Wechsel von Wechselmodell zu Residenzmodell - was ändert sich?

Recht in der Ehe, eheliches Güterrecht, Adoptionsrecht, Kinderrechte, Sorgerecht, Unterhaltsrecht, Recht des Versorgungsausgleichs

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teufelskerlin
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Wechsel von Wechselmodell zu Residenzmodell - was ändert sich?

Beitrag von teufelskerlin »

Hallo,

angenommene Situation; M und V trennen sich, für die gemeinsamen Kinder K7 und K12 einigen sich alle gemeinsam auf das Wechselmodell.

Nach einigen Monaten äußert K12 den Wunsch, seinen Lebensmittelpunkt bei M haben zu wollen. Falls die Gründe hierfür relevant sind: Die Bindung zu M ist enger (M war bis zur Trennung Hauptbezugsperson der Kinder), das Kind fühlt sich im Haus von V nicht wohl (unordentlich, schlechter Pflegezustand), es fühlt sich nur "versorgt" aber nicht "umsorgt", um alle persönlichen Belange kümmert sich sowieso M. Den Kontakt zu V möchte K12 aber aufrechterhalten.

Was ändert sich, wenn:
-V dem Wechsel zum Residenzmodell zustimmt? Aufenthaltsbestimmungs- und Sorgerecht können von M aus geteilt bleiben. Muss M irgendwelche Anträge irgendwo stellen? Bisher wird kein Kindesunterhalt gezahlt. Grob überschlagen wäre V zu einem kleinen Teil unterhaltspflichtig, ist diesbezüglich aber uneinsichtig und M scheut bisher die Klärung via Gericht um die Kinder aus der Schusslinie zu halten. Wenn aber das Residenzmodell zum Tragen kommt, ist die Sache ja ziemlich eindeutig. Ist die Klärung/Berechnung über das Jugendamt zu empfehlen?

-V dem Wechsel nicht zustimmt? Müsste M dann beim Familiengericht das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht beantragen?

Und wie werden die Wünsche des 12 jährigen Kindes gewichtet?

Lieben Dank und eine schöne Woche euch allen!
Hertha1892
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Re: Wechsel von Wechselmodell zu Residenzmodell - was ändert sich?

Beitrag von Hertha1892 »

Da gibt es mehrer Möglichkeiten. Das Kind stimmt mit den Füßen ab, dann müsste der Vater auf Wiederherstellung des WM klagen.
Die Mutter könnte sich Hilfe beim Jugendamt holen, allerdings steht immer in den Sternen, wie die ticken.
Solange gemeinsam Sorgerecht und ABR bestehen muss niemand etwas beantragen, nicht mal einen Umzug. Lediglich das KIndergeld für dieses Kind stünde dann der Mutter zu.

Wenn der Vater hinsichtlich des KU nicht einsichtig ist, kann auch hier das Jugendamt kontaktiert werden. Entweder zur Beratung/Beistandschaft oder auch um Unterhaltsvorschuss zu beantragen, wenn die Mutter nicht neu verheiratet ist. Dann käme die Unterhaltsmaschinerie auch in Gang. Um die Ansprüche des Kindes zu sichern, muss der Vater nachweisbar schriftlich zur Zahlung aufgefordert werden, erst ab da ist er wirksam in Verzug gesetzt.

Der Wunsch des 12jährigen hätte schon einiges an Gewicht, mit jedem Jahr mehr.

Grüße Hertha1892
Chavah
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Re: Wechsel von Wechselmodell zu Residenzmodell - was ändert sich?

Beitrag von Chavah »

Das Wechselmodell klingt bestechend. Scheitert dann aber doch. Einmal ist es die teuerste Alternative. Denn man kann dem Kind ja letztlich nicht zumuten, mehr oder weniger aus dem Koffer zu leben. Es benötigt folglich wesentlich mehr Klamotten als beim Residenzmodell, was man gerade in der Wachstumsphase doch sehr merkt. Und - vielen Kindern ist es einfach zu unruhig. Man muss ja doch sehr planen, sich überlegen, welche Schulsachen man mit umziehen muss, u.s.w. Also alles nicht so einfach, wie es in der Theorie aussieht.

Wenn sich die Eltern und das Kind einig sind, benötigt man niemanden. Dann wird eben umgestellt und gut ist. Interessiert weder Jugendamt noch Gericht. Diese beiden Institutionen sind erst gefragt, wenn man sich nicht einig ist. Und mit dem Sorgerecht hat das ganze gar nichts zu tun, im Streitfall nur mit dem Aufenthaltsbestimmungsrecht.

Bleibt noch die Regelung der Unterhaltsfrage. Nach dem Wechsel besteht ein Unterhaltsanspruch des Kindes gegen den Vater. Da gilt dasselbe wie ich ein paar Zeilen weiter oben geschrieben habe. Wenn man sich nicht einigt, kann man Hilfe in Anspruch nehmen. Indem man z.B. eine Beistandsschaft beim Jugendamt einrichtet, die regeln das dann oder aber man nimmt selbst gerichtliche Hilfe in Anspruch.

Noch ein Hinweis: wenn das Kind wieder ganz bei der Mutter lebt, dann springt unterhaltstechnisch auch die Unterhaltsvorschusskasse ein.

Chavah
teufelskerlin
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Re: Wechsel von Wechselmodell zu Residenzmodell - was ändert sich?

Beitrag von teufelskerlin »

Ich danke euch!
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