Arbeitszeit/Abrechnung eines Rechtsanwalts: Nicht angefragter Auftrag?

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Gradius
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Arbeitszeit/Abrechnung eines Rechtsanwalts: Nicht angefragter Auftrag?

Beitrag von Gradius »

Hallo,

kann mir bitte jemand mal eine Einschätzung darüber geben, ob folgendes Vorgehen eines Anwalts korrekt wäre bei dem er eine Vorgehensweise für ein Berufungsverfahren ausarbeitet, der Mandant aber gar nicht so danach angefragt hat?:

Der Anwalt ist nur außergerichtlich beratend für den Mandanten tätig und rechnet nach Zeit ab. Ein begünstigender Verwaltungsakt wurde von einer Behörde zuerst erlassen und danach wieder abgelehnt. Gegen die Ablehnung wurde geklagt.

Die Behörde argumentiert im Verlauf des Gerichtsverfahrens für die Ablehnung und beantragt die Klage abzuweisen, die Klage hätte keine Aussicht auf Erfolg, sei jedoch zulässig. Der Kläger argumentiert für die Aufhebung der Ablehnung.

Der Kläger erscheint nicht zu der mündlichen Verhandlung, mit dem Anwalt wurde sowieso nicht vereinbart, dass er einen Prozess führt. Die Behörde hebt den Ablehnungsbescheid in der mündlichen Verhandlung auf und begünstigt den Kläger somit wieder. Die Behörde beantragt nun wieder die Klage abzuweisen. Das Gericht geht davon aus, dass der Kläger seine Klage weiterhin aufrecht erhält, weil er aufgrund seiner Abwesenheit prozessual nicht reagiert. Die Klage wird somit abgewiesen und er trägt die Kosten.

Der Mandant schreibt dem Anwalt, dass die Klage abgewiesen wurde. Er antwortet, dass man die Kostenentscheidung nicht anfechten kann, aber einen Antrag auf Zlassung zur Berufung stellen könnte. Der Mandant fragt den Anwalt nun per Mail, ob die Behörde die Ablehnung einfach erst während der mündichen Verhandlung aufheben kann, da sie ja vorher immer dagegen argumentiert hatte und dem Kläger keinen Erfolg zugesprochen hatte und ob das so einfach geht.

Der Anwalt bietet an sich das Urteil durchzulesen und eine Einschätzung zu geben. Der Mandant fragt ob nur eine Berufung möglich wäre um eine andere Kostenverteilung des Klageverfahrens zu erreichen und dadurch für ihn am Ende alles nur viel mehr Kosten wird. Er schickt dem Anwalt noch das Urteil zu.

Als Antwort schreibt der Anwalt ein mögliches Vorgehen für die Begründung einer Zulassung zur Berufung (ca. 1 DinA4 Seite) und rechnet entsprechend ab. Er habe in den Kommentaren recherchiert und sich mit einen Kollegen abgesprochen.

Ich frage mich nun wer hier den Auftrag gegeben hat an einer Berufung zu basteln und ob der Anwalt das nun überhaupt abrechnen darf? Hatte der Anwalt hier korrekt gehandelt? Wie würdet Ihr das sehen?
Nordlicht14
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Re: Arbeitszeit/Abrechnung eines Rechtsanwalts: Nicht angefragter Auftrag?

Beitrag von Nordlicht14 »

Gradius hat geschrieben: 03.06.22, 23:00 Hallo,

Der Anwalt bietet an sich das Urteil
eineses Vorgehen

Er schickt dem Anwalt noch das Urteil zu.

für die Begründung einer Zulassung zur Berufung (ca. 1 DinA4 Seite) und rechnet entsprechend ab. Er habe in den Kommentaren recherchiert und sich mit einen Kollegen abgesprochen.

Ich frage mich nun wer hier den Auftrag gegeben hat an einer Berufung zu basteln
Da war der Auftrag des Mandanten dafür erteilt worden, auf das Angebot des Anwalts hin. Anwalt erteilte ein Angebot: er fragte nach, ob er das Urteil prüfen dürfe. Das Angebot wurde leider von Mandant angenommen: er schickte das Urteil dafür zu = Vertrag über diese Arbeit geschlossen.

Dass das überflüssig war, weil die Frage ohne Prüfung des Urteils auf der Hand lag rechtlich, ist etwas anderes.

