsprechende Hilfe zu holen.


Direkt helfen wird einem Polizei aber afaik nicht, die werden einem nur sagen wo man entsprechende Hilfe bekommen kann.

FinaaL
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Re: In Schießerei verwickelt - psychologischer Schaden - Schadensersatz?

Beitrag von FinaaL »

Der Vorfall ist 2 Tage her. Okay, danke. Wie sieht es mit einer Strafanzeige wegen Bedrohung o.Ä. aus?

ktown
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Re: In Schießerei verwickelt - psychologischer Schaden - Schadensersatz?

Beitrag von ktown »

Man kann sicherlich als Nebenkläger in Erscheinung treten. Dafür braucht man entweder einen Anwalt oder man fragt den Anwalt von D ob er bereit ist auch das Mandat von A zu übernehmen.
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FM
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Re: In Schießerei verwickelt - psychologischer Schaden - Schadensersatz?

Beitrag von FM »

FinaaL hat geschrieben:
31.12.19, 13:40
Person A überlegt AW noch anzuzeigen
Wenn ein SEK und die Kripo da waren könnte die Polizei schon wissen, was los war.

fodeure
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Re: In Schießerei verwickelt - psychologischer Schaden - Schadensersatz?

Beitrag von fodeure »

ktown hat geschrieben:
31.12.19, 13:56
Man kann sicherlich als Nebenkläger in Erscheinung treten.
Nein, das ist hier nicht möglich.
ktown hat geschrieben:
31.12.19, 13:56
Dafür braucht man entweder einen Anwalt
Nein, den würde man nicht brauchen, wenn es möglich wäre.

Celestro
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Re: In Schießerei verwickelt - psychologischer Schaden - Schadensersatz?

Beitrag von Celestro »

Eine Schießerei (auch Schusswechsel oder Feuergefecht) ist eine gewalttätige Auseinandersetzung, an der mindestens zwei mit Schusswaffen ausgerüstete Personen involviert sind. Bei der Definition der Schießerei ist es unerheblich, ob dabei Menschen getötet werden oder nicht.

https://de.wikipedia.org/wiki/Schie%C3%9Ferei
Ich kann nicht erkennen, wo in dem Beispiel eine Schießerei stattgefunden haben sollte.


Ansonsten:

https://www.fachanwalt.de/magazin/strafrecht/bedrohung

würde ich allerdings auch dazu raten, sich mit einem Anwalt zu beraten. Denn durch die Körperverletzung des D wird AW wohl auf jeden Fall verurteilt. Ob hier ggf. eine Zivilklage wegen der Bedrohung das Strafmaß verschärfen könnte, oder unter welchen Umständen ein Schadensersatz überhaupt geltend zu machen ist, sollte man mit einem Fachmann bereden.

ktown
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Re: In Schießerei verwickelt - psychologischer Schaden - Schadensersatz?

Beitrag von ktown »

fodeure hat geschrieben:
31.12.19, 14:18
ktown hat geschrieben:
31.12.19, 13:56
Man kann sicherlich als Nebenkläger in Erscheinung treten.
Nein, das ist hier nicht möglich.
Wieso nicht? Lässt dass das StGB nicht zu?
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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FinaaL
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Re: In Schießerei verwickelt - psychologischer Schaden - Schadensersatz?

Beitrag von FinaaL »

Celestro hat geschrieben:
31.12.19, 14:28
Eine Schießerei (auch Schusswechsel oder Feuergefecht) ist eine gewalttätige Auseinandersetzung, an der mindestens zwei mit Schusswaffen ausgerüstete Personen involviert sind. Bei der Definition der Schießerei ist es unerheblich, ob dabei Menschen getötet werden oder nicht.

https://de.wikipedia.org/wiki/Schie%C3%9Ferei
Ich kann nicht erkennen, wo in dem Beispiel eine Schießerei stattgefunden haben sollte.
Entschuldigen Sie den Fauxpax bei meiner Wortwahl. Natürlich handelt es sich um keine Schießerei. Dann halt gefährliche Körperverletzung.
Wenn ein SEK und die Kripo da waren könnte die Polizei schon wissen, was los war.
Ja, also keine Anzeige möglich??
fodeure hat geschrieben: ↑
31.12.19, 14:18

ktown hat geschrieben: ↑
31.12.19, 13:56
Man kann sicherlich als Nebenkläger in Erscheinung treten.

Nein, das ist hier nicht möglich.

Wieso nicht? Lässt dass das StGB nicht zu?
Ja, warum nicht?

LG

Deputy
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Re: In Schießerei verwickelt - psychologischer Schaden - Schadensersatz?

