3 Pakete angeblich an Ablageort, verschwunden, kein Ersatz

Transportrecht, Speditionsrecht, Gefahrgut-Transportrecht, Versandrecht

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Ela77
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3 Pakete angeblich an Ablageort, verschwunden, kein Ersatz

Beitrag von Ela77 »

Guten Tag,

A hat einen Ablageort angegeben für Pakete, eine uneinsehbare überdachte Terrasse. Zu der Zeit, wo der Paketbote angeblich die Pakete laut eMail abgestellt haben soll saßen die Empfängerin mit Besuch auf der Terrasse. Es hat weder jemand geklingelt, noch war eine Karte im Briefkasten, noch war der Paketzusteller auf der Terrasse. Auch wurde in der Nachbarschaft nichts abgegeben.
Ein Anruf beim Paketdienst war sinnlos. Es wurde gesagt, es sei zugestellt und mit Ablageort würde A haften. A vermutet, dass der Paketbote sich die Pakete unter den Nagel gerissen hat. Es waren leider teils sehr teure Artikel. Es kommen normal nie so viele Pakete an einem Tag und es kam auch noch nie was weg.

Was kann A jetzt tun? Muss sie tatsächlich haften?
FM
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Re: 3 Pakete angeblich an Ablageort, verschwunden, kein Ersatz

Beitrag von FM »

Ela77 hat geschrieben: 09.04.22, 19:33 Ein Anruf beim Paketdienst war sinnlos. Es wurde gesagt, es sei zugestellt und mit Ablageort würde A haften. A vermutet, dass der Paketbote sich die Pakete unter den Nagel gerissen hat.
Das ist sehr wahrscheinlich nach den AGB des Paketdienstes (die hier aber niemand kennt) auch zutreffend.

Trotzdem wäre es denkbar, dass man im Einzelfall beweist, dass die Pakete gar nicht abgelegt wurden, z.B. durch Zeugen.

Im Zivilverfahren werden der Absender und der Paketdienst durch die Zeugenaussage des Zustellers (der dabei nicht Partei ist) beweisen, dass alles so abgelaufen ist wie vereinbart.

Sollte allerdings der Zusteller in einem Strafverfahren wegen Diebstahl/Unterschlagung in diesem Fall verurteilt worden sein, ist seine Aussage im Zivilverfahren nicht mehr viel wert. Im Strafverfahren muss der Geschädigte nichts beweisen, sondern nur wahrheitsgemäße Aussagen machen und ggf. einen Strafantrag stellen, sinnvoll ist es auch Beweismittel wie die Unterlagen und die Namen der Zeugen zu nennen (geht alles bei der örtlichen Polizei). Das Ergebnis des Strafverfahrens ist aber nicht, dass der Paketdienst oder der Versender irgendetwas leisten muss. Das geht nur im Zivilverfahren.
Ela77
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Re: 3 Pakete angeblich an Ablageort, verschwunden, kein Ersatz

Beitrag von Ela77 »

In den AGB steht, dass der Empfänger haftet bei Ablageort. Aber wenn der Zusteller den Ablageort gar nicht betreten hat?

Soll A also Strafanzeige stellen? Muss der Paketdienst den Namen und Adresse des Paketzustellers herausgeben?
FM
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Re: 3 Pakete angeblich an Ablageort, verschwunden, kein Ersatz

Beitrag von FM »

Ela77 hat geschrieben: 09.04.22, 19:59 In den AGB steht, dass der Empfänger haftet bei Ablageort. Aber wenn der Zusteller den Ablageort gar nicht betreten hat?
Aus den Unterlagen und der Zeugenaussage des Zustellers (er ist nicht selbst der Paketdienst oder Versender, sondern eben Zeuge) ergibt sich aber, dass das schon der Fall war. Nur wenn man den Zusteller als Einzelperson verklagt, ist er nicht Zeuge sondern Partei. Dann muss man aber als Kläger beweisen, dass er es unterschlagen hat.
Soll A also Strafanzeige stellen? Muss der Paketdienst den Namen und Adresse des Paketzustellers herausgeben?
An Privatpersonen natürlich nicht, darf er gar nicht. Aber wieso will man denn selbst die Daten ermitteln? Dafür gibt es die Polizei und die Staatsanwaltschaft, und die können das auch besser.

Ob man soll oder nicht, muss man sich selbst überlegen.

Wobei sich der Anspruch des Empfängers auf tatsächliche Zustellung ja in erster Linie gegen den Versandhändler richtet. Der wird aber eben auch sagen: Paketdienst wurde beauftragt, Nachweis über die Zustellung liegt vor, mit dieser Art der Zustellung war der Kunde einverstanden. Was soll er auch sonst sagen können?

Bevor man nun womöglich falsche Verfahren einleitet und dadurch Kosten tragen muss die schnell höher sein können als der Warenwert, sollte man sich an einen Rechtsanwalt wenden.
Froggel
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Re: 3 Pakete angeblich an Ablageort, verschwunden, kein Ersatz

Beitrag von Froggel »

Wenn es wirklich so war, dass zum angegebenen und angeblichen Lieferzeitpunkt der Empfänger mit Zeugen auf der Terrasse gewesen ist und diese das auch vor Gericht bezeugen würden, wäre es gut, dieses schriftlich festzuhalten und die Lieferfirma zur Herausgabe der Ware aufzufordern. Wie die Firma die Warenunterschlagung intern mit dem beteiligten Mitarbeiter regelt, muss den Empfänger nicht interessieren und auf die Klausel kann sich die Versandfirma nicht berufen. Von Untergang der Ware nach Ablage am Ablageort kann nämlich keine Rede sein, wenn die Ware den Ablageort nachweislich nie erreicht hat. Somit findet dann auch die Klausel der Versandfirma keine Anwendung. Da der Empfänger dieses mit Zeugenaussagen beweisen kann, ist die Versandfirma in der Pflicht, die Ware zu beschaffen oder den Wert zu ersetzen. Geht die Versandfirma nicht darauf ein, wird man um eine Klage nicht herum kommen.
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Niemand2000
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Re: 3 Pakete angeblich an Ablageort, verschwunden, kein Ersatz

Beitrag von Niemand2000 »

Ela77 hat geschrieben: 09.04.22, 19:33Was kann A jetzt tun?
Konnte A zwischenzeitlich bereits etwas erreichen?
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