Der Grundfehler war jedoch ein anderer:
Gradius hat geschrieben: 03.06.22, 23:00
Der Kläger erscheint nicht zu der mündlichen Verhandlung,
Der Mandant hat sich halt nun einmal nicht in der Verhandlung verteidigt! Dafür ist die Verhandlung schließlich ja da, um es darin alles zu gestalten! In den Verhandlungen werden sehr oft die belastenden Behördentnscheidungen zurück genommen/ geändert etc., so dass man dann vor Ort prozessual darauf reagieren muss und seine Klage mal ändern muss/mal zurück nehmen muss/mal für erledigt erklären muss. Die Verhandlung ist das Wichtigste prozessual. Nichterscheinen führt zwangsläufig zu Prozessverlust und zu Schaden.
Ergo lief es so durch ohne den Kläger halt.
Prozessual und seitens der gerichtlichen Entscheidung fehlerfrei.
Dafür brauchte man auch nicht groß aufwändig eine viertel Stunde umständlich in Kommentaren zu recherchieren oder sich bei einem Kollegen noch schlau zu fragen, wenn man sich selbst mit Verwaltungsprozessrecht nicht auskennt.
Das ist einfachstes simpelstes Grund-Verwaltungsprozessrecht, was jeder Fachanwalt für Verwaltungsrecht in einer Sekunde erkennt (auch sogar jeder Anwalt für Zivilrecht, da es dort dasselbe ist):
Da der Kläger halt nun mal nicht vertreten war in der Verhandlung, und auf die selbstredend in der Verhandlung zulässige Abhilfeentscheidung der beklagten Behörde hin (dafür ist doch die Verhandlung da, in der Regel nach richterlichem Hinweis meist!) nicht vor Ort die Klage in der Verhandlung entweder dann daraufhin zurück genommen hat (damit seine Gerichtsgebühr reduziert hätte), oder für erledigt erklärt hatte (damit das Gericht entscheiden hätte dürfen und müssen, welche der beiden Seiten in welchem Maße die Kosten trägt, vielleicht beide zur Hälfte, vielleicht auch sogar die Behörde gesamt), blieb zwangsläufig der Klageantrag ja weiter hängen und musste abgewiesen werden.

Grundfehler: nicht zur Verhandlung erschienen und sich nicht verteidigt. Man hätte als nicht anwaltlich vertretener einen Hinweis vom Richter bekommen zur Rücknahme oder Erledigung.
Grundfehler 2: dem Anwalt wurde auf seine Bitte hin das Urteil zur Prüfung gegeben - statt einfach nur die Rechtsfrage zur prozessualen Zulässigkeit der Zulassungsantragsstellung beantworten zu lassen.
Gradius
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Re: Arbeitszeit/Abrechnung eines Rechtsanwalts: Nicht angefragter Auftrag?

Beitrag von Gradius »

Nordlicht14 hat geschrieben: 04.06.22, 19:07
Gradius hat geschrieben: 03.06.22, 23:00 Hallo,

Der Anwalt bietet an sich das Urteil
eineses Vorgehen

Er schickt dem Anwalt noch das Urteil zu.

für die Begründung einer Zulassung zur Berufung (ca. 1 DinA4 Seite) und rechnet entsprechend ab. Er habe in den Kommentaren recherchiert und sich mit einen Kollegen abgesprochen.

Ich frage mich nun wer hier den Auftrag gegeben hat an einer Berufung zu basteln
Da war der Auftrag des Mandanten dafür erteilt worden, auf das Angebot des Anwalts hin. Anwalt erteilte ein Angebot: er fragte nach, ob er das Urteil prüfen dürfe. Das Angebot wurde leider von Mandant angenommen: er schickte das Urteil dafür zu = Vertrag über diese Arbeit geschlossen.

Dass das überflüssig war, weil die Frage ohne Prüfung des Urteils auf der Hand lag rechtlich, ist etwas anderes.

