Pflegeversicherung - Hilfsmittel

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Moderator: FDR-Team

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sischi
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Pflegeversicherung - Hilfsmittel

Beitrag von sischi »

Ich habe eine rein informatorische Frage:

Wenn ein Hilfsmittel (Rollator, u.ä) vom Arzt verschrieben wird, bezahlt die Pflegeversicherung dieses Teil komplett oder muß man sich dieses
auf Leihbasis besorgen.
Wenn die Pflegeberatung ein Hilfsmittel für sinnvoll und erforderlich hält und dies im Beratungsprotokoll angibt, braucht man ja kein Rezept.
Aber, bekommt man hier ein Leihgerät oder muß die Pflegeversicherung dieses komplett bezahlen?

Ich kenne hier nicht die rechtliche Lage, weiß aber von einem Fall, wo das Hilfsmittel auf Rezept voll bezahlt wurde, über die Pflegeberatung nicht.
Wäre es sinnvoller, ein Rezept ausstellen zu lassen, um die komplette Bezahlung zu bekommen.

Grüßle sischi
blackylein
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Re: Pflegeversicherung - Hilfsmittel

Beitrag von blackylein »

Was genau bezahlt wird und was verliehen wird, ist eine Abmachung zwischen der Pflegeversicherung und "Lieferanten". Da kann es total unterschiedliche Regelungen geben.
Auch ob eine Pflegeberstung reicht, oder nicht doch eine Ärztliche Anordnung benötigt wird.
Czauderna
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Re: Pflegeversicherung - Hilfsmittel

Beitrag von Czauderna »

Hallo,
hier ein Artikel, der es sehr gut erklärt - https://www.kbv.de/html/1150_57389.php
Aus meiner aktiven Zeit kann ich berichten, dass wir grundsätzlich Pflegehilfsmittel aus Leihbasis zur Verfügung gestellt haben, das war für uns günstiger, aber hatte auch Vorteile für die Versicherten. Sicher konnten die sich das notwendige Hilfsmittel auch selbst kaufen, bekamen aber von uns "nur" den Betrag erstattet, den wir auf Leihbasis auch bezahlt hätten. Der weitere Vorteil war, dass die Eigentümer der Hilfsmittel, also beispielsweise die Sanitätshäuser für die notwendige Wartung/Reparatur oder auch den gleichwertigen Austausch zuständig waren. Bei einigen Hilfsmittel gab es auch die direkte Übereignung an die Versicherten, z.B. bei Rollatoren oder Duschstühlen oder Duschhalterungen oder sogar bei Badewannenliftern, auch bei Rollstühlen machte z.B. bei angepassten Rollstühlen der Wiedereinsatz keinen oder wenig Sinn. Pflegebetten dagegen gingen grundsätzlich auf Leihbasis raus.
Gruss
Czauderna
FM
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Re: Pflegeversicherung - Hilfsmittel

Beitrag von FM »

blackylein hat geschrieben: 31.07.22, 17:22 Auch ob eine Pflegeberstung reicht, oder nicht doch eine Ärztliche Anordnung benötigt wird.
Bei Pflegehilfsmitteln als Leistung der Pflegeversicherung reicht eine Bescheinigung einer Pflegefachkraft (die dafür auch kompetenter ist als ein Arzt) oder des MDK.

Ein Rollator wird aber meist ein Hilfsmittel zum Ausgleich einer Behinderung sein und deshalb ein Hilfsmittel der Krankenversicherung. Da ist eine ärztliche Verordnung notwendig.

Ob leihweise oder mit Übereignung ist in beiden Leistungssystemen möglich.
sischi
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Re: Pflegeversicherung - Hilfsmittel

Beitrag von sischi »

Ich bedanke mich für eure ausführlichen Antworten.
Die Pflegeversicherung kann also wählen wie sie das handhabt. Der rollstuhl wurde per Rezept gekauft und von der Kasse voll bezahlt
Der Rollator nicht. Man kann manches nicht nachvollziehen

Schönen Sonntag abend
Sischi
Czauderna
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Re: Pflegeversicherung - Hilfsmittel

Beitrag von Czauderna »

sischi hat geschrieben: 31.07.22, 20:48 Ich bedanke mich für eure ausführlichen Antworten.
Die Pflegeversicherung kann also wählen wie sie das handhabt. Der rollstuhl wurde per Rezept gekauft und von der Kasse voll bezahlt
Der Rollator nicht. Man kann manches nicht nachvollziehen

Schönen Sonntag abend
Sischi
Hallo,
doch, das kann so sein, hatte ich öfters - der Rollstuhl war eine "Massanfertigung" und der Rollator war eben ein Rollator, bei denen es aber preislich doch schon Unterschiede gibt zwischen dem "Kassenrollator" und den anderen - das ist in etwa so, wie es früher mit dem Brillengestellen war.
Vielleicht war auch beim Rollator eben die Krankenkasse zuständig und beim Rollstuhl die Pflegekasse - beide Kassen sind zwar organisatorisch und von der personellen Besetzung her unter einem Dach und identisch, allerdings inhaltlich schon verschieden, gerade im Leistungsrecht.
Gruss
Czauderna
FM
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Re: Pflegeversicherung - Hilfsmittel

Beitrag von FM »

Der Unterschied ist nur dann relevant, wenn der Versicherte das Hilfsmittel nicht mehr benötigt - also z.B. gestorben ist, ins Pflegeheim kam und das Heim es stellen muss, oder sich die Behinderung so verschlechtert hat, dass statt dem Rollator ein Rollstuhl nötig ist. Dann könnte man ein übereignetes Hilfsmittel per Kleinanzeige verkaufen, ein leihweise zur Verfügung gestelltes aber nicht (was aber trotzdem oft passiert). Ich hab auch schon von jemanden einen Rollstuhl gekauft, wo ich dann zuhause in den Papieren las: ist Eigentum der Krankenkasse XY (deren Pech, sie bekam ihn nicht wieder, weil zwischenzeitlich ein Krankenhaus in dem die Patientin war ihn als angeblich "nicht mehr auffindbar" bezeichnete und er seitdem verschollen ist). Aber auch bei "leihweise" wollen die Kranken- und Pflegekassen das Hilfsmittel oft gar nicht mehr zurück und man hat eher Probleme es wieder loszuwerden, wenn es ersetzt wurde.
sischi
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Re: Pflegeversicherung - Hilfsmittel

Beitrag von sischi »

Danke nochmals für die Aufklärung.

Viele Grüße sischi
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