Visumvorabzustimmung

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Tugcce
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Visumvorabzustimmung

Beitrag von Tugcce »

Hallo zusammen, ich versuche es kurz zu fassen:

Ich bin deutsche Staatsbürgerin und lebe in Deutschland. Mein Ehemann (türkischer Staatsbürger) lebt in der Türkei. Wir haben gemeinsam einen 2 jährigen Sohn. Außerdem bin ich im 8. Monat schwanger.

Nun haben wir einen Antrag auf Familienzusammenführung bzw. Nachzug zum deutschen Kind gestellt. Jedoch dauert die Bearbeitung aktuell laut dem deutschen Konsulat in der Türkei ca 6-8 Monate.
Daraufhin habe ich zur Ausländerbehörde in Deutschland Kontakt aufgenommen und Ihnen meinen Fall geschildert (baldige Geburt, Überforderung mit Kind etc.).

Die Ausländerbehörde hat eine Visumvorabzustimmung für meinen Mann ausgestellt (dort steht: Die Erteilung eines Visums (als Aufenthaltserlaubnis) zur Einreise im Wege der Familienzusammenführung wird vorab für die Dauer von vorerst drei Monaten zugestimmt... usw) Diese hat mein Mann beim Konsulat in der Türkei abgegeben. Trotzdem tut sich seit Wochen nichts und wir warten vergeblich.
Nun ist uns aber eingefallen, dass mein Mann ein Schengenvisum hat, und zwar bis nächstes Jahr April 2023.

So, unsere Frage lautet nun:

mein Mann kann ja mit dem Schengenvisum nach Deutschland einreisen. Kann er dann bei der Ausländerbehörde hier in Deutschland genauso seinen Aufenthalt verlängern und somit die Familienzusammenführung in die Wege leiten? Oder würde die Ausländerbehörde dann sagen "ne ne gehen Sie Mal schön wieder in die Türkei und beantragen Sie dort ganz normal die Familienzusammenführung und kommen dann nochmal" ?

Weil normalerweise muss er ja den Weg gehen und in der Türkei erst alles erledigen, und erst nach der Erteilung des Visums vom deutschen Konsulat kann er nach Deutschland zu seiner Familie reisen.
Aber andererseits hat ja die Ausländerbehörde schon das OK gegeben, dass mein Mann ein Visum für 3 Monate erhält.
FM
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Re: Visumvorabzustimmung

Beitrag von FM »

Eine Bearbeitungszeit von 8 Monaten dürfte viel zu lange sein. Im allgemeinen Verwaltungsrecht geht man von bis zu 3 Monaten aus, ob es da für Konsulate Ausnahmen gibt weiß ich nicht - aber 8 Monate wäre schon extrem.

Da wäre eine Beschwerde angebracht. Zuständig ist allerdings nicht die kommunale Ausländerbehörde, sondern das Auswärtige Amt in Berlin (also Frau Baerbock) als übergeordnete Behörde der Auslandsvertretungen.

Aber wozu will er denn jetzt ein nationales Visum für 3 Monate, wenn er bereits ein Schengen-Visum bis April 23 hat?
Tugcce
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Re: Visumvorabzustimmung

Beitrag von Tugcce »

Es ist tatsächlich so, dass die Bearbeitungszeit aktuell so lange dauert. Ich bin in einer Gruppe auf Social-Network-Portal [Name geändert], dort lese ich täglich von anderen, dass sie seit Anfang des Jahres auf ihr Visum warten. Keiner weiß wieso. Das Konsulat habe ich mehrfach angeschrieben aber keine Antwort erhalten. Telefonisch erreicht man sie auch nicht.
Es sind zig Beschwerden schon raus, aber trotzdem tut sich nichts.

Mit dem Schengenvisum kann er ja nur bis zu 90 Tage in Deutschland verbleiben. Daher der Wunsch auf Familienzusammenführung und Aufenthalt in Deutschland. Ansonsten müsste er ja wenn er jetzt nach Deutschland einreist, so gegen Dezember wieder das Land verlassen. Wir wollen aber das er sozusagen für immer bei uns in Deutschland bleibt.
FM
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Re: Visumvorabzustimmung

Beitrag von FM »

Tugcce hat geschrieben: 27.08.22, 22:08 Es ist tatsächlich so, dass die Bearbeitungszeit aktuell so lange dauert. Ich bin in einer Gruppe auf Social-Network-Portal [Name geändert], dort lese ich täglich von anderen, dass sie seit Anfang des Jahres auf ihr Visum warten. Keiner weiß wieso. Das Konsulat habe ich mehrfach angeschrieben aber keine Antwort erhalten. Telefonisch erreicht man sie auch nicht.
Es sind zig Beschwerden schon raus, aber trotzdem tut sich nichts.
Wie gesagt, zuständig für Beschwerden ist:
https://www.auswaertiges-amt.de/de/aamt ... lauf-seite
deerhunter
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Re: Visumvorabzustimmung

Beitrag von deerhunter »

So, unsere Frage lautet nun:

mein Mann kann ja mit dem Schengenvisum nach Deutschland einreisen. Kann er dann bei der Ausländerbehörde hier in Deutschland genauso seinen Aufenthalt verlängern und somit die Familienzusammenführung in die Wege leiten?
Nein, für einen Daueraufenthalt muss er verbindlich mit dem richtigen Visum (hier FZV) einreisen. Mit dem Schengenvisum muss er wieder ausreisen!