Ohne das Urteil kann der Anwalt die Lage ja auch nicht gänzlich überblicken. Jeder beschreibt aus seiner Wahrnehmung immer nur die für ihn wichtigsten Punkte. Da ist es doch klar, dass der Anwalt das Urteil sehen will.
Nur muss das Urteil ja auch auf die Fragestellung des Mandanten hin geprüft werden und nicht darauf hin wie es von den Gerichtsprozessen her weiter geht. Die Fragen des Mandanten zielten ja auch nicht darauf ab einen Berufungsprozess einzugehen und der Anwalt hatte nichts von einer Prüfung hin zur Berufung geschrieben. Als Antwort auf die Fragen des Mandanten hätte man doch eher so etwas einfacheres hier erwartet und vielleicht noch einen Hinweis, dass man nur über eine Berufung eine andere Kostenentscheidung herbeiführen kann zusammen mit dem Angebot dahingehend explizit zu prüfen:

Nordlicht14 hat geschrieben: 04.06.22, 19:07
Der Grundfehler war jedoch ein anderer:
Gradius hat geschrieben: 03.06.22, 23:00
Der Kläger erscheint nicht zu der mündlichen Verhandlung,
Der Mandant hat sich halt nun einmal nicht in der Verhandlung verteidigt! Dafür ist die Verhandlung schließlich ja da, um es darin alles zu gestalten! In den Verhandlungen werden sehr oft die belastenden Behördentnscheidungen zurück genommen/ geändert etc., so dass man dann vor Ort prozessual darauf reagieren muss und seine Klage mal ändern muss/mal zurück nehmen muss/mal für erledigt erklären muss. Die Verhandlung ist das Wichtigste prozessual. Nichterscheinen führt zwangsläufig zu Prozessverlust und zu Schaden.
Ergo lief es so durch ohne den Kläger halt.
Prozessual und seitens der gerichtlichen Entscheidung fehlerfrei.
Dafür brauchte man auch nicht groß aufwändig eine viertel Stunde umständlich in Kommentaren zu recherchieren oder sich bei einem Kollegen noch schlau zu fragen, wenn man sich selbst mit Verwaltungsprozessrecht nicht auskennt.
Das ist einfachstes simpelstes Grund-Verwaltungsprozessrecht, was jeder Fachanwalt für Verwaltungsrecht in einer Sekunde erkennt (auch sogar jeder Anwalt für Zivilrecht, da es dort dasselbe ist):
Da der Kläger halt nun mal nicht vertreten war in der Verhandlung, und auf die selbstredend in der Verhandlung zulässige Abhilfeentscheidung der beklagten Behörde hin (dafür ist doch die Verhandlung da, in der Regel nach richterlichem Hinweis meist!) nicht vor Ort die Klage in der Verhandlung entweder dann daraufhin zurück genommen hat (damit seine Gerichtsgebühr reduziert hätte), oder für erledigt erklärt hatte (damit das Gericht entscheiden hätte dürfen und müssen, welche der beiden Seiten in welchem Maße die Kosten trägt, vielleicht beide zur Hälfte, vielleicht auch sogar die Behörde gesamt), blieb zwangsläufig der Klageantrag ja weiter hängen und musste abgewiesen werden.

Grundfehler: nicht zur Verhandlung erschienen und sich nicht verteidigt. Man hätte als nicht anwaltlich vertretener einen Hinweis vom Richter bekommen zur Rücknahme oder Erledigung.
Nordlicht14
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Re: Arbeitszeit/Abrechnung eines Rechtsanwalts: Nicht angefragter Auftrag?

Beitrag von Nordlicht14 »

Man versteht nicht genau, was nun des „Mandanten“ Gedanken bzw Sorgen oder Bedenken sein sollen.
ExDevil67
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Re: Arbeitszeit/Abrechnung eines Rechtsanwalts: Nicht angefragter Auftrag?

Beitrag von ExDevil67 »

Nordlicht14 hat geschrieben: 07.06.22, 02:14 Man versteht nicht genau, was nun des „Mandanten“ Gedanken bzw Sorgen oder Bedenken sein sollen.
Etwas versteckt, aber die Frage dürfte sein ob er
Gradius hat geschrieben: 03.06.22, 23:00 und rechnet entsprechend ab.
diese Rechnung zahlen muss.
Gradius
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Re: Arbeitszeit/Abrechnung eines Rechtsanwalts: Nicht angefragter Auftrag?

