kollektive Steuerverkürzung

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Hustinettenbär
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Re: kollektive Steuerverkürzung

Beitrag von Hustinettenbär »

lottchen hat geschrieben: 15.08.23, 16:08 In der Praxis muss die Hausverwaltung diese 5.000€ aber irgendwo "unterbringen" in den Hausgeldabrechnungen. Oder steigt der Kontostand einfach Jahr für Jahr um 5000€ und das "Guthaben" wird dann irgendwann ausgeschüttet? Mir nicht ganz klar, wie sowas praktisch läuft.
Innerhalb einer WEG kann es durchaus mehrere Ertragspositionen geben, die nicht steuerlich relevant sind.

Wenn dann in einer Aufstellung über 40 Zeilen in zwei Zeilen Positionen mit einem "falschen Vorzeichen" auftauchen, sieht das niemand.

Das Finanzamt lässt sich, wenn überhaupt, nur die Hausgeldabrechnungen solcher Eigentümer vorlegen, die ihre Wohnung vermietet haben.
Und da interessieren nur Salden.
FM
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Re: kollektive Steuerverkürzung

Beitrag von FM »

Hustinettenbär hat geschrieben: 15.08.23, 15:31 In der Praxis läuft sowas informeller.

"Wir sind uns einige, dass das keine Einkünfte sind und dass wir dehalb kein Fass aufmachen. Was das FA nicht weiß, macht es nicht heiss."
Das ist ja keine rechtlich verbindliche Vereinbarung (und wäre als solcher Versuch ggf. nichtig, wenn es um die Verabredung zu einem Gesetzesverstoß geht).

Man wird wegen 20 oder 30 Euro Steuerhinterziehung kaum ins Gefängnis müssen, aber eine evtl. Geldstrafe und die Verfahrenskosten könnten weitaus höher sein als 20 oder 30 Euro.

Und ja, vielleicht merkt es auch niemand. Das kommt bei Straftaten aller Art auch oft vor.
ktown
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Re: kollektive Steuerverkürzung

Beitrag von ktown »

Inwieweit darf eine Hausverwaltung bei solch einer "Steuerhinterziehung " mitwirken ohne selbst Schwierigkeiten zu bekommen?
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FM
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Re: kollektive Steuerverkürzung

Beitrag von FM »

ktown hat geschrieben: 15.08.23, 20:13 Inwieweit darf eine Hausverwaltung bei solch einer "Steuerhinterziehung " mitwirken ohne selbst Schwierigkeiten zu bekommen?
Naja, ob sie da mitwirkt - für seine Steuererklärung ist ja jeder selbst verantwortlich.

Man könnte überlegen, ob es um eine Aufforderung oder Beihilfe zu einer Straftat geht - aber das nützt dem einzelnen Steuerhinterzieher auch nichts, falls es so sein sollte. Ein Mengenrabatt weil andere 39 dasselbe gemacht haben und der Hausverwalter dazu angestiftet hat, ist eher unwahrscheinlich.
Hustinettenbär
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Re: kollektive Steuerverkürzung

Beitrag von Hustinettenbär »

ktown hat geschrieben: 15.08.23, 20:13 Inwieweit darf eine Hausverwaltung bei solch einer "Steuerhinterziehung " mitwirken ohne selbst Schwierigkeiten zu bekommen?
Beihilfe oder Anstiftung zu irgendwas stehen hier nicht im Raum.

Was aber unter Umständen relevant werden kann, ist der Nichtausweis in der Abrechnung.

Im Thread ist ja unterstellt, dass alle 40 Eigentümer anwesend waren und alle einer Meinung sind - so quasi eine Art Verschwörung.

