Erbfall - Einblick in Grundbücher in NICHT-EU-Land

internationale Wirtschaftsbeziehungen, Import/Export, Vertragsgestaltung, Durchsetzung/Sicherung von Forderungen, internationale Rechtshilfe in Strafsachen

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Larrave
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Erbfall - Einblick in Grundbücher in NICHT-EU-Land

Beitrag von Larrave »

Hallo zusammen,

bitte korrigiert mich, falls es das falsche Unterforum ist. Ich war mir selber nicht sicher.

Folgender (etwas komplexer) Sachverhalt mal angenommen:

Der Urgroßvater von Person A hat sich zu Lebzeiten für seine Arbeitsleistungen Grundschulden auf Ländereien eintragen lassen.
Irgendwann, wie sich nachher herausstellen wird, sucht Firma X über Anwalt Y einen Erben des Urgroßvaters in Kroatien auf, um die Grundschuld für eine Länderei (nicht in Kroatien selber) auszubezahlen.
Firma X möchte dort ein Einkaufszentrum hinstellen. Zum Zeitpunkt des Besuchs durch Anwalt Y ist Person A in Deutschland.
Rechtmäßige Erbin ist Person A bzw. das zu diesem Zeitpunkt noch lebende Elternteil von Person A.
Es gibt noch eine weitere noch lebende andere Verwandte Z, die jedoch bereits ausbezahlt worden ist.
Verwandte Z wird jedoch als Erbin eingesetzt und lässt sich durch Firma X ausbezahlen.

Jahre später verdichten sich Vermutungen und durch eigenständige Recherche findet Person A heraus, um welche Parzelle es sich handeln könnte.
Person A möchte die Angelegenheit mit den Erben der Verwandten Z klären, jedoch vorab die Sachlage vor Ort klären. Die Länderei befindet sich in einem Nicht-EU Land.
Ein Einblick in die Grundbücher wird jedoch verwehrt. Auch die Unterstützung eines Anwalts vor Ort bringen Person A nicht weiter.
Ebenso kann das Deutsche Konsulat in dem Land Person A nicht weiterhelfen. Man verweist auf Anwälte vor Ort.

Welche Möglichkeiten stehen Person A noch offen, Einblick in die Grundbücher zu bekommen, um damit Ihr Recht einzufordern?

Vielen Dank im Voraus!

LG
ktown
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Re: Erbfall - Einblick in Grundbücher in NICHT-EU-Land

Beitrag von ktown »

Das müssen sie entweder in einem Rechtsforum (wenn dort Rechtsberatung in dieser Form erlaubt ist) des entsprechenden Landes frage oder einen Anwalt dieses Landes.
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FM
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Re: Erbfall - Einblick in Grundbücher in NICHT-EU-Land

Beitrag von FM »

Beim ausländischen Anwalt war er ja. Dieser sollte dann auch mitteilen können, warum das Vorhaben nicht erfolgreich war.
ktown
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Re: Erbfall - Einblick in Grundbücher in NICHT-EU-Land

Beitrag von ktown »

Dann hat er wohl den falschen Anwalt gehabt. :wink:
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Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
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Larrave
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Re: Erbfall - Einblick in Grundbücher in NICHT-EU-Land

Beitrag von Larrave »

FM hat geschrieben: 09.01.22, 10:28 Beim ausländischen Anwalt war er ja. Dieser sollte dann auch mitteilen können, warum das Vorhaben nicht erfolgreich war.
Es gab bereits einen persönlichen Besuch beim Grundbuchsamt. Ursprünglich wollte man auch Einblick gewähren, jedoch hat der Sachbearbeiter diesen wieder verwehrt, als er gemerkt hat, um was es hier womöglich geht. Es war ihm sichtlich anzumerken.

Ich gehe in diesem Sachverhalt davon aus, dass Anwalt Y der Firma X damals einen Kuhhandel vollzogen hat, da die politischen und wirtschaftlichen Interessen durch dieses Projekt für das kleine Städtchen enorm sind. Die Verwandte, die damals sich hat auszahlen lassen, war definitiv nicht berechtigt hierzu. Nun hat mal wohl davor Angst, dass dieser Fauxpas ans Tageslicht kommt.

Jedenfalls der Anwalt von Person A kommt auch aus dem genannten Örtchen. Es ist zwar kein kleiner Ort, aber man kennt sich. Vermutlich ist er dahingehend biased. Jedenfalls ist der Anwalt an der Sache dran, wird jedoch ebenfalls mit irgendwelchen Begründungen abgeblockt.

Ich habe nicht viel Hoffnungen, dass dieser Weg zu einer vernünftigen Lösung finden wird. Im Deutschen Konsulat des Landes konnte man nicht helfen und hat auf weitere Anwälte verwiesen. Bevor ich hier jedoch weiter Energie reinstecke und noch weitere Anwälte anschreibe, hatte ich gehofft, dass es auch einen anderen Weg geben würde.
FM
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Re: Erbfall - Einblick in Grundbücher in NICHT-EU-Land

Beitrag von FM »

Wie bereits gesagt wurde, das hier ist das "Forum Deutsches Recht". Bei der Frage geht es um einen Staat, von dem man nur weiß, dass er nicht Mitglied der EU ist. Also müsste man jetzt die Rechtssysteme von ca. 170 Staaten durchgehen, wovon einige (wie z.B. die USA oder die Schweiz) das auf Ebene der Teilstaaten regeln.

Es ist eher unwahrscheinlich, dass das jemand im Forum macht. Selbst für Deutschland wäre das ziemlich sinnlos wenn man gar nicht weiß, mit welcher Begründung die Einsicht abgelehnt wurde. Das kann gehen von "Gebühr nicht vorher bezahlt" über "ist im Krieg verloren gegangen" bis zu "Datenschutzbelange" oder "kein berechtigtes Interesse, da (z.B.) verjährt".

Das deutsche Konsulat wird hier in der Tat nicht mehr machen können, als auf Rechtsanwälte vor Ort zu verweisen. Dabei werden die vermutlich nur danach sortieren, welcher Anwalt Deutsch oder vielleicht Englisch kann, aber nicht danach "wie gut" er ist oder auf was spezialisiert.
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