Beitrag von Gradius »

ExDevil67 hat geschrieben: 07.06.22, 09:39
Nordlicht14 hat geschrieben: 07.06.22, 02:14 Man versteht nicht genau, was nun des „Mandanten“ Gedanken bzw Sorgen oder Bedenken sein sollen.
Etwas versteckt, aber die Frage dürfte sein ob er
Gradius hat geschrieben: 03.06.22, 23:00 und rechnet entsprechend ab.
diese Rechnung zahlen muss.
Ja, das wäre meine hauptsächliche Frage.
Nordlicht14 hat geschrieben: 07.06.22, 02:14 Man versteht nicht genau, was nun des „Mandanten“ Gedanken bzw Sorgen oder Bedenken sein sollen.
Der Anwalt macht doch hier den zweiten Schritt vor dem ersten Schritt. Man muss sich doch sicherlich erst einmal vergewissern ob sich der Mandant überhaupt in die Richtung eines Berufungsverfahrens bewegen möchte, wenn er sich wegen den Kosten skeptisch äußert als diese Richtung vorzugeben, wenn der Mandant zu den Kosten aufgeklärt werden möchte.

Er hatte auch nicht danach gefragt wie man gegen das Urteil vorgehen könne oder was sich dagegen machen lässt, sondern er wollte das was zum Prozessverlust geführt hat näher erläutet haben und was in Zukunft besser gemacht werden könnte. Aus den Fragen des Mandanten sehe ich hier nicht den Willen für eine Berufung, die der Anwalt anscheinend voraussetzt.
Gradius
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Re: Arbeitszeit/Abrechnung eines Rechtsanwalts: Nicht angefragter Auftrag?

Beitrag von Gradius »

Gradius hat geschrieben: 07.06.22, 19:56 Er hatte auch nicht danach gefragt wie man gegen das Urteil vorgehen könne oder was sich dagegen machen lässt, sondern er wollte das was zum Prozessverlust geführt hat näher erläutet haben und was in Zukunft besser gemacht werden könnte. Aus den Fragen des Mandanten sehe ich hier nicht den Willen für eine Berufung, die der Anwalt anscheinend voraussetzt.
Bzw. mehr dazu, welche Möglichkeiten die Gegenpartei im Prozess hier und da nunmal hatte etwas näher erklären.
Nordlicht14
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Re: Arbeitszeit/Abrechnung eines Rechtsanwalts: Nicht angefragter Auftrag?

Beitrag von Nordlicht14 »

Das ist wirklich einfach zu anstrengend. Das nennt man beratungsresistent, wovon man in einer Kanzlei schon oft genug hat.

Der „Mandant“ hat seinen Anwalt gefragt, ob die Behörde den Bescheid in der Verhandlung abändern durfte. Das hätte der RA in einem Halbsatz beantworten können.
Dies ist vorliegend dann nun hier gemacht gewesen.
Der „Mandant“ fragte den Anwalt sodann, ob man gegen die Kostenentscheidung was machen könne. Das nennt man einen Beratungsauftrag, der erteilt wurde. Der Anwalt hat dies beantworten können entweder mit ja, wenn ein Antrag auf Berufungszulassung geführt würde UND erfolgreich wäre (nicht: Berufung!), oder sonst nein.
Das war eine Beratung.

Der „Mandant“ wollte zudem wissen, ob ein Antrag auf Zulassung der Berufung auch erfolgreich werden könnte - nämlich ob die Kostenentscheidung drin abänderbr wäre.
Das hätte der Anwalt klar und einfach beim vorliegenden Sachverhalt (nicht an der Verhandlung teilgenommen), mit nein beantworten können - wäre Beratung gewesen, Zeitaufwand 1 Minute.
Er hatte es aber statt dessen vorgezogen, nicht mit ja oder nein kurz zu antworten,
sondern begehrte einen umfassenderen Beratungsauftrag zu erhalten, das Urteil zu prüfen.
Dies war eine Anfrage auf einen erweiterten Beratungsauftrag. Der Mandant nahm dies an und übersandte das Urteil.
Der Anwalt prüfte darin wasauchimmer, und beantwortete wasauchimmer, dazu. Das war mithin die zu bezahlende Leistung, auf deren Angebotsanfrage des Anwalts der Mandant ja eingegangen war, unter der Voraussetzung, dass das der Rechnung anhängende Timesheet fehlerfrei war.

Und nun ist : Ende der Geduld und der kostenlosen Inanspruchnahme anwaltlicher Zeit und Ende der Erörterungen und basta.
Gradius
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Re: Arbeitszeit/Abrechnung eines Rechtsanwalts: Nicht angefragter Auftrag?