In Wirklichkeit liegen die Dinge etwas komplizierter, was jedoch im Internet nicht darstellbar ist.
FM
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Re: kollektive Steuerverkürzung

Beitrag von FM »

Dann gibt man es halt einfach an in der eigenen Steuererklärung und alles ist bestens.
ktown
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Re: kollektive Steuerverkürzung

Beitrag von ktown »

Wieso eigentlich der Aufriss wenn die Steuerlast für jeden Einzelnen so gering ist?
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Re: kollektive Steuerverkürzung

Beitrag von bavarian tax collector »

ktown hat geschrieben: 16.08.23, 07:05 Wieso eigentlich der Aufriss wenn die Steuerlast für jeden Einzelnen so gering ist?
Fällt wahrscheinlich auch unter das Motto: "Wir müssen Steuern sparen, egal was es kostet!"

Man kann das Ganze einfach mal unter verschiedenen Wahrscheinlichkeiten sehen:

Die Wahrscheinlichkeit, dass bei 40 Miteigentümern ein oder zwei die Einnahmen DOCH angeben, beträgt gefühlt 108,3%
Die Wahrscheinlichkeit, dass ein FA ERKLÄRTE Einnahmen hinterfragt beträgt etwa 0,1%, die Wahrscheinlichkeit, dass nicht nur hinterfragt wird, sondern auch noch 39 KMs geschrieben werden beträgt 0,01%.
Die Wahrscheinlichkeit, das bei 40 Miteigentümern mindestens ein Depp dabei ist, der nicht nur diese Einnahmen verschweigt bzw. durch diese erste Steuerhinterziehung auf den Geschmack gekommen ist, beträgt wieder gefühlt 108,3%.
Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Person innerhalb der nächsten 10 Jahre auffällt und dadurch die hier geplante Hinterziehung auffällt, liegt bei 70%. Dann allerdings liegt die Wahrscheinlichkeit, dass 39 KMs geschrieben werden bei 100%.

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Re: kollektive Steuerverkürzung

Beitrag von Hustinettenbär »

ktown hat geschrieben: 16.08.23, 07:05 Wieso eigentlich der Aufriss wenn die Steuerlast für jeden Einzelnen so gering ist?

Das ist deutsch.

Der Steuerspartrieb ist in D stärker ausgeprägt als der Geschlechtstrieb.
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Re: kollektive Steuerverkürzung

Beitrag von ktown »

Es stellt sich die Frage, ob mit 125€ überhaupt eine steuerliche Mehrbelastung heraus kommt.
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Re: kollektive Steuerverkürzung

Beitrag von bavarian tax collector »

ktown hat geschrieben: 15.08.23, 20:13 Inwieweit darf eine Hausverwaltung bei solch einer "Steuerhinterziehung " mitwirken ohne selbst Schwierigkeiten zu bekommen?
Hustinettenbär hat geschrieben: 15.08.23, 21:49 Beihilfe oder Anstiftung zu irgendwas stehen hier nicht im Raum.
Nachdem das Thema "Vermietung durch die WEG" grade en vogue ist (geistert zumindest grade in diversen Foren rum!). Habe ich mal ein wenig tiefer geschürft.

Zur Pflicht eine Erklärung zur einheitlich und gesonderten Feststellung abzugeben: FG Köln vom 22.01.2020, AZ.: 3 K 1065/16

Zur Stellung und damit auch steuerlichen Pflichten des Verwalters der WEG: BFH vom 20.09.2018, AZ.: IV R 6/16, hier Rn. 45

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Re: kollektive Steuerverkürzung

Beitrag von Hertha1892 »

Wenn es eine Eigentümergemeinschaft ist und nicht 40 Teileigentümer sind, bekommt das Finanzamt die Mitteilung von der Grunderwerbsteuerstelle, dass die Müllerstr. 1 von der WEG XY gekauft wurde. Dann verlangen die sowieso eine einheitlich und gesonderte Feststellung, da nicht glaubhaft ist, dass bei einem Mietwohngrundstück keine Einkünfte erzielt werden.

Anders wäre es bei Teileigentum, dann muss jeder das für sich erklären, sofern er daraus Einkünfte erzielt. Dann gibt man aber auch eine Anlage V ab und dröselt Einnahmen und Werbungskosten auseinander, das FA berechnet die AfA usw.

