UNO und Ukrainekrieg

internationale Wirtschaftsbeziehungen, Import/Export, Vertragsgestaltung, Durchsetzung/Sicherung von Forderungen, internationale Rechtshilfe in Strafsachen

Moderator: FDR-Team

Tangom
Topicstarter
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 496
Registriert: 13.09.14, 14:54

Re: UNO und Ukrainekrieg

Beitrag von Tangom »

Völkerrecht ist offenbar nichts Statisches, sondern spiegelt bestehende internationale Machtverhältnisse und Machtgleichgewichte und ist insoweit politologisch orientiert.
Vor diesem Hintergrund:

Wiegt die Resolution der UN-Vollversammlung in Bezug auf den russischen Angriff gegen die Ukraine das Patt im Weltsicherheitsrat völkerrechtlich auf?

Und zur Frage der Hilfeleistung Deutschlands für die russische Kriegsmaschinerie (vgl. oben):

' Öl- und Gas aus Russland: Deutschland zahlt 2022 wohl Rekordsummen - Wirtschaft - SZ.de '

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ ... -1.5568092

' Deutschland würde damit in diesem Jahr insgesamt fast 32 Milliarden Euro an Russland zahlen. Das entspräche 57 Prozent des russischen Militärbudgets von 2020. Bei Gas ist Deutschland weltweit der größte Abnehmer, bei Öl die Nummer zwei. Für die Studienautoren ist klar: "Das Gerede der Bundesregierung über mögliche Importstopps ohne handfeste Taten ist in hohem Maße kontraproduktiv", sagt Greenpeace-Volkswirt Mauricio Vargas. "Es treibt die Gaspreise weiter in die Höhe und spült Rekorderlöse in Putins Kriegskasse. Dieser Kriegsfinanzierung muss ein Riegel vorgeschoben werden." '
ExDevil67
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 8301
Registriert: 17.01.14, 09:25

Re: UNO und Ukrainekrieg

Beitrag von ExDevil67 »

Tangom hat geschrieben: 12.05.22, 07:42 Völkerrecht ist offenbar nichts Statisches, sondern spiegelt bestehende internationale Machtverhältnisse und Machtgleichgewichte und ist insoweit politologisch orientiert.
Vor diesem Hintergrund:

Wiegt die Resolution der UN-Vollversammlung in Bezug auf den russischen Angriff gegen die Ukraine das Patt im Weltsicherheitsrat völkerrechtlich auf?
Nein, weil in der UN-Charta nun einmal festgelegt ist das einzig der Sicherheitsrat bindende Beschlüsse fassen kann. Wobei natürlich auch bei dessen Beschlüssen die Frage der Bindungswirkung im Raum steht. Wenn einer nicht will, dann will er nicht und keiner kann ihn zwingen.
Tangom
Topicstarter
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 496
Registriert: 13.09.14, 14:54

Re: UNO und Ukrainekrieg

Beitrag von Tangom »

Sehr geehrter ExDevil67,

dann ist es juristisch nicht falsch zu behaupten oder zu sagen, der russische Angriff gegen die Ukraine sei völkerrechtskonform?

Noch gut kann ich mich an die Debatten und Diskussionen zu den Jugoslawien-Kriegen und insbesondere zur militärischen Unterstützung der NATO zu Kosovo 1998/99 erinnern, die viele als völkerrechtswidrig verdammt haben, weil der Weltsicherheitsrat nicht zustimmte..
Könnte hier aus Deutschland eine politologische Projektion enger deutschrechtlicher Vorstellungen in das weiter gefasste Völkerrecht vorliegen?
ExDevil67
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 8301
Registriert: 17.01.14, 09:25

Re: UNO und Ukrainekrieg

Beitrag von ExDevil67 »