Beitrag von Gradius »

Welche Fragen hätte man anders stellen müssen um lediglich z. B. so eine Antwort zu erhalten?:
Nordlicht14 hat geschrieben: 04.06.22, 19:07
Der Mandant hat sich halt nun einmal nicht in der Verhandlung verteidigt! Dafür ist die Verhandlung schließlich ja da, um es darin alles zu gestalten! In den Verhandlungen werden sehr oft die belastenden Behördentnscheidungen zurück genommen/ geändert etc., so dass man dann vor Ort prozessual darauf reagieren muss und seine Klage mal ändern muss/mal zurück nehmen muss/mal für erledigt erklären muss. Die Verhandlung ist das Wichtigste prozessual. Nichterscheinen führt zwangsläufig zu Prozessverlust und zu Schaden.
Ergo lief es so durch ohne den Kläger halt.
Prozessual und seitens der gerichtlichen Entscheidung fehlerfrei.
Dafür brauchte man auch nicht groß aufwändig eine viertel Stunde umständlich in Kommentaren zu recherchieren oder sich bei einem Kollegen noch schlau zu fragen, wenn man sich selbst mit Verwaltungsprozessrecht nicht auskennt.
Das ist einfachstes simpelstes Grund-Verwaltungsprozessrecht, was jeder Fachanwalt für Verwaltungsrecht in einer Sekunde erkennt (auch sogar jeder Anwalt für Zivilrecht, da es dort dasselbe ist):
Da der Kläger halt nun mal nicht vertreten war in der Verhandlung, und auf die selbstredend in der Verhandlung zulässige Abhilfeentscheidung der beklagten Behörde hin (dafür ist doch die Verhandlung da, in der Regel nach richterlichem Hinweis meist!) nicht vor Ort die Klage in der Verhandlung entweder dann daraufhin zurück genommen hat (damit seine Gerichtsgebühr reduziert hätte), oder für erledigt erklärt hatte (damit das Gericht entscheiden hätte dürfen und müssen, welche der beiden Seiten in welchem Maße die Kosten trägt, vielleicht beide zur Hälfte, vielleicht auch sogar die Behörde gesamt), blieb zwangsläufig der Klageantrag ja weiter hängen und musste abgewiesen werden.

Grundfehler: nicht zur Verhandlung erschienen und sich nicht verteidigt. Man hätte als nicht anwaltlich vertretener einen Hinweis vom Richter bekommen zur Rücknahme oder Erledigung.
Hier hattest Du es ja auf Anhieb sofort verstanden was man wissen wollte.
Gradius
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Re: Arbeitszeit/Abrechnung eines Rechtsanwalts: Nicht angefragter Auftrag?

Beitrag von Gradius »

Nordlicht14 hat geschrieben: 09.06.22, 00:03 Das ist wirklich einfach zu anstrengend. Das nennt man beratungsresistent, wovon man in einer Kanzlei schon oft genug hat.

Der „Mandant“ hat seinen Anwalt gefragt, ob die Behörde den Bescheid in der Verhandlung abändern durfte. Das hätte der RA in einem Halbsatz beantworten können.
Dies ist vorliegend dann nun hier gemacht gewesen.
Der „Mandant“ fragte den Anwalt sodann, ob man gegen die Kostenentscheidung was machen könne. Das nennt man einen Beratungsauftrag, der erteilt wurde. Der Anwalt hat dies beantworten können entweder mit ja, wenn ein Antrag auf Berufungszulassung geführt würde UND erfolgreich wäre (nicht: Berufung!), oder sonst nein.
Das war eine Beratung.
Der Mandant fragte nicht danach ob man etwas gegen die Kostenentscheidung machen könne, sondern ob sich die Kosten irgendwie abwenden lassen, weil dieser Satz im Urteil stand:

Das Urteil ist wegen der Kosten vorläufig vollstreckbar. Der Kläger darf die Vollstreckung durch Sicherheitsleistung in Höhe von 110% des insgesamt vollstreckbaren Betrages abwenden, wenn nicht der Beklagte vor der Vollstreckung Sicherheit in Höhe von 110% des jeweils zu vollstreckenden Betrages leistet.

