Ware auf Bestellung gekauft (Teilzahlung): Kunde meldet sich nicht mehr!

Rechtsgeschäfte des täglichen Lebens, Kaufrecht für Käufer und Verkäufer, Werkvertragsrecht

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Wheeler-Dealer
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Ware auf Bestellung gekauft (Teilzahlung): Kunde meldet sich nicht mehr!

Beitrag von Wheeler-Dealer »

Folgende Situation:

Ein Kunde kauft eine Ware, die auf Bestellung (aus dem Ausland) angefertigt werden muss. Als Teil der Vereinbarung muss der Kunde die Hälfte des vereinbarten Betrages im Voraus zahlen.
Die Ware steht bereit zur Abholung/Versand, der Kunde soll nun den Rest bezahlen. Aber: Er meldet sich nicht mehr. Vom Kunden (im nicht EU-Ausland) kennt der Verkäufer nur den Namen und die Email-Adresse. Der Verkäufer (in Deutschland) kontaktiert den Kunden mehrfach über Wochen, er möge sich wegen Restzahlung und Abholung/Versand melden. Der Kunde reagiert nicht. Es kann ja auch mal ein Kunde erkrankt oder im schlimmsten Fall verstorben sein.

Was kann der Verkäufer tun? Soll er versuchen, den Kunden anderweitig "aufzuspüren"? Kann er die Ware anderen Kunden anbieten und wenn ja, wieviel Zeit muss vergangen sein? Verfällt die Teilzahlung?
lottchen
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Re: Ware auf Bestellung gekauft (Teilzahlung): Kunde meldet sich nicht mehr!

Beitrag von lottchen »

Wheeler-Dealer hat geschrieben: 05.08.22, 12:33 Verfällt die Teilzahlung?
Die Frage finde ich lustig. Müsste der Verkäufer seine eigenen AGB nicht eher kennen als wir hier? Was ist denn vertraglich dazu vereinbart?

Zum Rest kann ich wenig sagen. Warum schließt man einen Vertrag mit jemanden ab der nur irgendeinen Namen und eine E-Mail-Adresse angibt (hatte man die Absicht eine Rechnung zu schreiben und wenn ja an wen sollte die denn gerichtet sein, wenn es keine Postadresse gibt?)? Was war denn vereinbart, wann geliefert wird? Der Verkäufer wird die Ware versuchen anderweitig zu verkaufen und muss abwarten ob ihn der Käufer deswegen verklagt.
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Wheeler-Dealer
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Re: Ware auf Bestellung gekauft (Teilzahlung): Kunde meldet sich nicht mehr!

Beitrag von Wheeler-Dealer »

In den AGBs ist vereinbart, dass die Ware bis zur vollständigen Zahlung im Besitz des Verkäufers verbleibt (wie zB auch bei Ratenzahlungen üblich).

Zum anderen, der Kunde hat die Ware per Email bestellt und dann angezahlt, ohne dem Verkäufer weitere Kontaktdaten zur Verfügung zu stellen. Das ist in der Branche durchaus nicht unüblich und hat in der Vergangenheit im Austausch auch immer geklappt. Darüber hinaus bietet der Verkäufer dem Kunden in Kulanz an, sollte der sich es anders überlegt haben, den Artikel anderen anzubieten und dem ursprünglichen Kunden dessen angezahlten Betrag nach Verkauf zu erstatten. Doch der Kunde reagiert nicht.

Lieferung bzw. Abholung waren vereinbart, der Kunde wollte die Ware am Liebsten nach Eintreffen selbst abholen (Zitat "zu 90%"), deshalb war der ursprünglichen Bestellung auch keine Adresse erforderlich, für die Rechnung entsprechend auch nicht.
lottchen
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Re: Ware auf Bestellung gekauft (Teilzahlung): Kunde meldet sich nicht mehr!

