Onlinebuchung 17jährige

Reisevertragsrecht, Reisevermittlungsrecht, Reiseversicherungsrecht, Luft-, Bus-, Bahn- und Schiffsbeförderungsrecht

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GS
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Re: Onlinebuchung 17jährige

Beitrag von GS »

Stoßseufzer des Milchviehbauern Eduard M. aus B. in NiS:

"Besser Rinder als Kinder! Die machen zwar auch Mist, aber den kann ich wenigstens noch verkaufen an die Biogasanlage.
Und muss nicht auf ihm sitzenbleiben wie im vorliegenden Fall." :ironie:
Dies ist keine Linksberatung und erst recht keine Rechtsberatung - wie käme ich dazu? Einzig verbindlicher Ratschlag: Lesen Sie von links oben nach rechts unten.
Froggel
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Re: Onlinebuchung 17jährige

Beitrag von Froggel »

invasion hat geschrieben: 02.01.23, 18:14Ein Mitarbeiter der Rechtsabteilung möchte morgen mit mir ein Telefonat führen: ...
Ja, und dem sagt man dann, dass man mit ihm nicht sprechen will bzw. er sich an den eigenen Anwalt wenden soll. Mitarbeiter der Rechtsabteilung vertreten die Interessen des Auftraggebers, was ihnen nicht automatisch recht gibt. Solche Leute bequatschen gern und ziehen sich irgendwelche Paragrafen aus der Tasche, die das Gegenüber einschüchtern sollen, damit dieser freiwillig zahlt. Also bitte jedes persönliche Gespräch ablehnen und auflegen. Am Telefon ist man denen nicht gewachsen, wenn man nicht selbst Rechtsanwalt ist.
Weiterhin würde ich mich gar nicht auf weitere Mails oder sonstige Kontaktversuche seitens des Veranstalters einlassen. Dadurch besteht natürlich die Gefahr, verklagt zu werden. In dem Fall muss auf jeden Fall ein Anwalt hinzugezogen werden. (Achtung: So würde ich handeln, aber das ist keine Handlungsempfehlung für andere. Was man tun möchte und welche Risiken man eingehen mag, muss jeder für sich selbst entscheiden)
Verklagt zu werden heißt allerdings nicht automatisch, dass der Kläger recht bekommt. Und möglicherweise kommt ja doch keine Klage, wenn der Veranstalter weiß, dass seine Aussichten schlecht sind, den Gerichtsprozess zu gewinnen. Aber drohen wird er zunächst trotzdem und versuchen, den schwarzen Peter der Minderjährigen oder ihrem Freund zuschieben.
FM hat geschrieben: 02.01.23, 19:50Man könnte ihm auch mitteilen, dass die Firma seine Daten möchte, falls er will kann er sie dann selbst mitteilen. Wenn er nicht will, riskiert er eben, dass die Ermittlungskosten noch dazu kommen - aber das ist dann seine Entscheidung.
Welche Ermittlungskosten? Um die einfordern zu können, muss zunächst ein Rechtsanspruch bestehen. Da der junge Mann aber keinen Vertrag abgeschlossen hat, gibt es keine Grundlage, irgendetwas von ihm zu verlangen.
Man sollte daran denken, dass Eltern nicht für ihre Kinder, egal welchen Alters, haften – und schon gar nicht volljährige Freunde für ihre minderjährigen Freundinnen. Die Tochter hätte sogar einen Urlaub für die komplette Familie buchen können und das wäre bis zur Erlaubnis der Eltern nicht gültig. Die §§ 107 und 108 BGB sind da einschlägig.
Wenn der Veranstalter auf der Bestellwebseite nicht in der Lage ist, anhand des angegebenen Alters einen schwebend unwirksamen Vertrag zu erkennen, ist das sein Problem, denn er hätte einen Flug gar nicht erst buchen dürfen, bevor er die Einwilligung der Eltern erhält. Somit hat er auch keinen Schadensersatzanspruch. Einzig wenn die Tochter beim Geburtsdatum geschummelt hat, sodass der Reiseveranstalter nicht in der Lage war, zu erkennen, dass sie minderjährig ist, besteht überhaupt ein Anspruch auf Ersatz eines nachweisbaren Schadens.
Der Begriff der schwebenden Unwirksamkeit ist eng verbunden mit dem Vertragsrecht: Er bedeutet, dass ein Rechtsgeschäft geschlossen wurde, aber noch nicht belastbar ist. D.h. eine oder beide Vertragsparteien können Ihre Rechte aus dem Vertrag noch nicht einklagbar geltend machen, der Vertrag hat also erst mal quasi den Wert einer Absichtserklärung. Erst mit der Genehmigung durch z.B. einen Dritten oder den Eintritt einer vertraglich festgelegten Bedingung wird der Vertrag wirksam und für die Parteien bindend.
...
Die schwebende Unwirksamkeit spielt auch bei Vertretung ohne Vertretungsmacht eine Rolle, auch hier hängt die Wirksamkeit von der Genehmigung durch den Vertretenen ab.
Quelle
invasion hat geschrieben: 02.01.23, 16:58P.S. Ich bitte um Entschuldigung, ich bekomme das mit der Zitierfunktion nicht hin. Hoffentlich ist es nun nicht zu unübersichtlich.
Schöner ist es natürlich mit richtigen Zitaten. Dazu oben auf die Anführungszeichen klicken und zwischen [ quote ]und[ /quote], also da, wo das rote »und« steht, den Text einfügen. Wenn das Zitat mit Namen sein soll, dann unten im Feld der letzten Beiträge die benötigten Zeilen markieren und in ebendem Posting die Anführungszeichen rechts oben in der Ecke anklicken. Dann geht das automatisch :wink:
Ich bin kein Jurist.
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ktown
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Re: Onlinebuchung 17jährige

Beitrag von ktown »

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