Der Anwalt antwortete, es besteht die Möglichkeit einen Antrag auf Zulassung zur Berufung zu stellen.

Danach hatte der Mandant Sachen zum Verlauf des Verfahrens gefragt und ob die Behörde den Bescheid in der Verhandlung abändern durfte und nochmal nach obigen Satz gefragt.

Nordlicht14 hat geschrieben: 09.06.22, 00:03 Der „Mandant“ wollte zudem wissen, ob ein Antrag auf Zulassung der Berufung auch erfolgreich werden könnte - nämlich ob die Kostenentscheidung drin abänderbr wäre.
Das hätte der Anwalt klar und einfach beim vorliegenden Sachverhalt (nicht an der Verhandlung teilgenommen), mit nein beantworten können - wäre Beratung gewesen, Zeitaufwand 1 Minute.
Er hatte es aber statt dessen vorgezogen, nicht mit ja oder nein kurz zu antworten,
sondern begehrte einen umfassenderen Beratungsauftrag zu erhalten, das Urteil zu prüfen.
Dies war eine Anfrage auf einen erweiterten Beratungsauftrag. Der Mandant nahm dies an und übersandte das Urteil.
Der Anwalt prüfte darin wasauchimmer, und beantwortete wasauchimmer, dazu. Das war mithin die zu bezahlende Leistung, auf deren Angebotsanfrage des Anwalts der Mandant ja eingegangen war, unter der Voraussetzung, dass das der Rechnung anhängende Timesheet fehlerfrei war.

Und nun ist : Ende der Geduld und der kostenlosen Inanspruchnahme anwaltlicher Zeit und Ende der Erörterungen und basta.
Er hatte nicht gefragt ob die Kostenentscheidung darin abänderbar wäre, sondern ob das speziell nur durch eine Berufung gehen würde.

Der Anwalt hatte dann angeboten sich das Urteil durchzulesen und eine Einschätzung zu geben.

Dann gehe ich doch davon aus, dass der Anwalt das Urteil nur durchliest um die Fragen des Mandanten zu beantworten, weil der Anwalt ja auch nicht geschrieben hatte, er kann sich das Urteil durchlesen um sich eine Begründung zu einer Zulassung zur Berufung auszudenken. Davon war nämlich auch nicht auszugehen, nachdem er sich vorher eher nach alternativen Wegen erkundigt hat.
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Re: Arbeitszeit/Abrechnung eines Rechtsanwalts: Nicht angefragter Auftrag?

Beitrag von Dummerchen »

Und mein der Mandant nun, er müsse die Zeit und den Aufwand nicht bezahlen? :roll:
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Re: Arbeitszeit/Abrechnung eines Rechtsanwalts: Nicht angefragter Auftrag?

Beitrag von Nordlicht14 »

Unfassbar, wie sich der Mandant innerhalb jeweils eines Satzes an m aktuellen Beitrag jeweils selbst wieder und wieder widerspricht. Er hat offenbar nicht verstanden, welchen Prüfungsauftrag er seinem RA erteilt hat - nämlich die Kostenentscheidung zu überprüfen, welche die gesetzliche Regelung halt ist nach abgewiesener Klage -, und da eine Kostenentscheidung halt nur abänderst ist, wenn eine Berufungszulassung angenommen wird und danach auch die Berufung erfolgreich verliefe, musste mithin auf den Auftrag des Mandanten „prüfe, ob die Kostenentscheidung geändert werden kann“, der Anwalt prüfen, ob ein Antrag auf Berufungszulassung Erfolgsaussicht haben könnte.
Alles also richtig, nur dass Mandant halt das komplizierte Berufungszulassungsrecht im Verwaltungsrecht nicht versteht - was auch eine Fachanwaltsausbildung und viele Jahre Verwaltungsprozess-Erfahrung voraussetzt.

Mandant kann halt, wenn gewünscht, anhand der gesetzlichen Vollstreckungsanwendungsbefugnis im Urteil die Kostenvollstreckung durch Sicherheitenhinterlegung bis zum Ende der zweiten Instanz gern zunächst abwenden, wenn er meint und möchte, steht ja alles drin im Urteil wie, und falls der Anwalt eine Erfolgsaussicht für eine einzureichende Berufungszulassung bejaht haben sollte.
Ansonsten zahlt er eben die Kosten an die Behörde oder lässt sie vollstrecken - er weiß ja eh alles besser als sein Anwalt.
Gradius
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Re: Arbeitszeit/Abrechnung eines Rechtsanwalts: Nicht angefragter Auftrag?