Beitrag von lottchen »

Wheeler-Dealer hat geschrieben: 05.08.22, 13:32 deshalb war der ursprünglichen Bestellung auch keine Adresse erforderlich, für die Rechnung entsprechend auch nicht.
??? Geht es hier um 50€ oder über welche Größenordnung reden wir hier?
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Wheeler-Dealer
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Re: Ware auf Bestellung gekauft (Teilzahlung): Kunde meldet sich nicht mehr!

Beitrag von Wheeler-Dealer »

Es geht nicht um €50. Deshalb wollte der Kunde die Ware auch abholen, um etwaige Transportschäden (extrem selten, aber nie 100%ig auszuschließen) zu vermeiden.

Da die Kommunikation bis zum Eintreffen der bestellten Ware reibungslos war (Antworten innerhalb von Minuten) kann man davon ausgehen, dass der Kunde irgendwie verhindert ist, zu antworten.
ktown
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Re: Ware auf Bestellung gekauft (Teilzahlung): Kunde meldet sich nicht mehr!

Beitrag von ktown »

Da wir uns hier nicht im europäischen Recht bewegen und es sich beim Käufer um einen Verbraucher handelt so müsste man als Verkäufer sich mal hinsichtlich der Verbraucherrechte des entsprechenden Landes informieren.

Von welchem Zeitraum des nicht meldens reden wir hier?

P.S.: Eigentlich ist dieses Forum für solch einen theoretischen Sachverhalt eh das komplett Falsche. Hier geht es um deutsches Recht.
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Wheeler-Dealer
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Re: Ware auf Bestellung gekauft (Teilzahlung): Kunde meldet sich nicht mehr!

Beitrag von Wheeler-Dealer »

Es handelt sich doch um deutsches Recht, da der Standort des Verkäufers Deutschland ist. Ob der Kunde nun aus dem Ausland oder von hier kommt ist letztlich unerheblich AFAIK, zumal wenn er sich zur Abnahme der Ware nach Deutschland bewegt.

Außerdem dachte ich immer, man MÜSSTE Fragen so abstrakt wie möglich formulieren, da es um keine individuelle Rechtsberatung geht.
ktown
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Re: Ware auf Bestellung gekauft (Teilzahlung): Kunde meldet sich nicht mehr!

Beitrag von ktown »

Dann wünsche ich dem Verkäufer viel Spaß bei der Durchsetzung von deutschem Recht bei internationalen Verkäufen.
Besonders dann wenn einem nur ein Name und eine Mailadresse bekannt ist. :lachen:
Hier mal was zum Lesen
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Re: Ware auf Bestellung gekauft (Teilzahlung): Kunde meldet sich nicht mehr!

Beitrag von Wheeler-Dealer »

Sehr hilfreich. Ich hatte die abgrundtiefe Bosheit vieler Forumsteilnehmer offenbar nicht mehr in Erinnerung. ;)

Ich versuche nur, mich hier richtig zu verhalten. Theoretisch kann der Verkäufer Jahre auf der Ware sitzen, wenn der Kunde sich nicht meldet.
ExDevil67
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Re: Ware auf Bestellung gekauft (Teilzahlung): Kunde meldet sich nicht mehr!

Beitrag von ExDevil67 »

Willkommen im Geschäftsleben würde ich sagen.

Das ein Kunde nicht zahlt soll gerüchteweise öfter vorkommen. Wobei der Händler hier ja noch in der komfortablen Situation ist das der Kunde die Hälfte schon angezahlt hat und der Händler noch die Ware hat.
lottchen
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Re: Ware auf Bestellung gekauft (Teilzahlung): Kunde meldet sich nicht mehr!

Beitrag von lottchen »

Wheeler-Dealer hat geschrieben: 05.08.22, 15:51 Theoretisch kann der Verkäufer Jahre auf der Ware sitzen, wenn der Kunde sich nicht meldet.
Aus dem Grund sollte man eben auch vorher vertraglich vereinbaren was in so einem Fall passiert. Wann ist die Zahlung fällig, wann ist die Lieferung fällig, ab wann hat welche Seite ein Rücktrittsrecht.