Erklärt jemand in seiner Einkommensteuererklärung Beteiligungseinkünfte, sollte normalerweise vom FA die Frage folgen, wo diese Einkünfte einheitlich und gesondert festgestellt werden.

Von daher kann ich mir nicht vorstellen, dass man da komplett unentdeckt raus kommt.

Grüße Hertha1892
Hustinettenbär
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Re: kollektive Steuerverkürzung

Beitrag von Hustinettenbär »

bavarian tax collector hat geschrieben: 16.08.23, 15:09 Die Wahrscheinlichkeit, dass ein FA ERKLÄRTE Einnahmen hinterfragt beträgt etwa 0,1%, die Wahrscheinlichkeit, dass nicht nur hinterfragt wird, sondern auch noch 39 KMs geschrieben werden beträgt 0,01%.
Weshalb sind diese Wahrscheinlichkeiten so klein?

Wenn ich als Finanzamt erstmals von Einkünften aus VuV erfahre,
a) lasse ich mir doch wenigstens den Mietvertrag vorlegen bzw.
b) fordere den Vermögensverwalter auf eine gesonderte Feststellung zu beantragen, die ich dann anschliessend negativ bescheiden kann (also feststellen kann, dass sie fürderhin nicht notwendig ist).

Aber für Transparenz muß das Finanzamt doch schon von Amts wegen sorgen.

Oder sind da meine Vorstellung von Arbeiten im Amt antiquiert?

Gruß Hustinettenbär
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Re: kollektive Steuerverkürzung

Beitrag von bavarian tax collector »

Möglichkeit 1: Der Eigentümer bewohnt selber
Dann würde tatsächlich erstmalig für dieses Objekt eine Anlage V abgegeben werden! Ja, dann würde ggf. der Mietvertrag angefordert werden. Da sich dann herausstellt, dass eine einheitlich und gesonderte Feststellung abzugeben ist, würde der Überschuss nur neu verkennziffert werden (Zeile 25-29 Anlge V).

Möglichkeit 2: Die Wohnung ist fremdvermietet
Selbst wenn die Einnahmen "zutreffend" in Zeile 7 erfasst werden würden, wird das RMS kaum anspringen.

WENN der Bearbeiter tatsächlich feststellt, dass positive Einkünfte aus einer einheitlich und gesondert festzustellenden Einkunftsquelle vorliegen, werden diese entsprechend im ESt-Bescheid berücksichtigt und ggf. geändert, wenn der Grundlagenbescheid vorliegt. Negative Einkünfte werden logischer Weise nicht ohne entsprechenden Grundlagenbescheid angesetzt.

Der Bearbeiter der persönlichen ESt wird NICHT den Verwalter der WEG anschreiben und zur Abgabe einer eugF auffordern!

Und nochmal! Man beantragt keine einheitlich und gesonderte Feststellung, man ist gesetzlich dazu verpflichtet! Man kann höchsten "beantragen", ob davon wegen §180 Abs.3 Nr.2 AO abgesehen werden kann.
Hustinettenbär hat geschrieben: 17.09.23, 18:03 Aber für Transparenz muß das Finanzamt doch schon von Amts wegen sorgen.
Für die Transparenz hat der Steuerpflichtige durch die Abgabe der erforderlichen Steuererklärungen.

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Re: kollektive Steuerverkürzung

Beitrag von Hustinettenbär »

bavarian tax collector hat geschrieben: 18.09.23, 10:18 Für die Transparenz hat der Steuerpflichtige durch die Abgabe der erforderlichen Steuererklärungen.
Das ist schon klar.

Jedoch tun das in einem solchen Fall die wenigsten Steuerpflichtigen.

Nicht aus Vorsatz, jedoch aus Unwissenheit.

Bisher war es in meinem Leben so, dass wenn ich Einkünfte hatte, für die vorab kein Steuerabzug vorgenommen worden war, das Finanzamt genau nachgefragt hat und sich Belege zeigen liess.

Deshalb meine Frage an die Praktiker, wie das Finanzamt einen solchen Fall aufhellt.
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