Beitrag von Gradius »

Also wenn ich als Mandant einen Anwalt mehrmals frage was dieser Satz: Der Kläger darf die Vollstreckung durch Sicherheitsleistung... überhaupt bedeutet, weil ich das nunmal nicht verstehe und danach frage ob sich die Kosten irgendwie abwenden lassen, weil ich gerade nur so viel verstehe, dass sich die Kosten abwenden lassen könnten, dann erhoffe ich mir doch einen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten zu bekommen mit denen sich die Kosten abwenden lassen. Als Laie denke ich ja, es gibt vielleicht verschiedene Möglichkeiten und ich würde nicht wissen, dass hinter dem Satz eine Berufung steckt, nur weil der Anwalt in einer Antwort untergeschoben hat, dass grundsätzlich eine Zulassung zur Berufung beantragt werden kann.
Dann schicke ich ihm doch gerne das Urteil zu, erhoffe mir Aufklärung und habe nicht bewusst eine ausführliche Begründung zur Zulassung angefordert, sondern mich höchstens nach dieser Möglichkeit erkundigt. Davon kann man doch ausgehen? Wieso sollte der Mandant die Arbeitszeit also bezahlen müssen, nur weil der Anwalt denkt seinen Wunschauftrag erhalten zu haben und sich an die Arbeit macht? Der Mandant ist ja auch nur eine Privatperson.
Nordlicht14
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Re: Arbeitszeit/Abrechnung eines Rechtsanwalts: Nicht angefragter Auftrag?

Beitrag von Nordlicht14 »

Himmelherrgott nochmal wie beratungsresistent kann man eigentlich sein.
Die Kostenvollstreckung der Kosten des Beklagten - Behörde, vermutlich die 20€ Pauschale -, lassen sich wenn gewünscht halt kraft der gesetzlichen Standardregelung bei Wunsch VORLÄUFIG binnen 14 Tagen ab Zustellung des Urteils abwenden durch die genannte Sicherheitshinterlegung beim Gericht von 110% der Kosten, für die Dauer eines etwaigen Berufungsverfahrens. Ergo MUSS der Anwalt ja bei der Frage nach Kostenabwendungsbefugnis die Erfolgsaussicht einer einzulegenden Berufungszulassungsantrages erst prüfen.
Ob eine solche Kostenabwendung durch Sicherheit bei der Hinterlegungsstelle mit Antragstellung/Überweisung der Sicherheit/ ggf Verrechnung der überzähligen 10% bei abgewiesener Berufungszulassung/ oder bei erfolgreicher Zulassung schriftliche Antragsverfahren auf Rückzahlung der Sicherheit, Sinn macht UND ob der Mandant das auch bezahlen will, kann nur ein beratungsresistentwr Kläger beurteilen. Ob ein Anwalt einen solchen Auftrag auf Socherheitenhinterlegungsverfshren wg Kleinbeträgen überhaupt annimmt, entscheidet er selbst.
Es gibt auch nicht „verschiedene“ Möglichkeiten. Sondern nur eine einzige.
Diese findet der Mandant hier:

https://dejure.org/gesetze/ZPO/711.html

Und genau das steht als Standardtextbaustein nach abgewiesener Klage in JEDEM Urteil.

Wenn man - so Eigenaussage - das Prozessrecht und die VwGO und ZPO nicht versteht, was klar ist ohne ein juristisches Referendariat und 2. Staatsexamen, so überlässt man das seinem ANWALT und vertraut dem einfach mal. Der hat’s nämlich gelernt. Es ist NICHT Aufgabe eines Anwalts, dem Mandanten den gesamten Stoff des ersten halben Jahres eines juristischen Referendariats und des 2. Staatsexamens beizubringen, das ist nie Mandatsgegenstand! Das kann Anwalt auch nicht, dafür bräuchte er mehrere Jahre Zeit, um dem Mandanten den Stoff des Jurastudiums und konkret der ersten Stage eines Referendariats, beizubringen.

DerAnwalt wird sicher Honorarklage gegen den zechprellenden Mandanten einreichen.
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