Tangom hat geschrieben: 12.05.22, 08:23 dann ist es juristisch nicht falsch zu behaupten oder zu sagen, der russische Angriff gegen die Ukraine sei völkerrechtskonform?
Jein. Was juristisch legal ist und was nicht entscheidet jeder Staat für sich selbst. Darum ist ja heikel bei uns mit einem Z auf dem Rucksack rumzulaufen und in Russland verboten von einem Krieg gegen die Ukraine zu sprechen. Russland führt ja nach einer Sichtweise auch nur eine Spezialoperation durch um in den Volkrepubliken einen Völkermord zu verhindern.
Tangom
Topicstarter
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 496
Registriert: 13.09.14, 14:54

Re: UNO und Ukrainekrieg

Beitrag von Tangom »

Lieber ExDevil67,

vielen Dank für Ihre weitere Einschätzung; ein "Z" in Deutschland dürfte auf das Kriegsgeschehen in der Ukraine nun keinerlei Auswirkungen haben

In politologischer Hinsicht ein aktueller Meinungsbeitrag aus Sicht eines Ukrainers zur Ukrainehilfe, der deshalb (indirekt) auch die Frage von völkerrechtlichen Kausaliäten aufwerfen dürfte:

https://www.spiegel.de/ausland/ukraine- ... 4f8c1bd570
Zafilutsche
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 6702
Registriert: 24.07.07, 10:47
Wohnort: Rhein/Ruhrgebiet

Re: UNO und Ukrainekrieg

Beitrag von Zafilutsche »

Jetzt ist schon viel Wasser den Rhein heruntergeflossen.
Auf der Seite der UNO habe ich dass gefunden: https://unric.org/de/un-untersuchungsko ... erbrechen/

Bedauerlicherweise bestätigt das nur, dass die UNO ein zahnloser Tiger ist.

Putin hat im Wissen dass er mit seinem einseitigen Angriffskrieg das Risiko eines möglichen Atomkrieges eröffnet.
Also war er und sein Militär bereit, dieses Risiko eingehen zu wollen.
Jetzt läufts nicht so nach seinen Wunschvorstellungen und seine Generäle Poltern schon mit Angriffe auf Städte wie Berlin, oder Nachbarländer wie Polen.
Die UNO sitzt auf der Zuschauerbank und ist Machtlos.
So hatte man sich das am Ende des zweiten Weltkrieges sich nicht vorgestellt.
Die Welt brennt, und ein DU DU DU der UNO findet kein fruchtbaren Boden.
Das Gegenteil passiert. Die Russischen Soldaten begehen nachweislich systematisch Kriegsverbrechen und Putin mit seinen Militär lässt die eigenen Menschen bzw Soldaten in das offene Messer rennen und lässt auch in seinem Land unendlich viel Armut und Leid zurück.
Polen rüstet in der Reaktion auf Rußlands Angriffskrieg nun extrem auf, genauso wie andere Europäische Länder.
Mehrere Raketenteile sind bereits auf NATO gebiet eingeschlagen, weil Rußland meint nahe der NATO Grenze mit Raketen schiessen zu müssen. Teilweise mit Provokationen wie die Hubschrauber die den Baltischen Luftraum verletzt hatten.
Dieser Hexentanz auf dem Vulkan kann für Russland zu keinem Erfolg führen, sondern nur in einem dramatischen Fiasko enden. Die UNO ist meiner Beobachtung nach obsolet. Nach dem Angriffskrieg Rußlands hat die vorher fast totgesagte NATO die zukunftsweisende Rolle eines Grenzgebendes Sicherheitsorgans angenommen.
Je expansiver die Länder wie China, Rußland, und Konsorten sein werden, desto größer wird sich zumindest bei den Nachbarländern der Wunsch entwickeln, deren Autonomie zu sichern, wenn diese unter dem NATO Schutzschirm treten.
Bei manchen Staaten gilt derjenige als viel gefährlicher, der auf den Schmutz hinweist, als der, der ihn gemacht hat. [Freiheit f. Assange]
Antworten Thema auf Facebook veröffentlichen Thema auf Facebook veröffentlichen