Beitrag von Deputy »

Die schnelle Entlassung ist üblich; bei einer Ermittlung wegen GefKV (auch mit Schusswaffe) ist Haft bei festem Wohnsitz eher unüblich. Eine Anzeige wäre auch sinnfrei, da der Sachverhalt schon Gegenstand eines Ermittlungsverfahrens ist - was soll da angezeigt werden, was nicht schon bekannt ist? Eine Zeugenvernehmung wird noch kommen.

Eine Einforderung von psychologischer Hilfe bei der Polizei wird nichts bringen, da die Polizei hierfür nicht zuständig ist; darum muss man sich selbst kümmern, die Kosten werden dem Verursacher dann ggfls. auferlegt (das ist Zivilrecht).
fodeure hat geschrieben:
31.12.19, 14:18
ktown hat geschrieben:
31.12.19, 13:56
Man kann sicherlich als Nebenkläger in Erscheinung treten.
Nein, das ist hier nicht möglich.
ktown hat geschrieben:
31.12.19, 13:56
Dafür braucht man entweder einen Anwalt
Nein, den würde man nicht brauchen, wenn es möglich wäre.
§ 395 StPO - Befugnis zum Anschluss als Nebenkläger
(1) Der erhobenen öffentlichen Klage oder dem Antrag im Sicherungsverfahren kann sich mit der Nebenklage anschließen, wer verletzt ist durch eine rechtswidrige Tat nach
...
3. den §§ 221, 223 bis 226a und 340 des Strafgesetzbuches,


GefKV findet sich im § 224 StGB.

ktown
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Re: In Schießerei verwickelt - psychologischer Schaden - Schadensersatz?

Beitrag von ktown »

Also ist es doch möglich?
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe

FM
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Re: In Schießerei verwickelt - psychologischer Schaden - Schadensersatz?

Beitrag von FM »

FinaaL hat geschrieben:
31.12.19, 15:14
Wenn ein SEK und die Kripo da waren könnte die Polizei schon wissen, was los war.
Ja, also keine Anzeige möglich??
Doch, aber sinnlos. Wozu einen Sachverhalt der Polizei anzeigen, der ihr schon längst bekannt ist und zu dem das Verfahren schon läuft?

fodeure
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Re: In Schießerei verwickelt - psychologischer Schaden - Schadensersatz?

Beitrag von fodeure »

Deputy hat geschrieben:
31.12.19, 15:41
GefKV findet sich im § 224 StGB.
Die betrifft aber D und nicht A.
ktown hat geschrieben:
31.12.19, 16:07
Also ist es doch möglich?
Nein.

Deputy
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Re: In Schießerei verwickelt - psychologischer Schaden - Schadensersatz?

Beitrag von Deputy »

fodeure hat geschrieben:
31.12.19, 18:36
Deputy hat geschrieben:
31.12.19, 15:41
GefKV findet sich im § 224 StGB.
Die betrifft aber D und nicht A.
Auch eine psychische Verletzung kann als KV laufen.
fodeure hat geschrieben:
31.12.19, 18:36
ktown hat geschrieben:
31.12.19, 16:07
Also ist es doch möglich?
Nein.
Besser: kommt drauf an.

https://www.hrr-strafrecht.de/hrr/4/13/4-168-13.php
BHG hat geschrieben:Wirkt der Täter auf sein Opfer lediglich psychisch ein, liegt eine Körperverletzung daher erst dann vor, wenn ein pathologischer, somatisch-objektivierbarer Zustand hervorgerufen worden ist, der vom Normalzustand nachteilig abweicht
Hatte ich nicht mehr ganz richtig im Kopf; es ist grundsätzlich möglich, bei einem entsprechenden Fall von PTSB dürfte das vorliegen. Versuchen kann man es auf jeden Fall.

hawethie
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Re: In Schießerei verwickelt - psychologischer Schaden - Schadensersatz?

Beitrag von hawethie »

Ich verstehe nicht, warum von einer Anzeige abgeraten wird. Man sollte schon der Polizei mitteilen, wenn man Opfer einer Straftat geworden ist - unabhängig davon, ob die Tat an sich schon bekannt ist oder nicht. Was daraus dann wird, entscheidet die Staatsanwaltschaft.
Und: als Opfer einer Straftat können (nicht müssen) einem Leistungen nach dem Opferentschädigungsgesetz zustehen. Ob es da so klug ist, Leistungen zu beantragen, obwohl man sich als Opfer nicht zu erkennen gegeben hat?

Ob evtl. Ansprüche gegen AW direkt bestehen, ist jedoch dann Zivilrechtssache.
Was du nicht willst, das man dir will, das will auch nicht -
was willst denn du.

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