Ich bin deutsche Staatsbürgerin und lebe in Deutschland. Mein Ehemann (türkischer Staatsbürger) lebt in der Türkei. Wir haben gemeinsam einen 2 jährigen Sohn. Außerdem bin ich im 8. Monat schwanger.

Nun haben wir einen Antrag auf Familienzusammenführung bzw. Nachzug zum deutschen Kind gestellt. Jedoch dauert die Bearbeitung aktuell laut dem deutschen Konsulat in der Türkei ca 6-8 Monate.
Daraufhin habe ich zur Ausländerbehörde in Deutschland Kontakt aufgenommen und Ihnen meinen Fall geschildert (baldige Geburt, Überforderung mit Kind etc.).
Ihr hattet doch genug Zeit das zu planen...also liegt das verschulden doch eher auch eurer Seite
Gruß

Adam
Chavah
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Re: Visumvorabzustimmung

Beitrag von Chavah »

Es geht ja nicht nur um den Zettel vom örtlichen Ausländeramt. Das Konsulat/die Botschaft holt ja über das Bundesverwaltungsamt (ich meine so heißt dieses Amt, oder so ähnlich) noch zusätzliche Infos aus In- und Ausland ein, die je nach Art des Visums natürlich unterschiedlich sind. Und das kann nun mal dauern, bis die vorliegen. Deshalb gehen Beschwerden auch ins Leere. Denn die Dreimonatsfrist (ist ja auch nur eine Soll-Regelung) beginnt ja erst zu laufen, wenn alle Unterlagen vorliegen. Und das kann dauern.
FM
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Re: Visumvorabzustimmung

Beitrag von FM »

Trotzdem erscheinen mir 6 bis 8 Monate als Normalfall zu lang. Die Infos der deutschen Behörden werden ja nicht mit reitenden Boten an das Konsulat geschickt.
Chavah
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Re: Visumvorabzustimmung

Beitrag von Chavah »

Nö, aber gerade die ausländischen Stellen, die auch abgefragt werden, das dauert schon. Und es ist ja im internationalen Verkehr nicht unbedingt üblich, Fristen zu setzen.
Evariste
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Re: Visumvorabzustimmung

Beitrag von Evariste »

Ja, solche Dinge können dauern, das heißt aber nicht, dass es in Ordnung ist.

Im fraglichen Szenario würde ich einen Anwalt einschalten. Grundsätzlich hat ein deutsches Kind (und die deutsche Mutter) ein Recht darauf, dass der Vater bei der Geburt anwesend ist - und auch da bleibt. Wenn das reguläre FZF-Visum zu lange dauert, kann ein Ausnahmefall vorliegen, der es erlaubt, dass der Vater mit dem Schengenvisum einreist und den notwendigen Aufenthaltstitel im Inland beantragt.

Genauer gesagt, nicht "kann vorliegen", sondern "liegt vor". § 39 AufenthaltsV:
Über die im Aufenthaltsgesetz geregelten Fälle hinaus kann ein Ausländer einen Aufenthaltstitel im Bundesgebiet einholen oder verlängern lassen, wenn ...
3. er Staatsangehöriger eines in Anhang II der Verordnung (EU) 2018/1806 aufgeführten Staates ist und sich rechtmäßig im Bundesgebiet aufhält oder ein gültiges Schengen-Visum für kurzfristige Aufenthalte (§ 6 Absatz 1 Nummer 1 des Aufenthaltsgesetzes) besitzt, sofern die Voraussetzungen eines Anspruchs auf Erteilung eines Aufenthaltstitels nach der Einreise entstanden sind, es sei denn, es handelt sich um einen Anspruch nach den §§ 16b, 16e oder 19e des Aufenthaltsgesetzes,
Der Anspruch auf Erteilung entsteht mit der Geburt des Kindes, wenn der Vater also zu dem Zeitpunkt bereits im Land ist, kann er den Titel von hier aus beantragen. Es besteht zwar dem Wortlaut nach ein Ermessen der ABH ("kann"), das ist aber im vorliegenden Fall wegen Art. 6 GG auf 0 reduziert.

Aber wie gesagt, besser einen Anwalt fragen - ich bin keiner.
ktown
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Re: Visumvorabzustimmung

Beitrag von ktown »

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