Wenn die Ware frei verkäuflich ist obwohl sie für einen bestimmten Kunden produziert wurde - was soll dem Verkäufer dann groß passieren wenn er die Ware anderweitig verkauft und falls sich der Käufer doch nochmal meldet? Der kann ihn entweder verklagen auf Herausgabe oder entgangenen Gewinn oder auf Rückzahlung der Anzahlung (tut sich das ein Nicht-EU-Ausländer an, in D zu klagen?). Die Anzahlung könnte der Verkäufer freiwillig rausrücken (natürlich abzüglich seiner Aufwendungen für den Neuverkauf und ggf. stellt er die Preisdifferenz in Rechnung, wenn er jetzt billiger verkaufen musste). Wenn der Käufer nur seine E-Mail-Adresse als Kontakt hinterlassen hat und darüber nicht erreichbar ist braucht er sich doch nicht zu wundern, wenn das Geschäft platzt.
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ktown
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Re: Ware auf Bestellung gekauft (Teilzahlung): Kunde meldet sich nicht mehr!

Beitrag von ktown »

Wheeler-Dealer hat geschrieben: 05.08.22, 15:51 Sehr hilfreich. Ich hatte die abgrundtiefe Bosheit vieler Forumsteilnehmer offenbar nicht mehr in Erinnerung. ;)
Wenn Ihnen die knallharte Realität nicht genehm ist dann sollten Sie keine Fragen stellen. Außerdem verstehe ich Ihre Emotionalität nicht. Es handelt sich doch um einen rein theoretischen Sachverhalt. :wink:
Wheeler-Dealer hat geschrieben: 05.08.22, 15:51 Ich versuche nur, mich hier richtig zu verhalten.
Dann sollten sie sich anwaltlich beraten lassen. Gerade im Hinblick der korrekten Ausformulierung der AGB.
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Froggel
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Re: Ware auf Bestellung gekauft (Teilzahlung): Kunde meldet sich nicht mehr!

Beitrag von Froggel »

Gemäß Gesetz hat der Käufer nicht nur die Pflicht, seine Ware zu bezahlen, sondern auch, sie entgegenzunehmen. Tut er das nicht, verstößt er gegen die geschlossene Vereinbarung, d.h. der Verkäufer kann ihm zweimalig eine Frist zur Abnahme setzen (Da der Vertrag per E-Mail abgeschlossen wurde und dem VK nur dieser Kommunikationsweg offensteht, ist auch die Fristsetzung per E-Mail unproblematisch).
Verstreichen beide Fristen, kann der Verkäufer von dem Vertrag zurücktreten (§ 323 BGB). In dem Fall hat er das bereits gezahlte Geld zurückzuerstatten. Dadurch, dass der Käufer seine Ware nicht abnimmt, kann es allerdings sein, dass der Verkäufer einen Schaden erleidet, sei es, dass er die Ware lagern muss und dafür Kosten anfallen, sei es, dass er sie nicht anderweitig oder nur billiger verkaufen kann, weil die Ware zu kundenspezifisch ist. Diesen bezifferbaren Schaden kann der Verkäufer geltend machen und entsprechend von der bereits gezahlten Summe abziehen. Aber dass der Schaden entstanden ist, muss er beweisen können. Hat der Verkäufer nach dem Verstreichen der Verjährungsfristen den Rücktritt vom Kaufvertrag erklärt, kann der Kunde nicht mehr auf Erfüllung des Kaufvertrages pochen.
Verfällt die Teilzahlung?
Irgendwie wird das Geld ja auf dem Konto des Verkäufers eingegangen sein. Hat er die Möglichkeit einer Rückzahlung, muss er das natürlich auch zurückzahlen. Hat er sie nicht, kann er sich nach Ablauf der dreijährigen Verjährungsfrist auf Verjährung berufen(Beispiel: Kaufvertragsschluss Juli 2022, Verjährung 31.12.2025).
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