Beherbergungsvertrag auch ohne Buchungsbestätigung?

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Evariste
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Re: Beherbergungsvertrag auch ohne Buchungsbestätigung?

Beitrag von Evariste »

ktown hat geschrieben: 18.09.22, 09:45 Keine Ahnung wie das bei Ihnen läuft, aber wenn ich eine Unterkunft benötige, es aber keine Buchungssoftware gibt, dann frage ich per Mail an.
Ja, das ist der Normalfall, aber wie FM schon ausgeführt hat: Es gibt keine vorgeschriebene Reihenfolge.
Ich bekomme für meinen angefragten Zeitraum einen Preis mit den entsprechenden Zahlungsmodalitäten.
Das nennt man die "invitatio ad offerendum", also die Aufforderung zur Abgabe eines Angebots.
Kann ich die akzeptieren bitte ich um Buchung im gewünschten Zeitraum.
Das ist dann das Angebot.
Danach bekomme ich eine Bestätigung der Buchung
Das ist die Annahme des Angebots und damit ist ein Vertrag geschlossen worden. Alles richtig, aber es kann auch anders laufen, ohne die invitatio ad offerendum. Z. B. bei meiner letzten Handwerkerbeauftragung habe ich ein schriftliches Angebot bekommen und das habe ich dann ebenso schriftlich bestätigt. Eine Bestätigung seitens des Handwerkers war nicht erforderlich.
Wieso man der Ansicht ist das mit der Angebotsunterbreitung schon ein rechtsgültiger Vertrag vorliegt ist für mich nicht schlüssig.
Natürlich. :D Weil das niemand behauptet hat. Ein rechtsgültiger Vertrag liegt erst vor, wenn das Angebot von der Gegenseite angenommen wurde.
Wieviel Zimmer und wie lang sollte Ihrer Meinung nach ein Beherbergungsbetrieb vorhalten bis ein Interessent überwiesen hat?
Für die rechtliche Frage ist das irrelevant. Es hat auch niemand den Vermieter gezwungen, ein verbindliches Angebot ohne Befristung zu machen. (Angebote sind stets verbindlich, außer das wird expliziz ausgeschlossen, siehe § 145 BGB.)
Im übrigen sei erwähnt, dass der TE die Abfolge eigentlich auch so sieht.
Das ist ebenso irrelevant. Der TE geht halt, ebenso wie Sie, vom üblichen Ablauf aus.
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Re: Beherbergungsvertrag auch ohne Buchungsbestätigung?

Beitrag von Evariste »

gocar12 hat geschrieben: 18.09.22, 11:16
3.1 Der Beherbergungsvertrag kommt durch die Annahme der Bestellung des Vertragspartners durch den Beherberger zustande. ...

3.2 Der Beherberger ist berechtigt, den Beherbergungsvertrag unter der Bedingung abzuschließen, dass der Vertragspartner eine Anzahlung leistet.

...
Meiner Meinung nach ist die Buchungsbestätigung auch nichts anderes als ein Art "Quittung" mit den wichtigsten Eckpunkten der Buchung. Oder sehe ich das falsch?
Wenn man die AGBHs zugrundelegt, dann ist die Buchungsbestätigung tatsächlich wesentlich, denn sie stellt die Annahme der Bestellung dar. D. h. vorher kein Vertrag.

Und 3.2. bedeutet, der Vertrag gilt erst als endgültig geschlossen, wenn der Mieter eine Anzahlung geleistet hat. Also wohl doch die Anzahlung als Bedingung, auch wenn das in der E-Mail des Vermieters nicht so formuliert wurde. Was aber nicht heißt, der Vermieter kann, während er auf die Anzahlung wartet, die Wohnung anderweitig vermieten. Er ist insoweit an seine Buchungsbestätigung gebunden.

Soweit ist also alles klar, vermutlich doch keine Doppelbuchung. Allenfalls könnte man jetzt noch prüfen, ob die AGBHs überhaupt wirksam in den Vertrag einbezogen wurden. Dazu gibt der Sachverhalt nichts her, vermutlich sind die AGBHs aber auf der Webseite des Vermieters zu finden, von der der Mieter die E-Mail-Adresse hat.
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Re: Beherbergungsvertrag auch ohne Buchungsbestätigung?

Beitrag von gocar12 »

Elektrikör hat geschrieben: 18.09.22, 14:10 In welcher Welt lebst DU denn?
Schon in der gleichen wie DU. :P
Bei dem Post hatte ich aber echt ein Knoten im Kopf ganzen Begriffen. :oops:
Evariste hat geschrieben: 18.09.22, 17:08 Wenn man die AGBHs zugrundelegt, dann ist die Buchungsbestätigung tatsächlich wesentlich, denn sie stellt die Annahme der Bestellung dar. D. h. vorher kein Vertrag.
Zusammen mit den Erläuterungen von FM ist es nun auch mir eindeutig klar. :thanksalot
Dann heißt es für den Interessenten halt einfach: Beim nächsten Mal schneller sein. Wobei das bei E-Mail-Verkehr halt auch so eine Sache ist. Bei einer Online-Buchungsplattform ist das mit wenigen Klicks erledigt. Da muss dann der Vermieter entscheiden welchem Buchungsweg er favorisiert.

Beste Grüße
FM
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Re: Beherbergungsvertrag auch ohne Buchungsbestätigung?

Beitrag von FM »

Natürlich wäre es sinnvoller gewesen, wenn der Vermieter eine Annahmefrist genannt hätte. Die kann er ja auch auf wenige Stunden beschränken. Da dies aber sehr oft nicht geschieht, sehen sowohl das deutsche BGB als auch das österreichische ABGB dann die erwartbare Dauer vor, die heute noch weniger als früher zu definieren ist, da es inzwischen weit mehr Kommunikationswege gibt.

Die andere Alternative, dass der Vermieter die Wohnung dann auf unbegrenzte Zeit (bzw. bis zum ersten in der Anfrage genannten Tag) freihalten muss, wäre auch nicht zweckmäßig. Und das wird der Kunde auch nicht erwarten. Ob nun 21 Stunden noch erwartungsgemäß sind (mit der Mitteilung, dass die Anzahlung erst noch später als verlangt erfolgt), oder ober 10 Minuten und eine Sofortüberweisung erwartbar wären - das muss eben das Gericht entscheiden, m.E. das österr. Bezirksgericht. Man kann in den dortigen Rechtssprechungsdaten nachschauen, vielleicht gibt es ja Musterurteile des OGH oder der OLG.


Und dass ein von ausgebildeten Hotelkaufleuten geführtes Hotel das effektiver macht als ein privater Vermieter, ist nicht überraschend.
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