Unterhaltsanspruch an Exmann nach 18 Jahren Scheidung

Recht in der Ehe, eheliches Güterrecht, Adoptionsrecht, Kinderrechte, Sorgerecht, Unterhaltsrecht, Recht des Versorgungsausgleichs

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Heemann
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Unterhaltsanspruch an Exmann nach 18 Jahren Scheidung

Beitrag von Heemann »

Grüß Gott,

Rollen: F (Frau) und M (Mann) P (Partner)

F und M waren 16 Jahre lang ein Paar, einige davon verheiratet. Getrennt 2003, Scheidung 2005.
M hat während der Ehe eine "gute Freundin" ins gemeinsame haus geholt, da sie angeblich Abstand von Ihrem Freund benötigte.
M schlief mit ihr zusammen im Gästezimmer, da "sie moralische Unterstützung" braucht; nach Aussage von M.
Nun hat diese gute Freundin (mit Zustimmung von M) das Sagen im Haus übernommen, alles hat nach Ihrer Pfeife zu tanzen; F hat nichts mehr zu melden und bekommt von M auch entsprechende Aussagen dazu.
F wert sich nicht, da ein gemeinsames Kind da ist.
Irgendwann kann F nicht mehr und spricht sich bei Vertrauenspersonen aus. Diese raten ihr umgehend zur Trennung, auch schon wegen dem Kind.
M möchte beide Frauen behalten; die eine zu bedienen, die andere für "Spaß".
F zieht die Reißleine und sucht eine Wohnung für sich und das Kind. Zwischenzeitlich hat sich rausgestellt, dass die gute Freundin (natürlich) nur mit M gespielt hat und er ist uninteressant geworden.
Nun möchte M seine noch F zurück; diese will aber nicht mehr und hat eine Wohnung gefunden. Zuvor hat sie seit der Aussprache immer auf der Couch geschlafen.
Dann wird M schwer krank und muss öfter ins KH. In der Öffentlichkeit gibt er SICH als Opfer... der durch die Trennung schwer krank wurde.

F hat mittlerweile einen neuen P und kommt langsam wieder auf die Beine. Nah einigen Therapien stellt sich heraus, dass F in einer Toxischen Beziehung gelebt hat.

M ist nun in Frührente und bekommt Aufstockung. F ist aber seit einiger Zeit auch schwer krank und darf nur noch begrenzt Arbeit annehmen; derzeit Arbeitslos.
P verdient sehr gut und zahlt daher die Miete.

Wenn die beiden nun heiraten würden, hätte M Anspruch auf nachehelichen Unterhalt, laut Scheidung-org.

Gilt das auch in dem Fall, dass M seine F so behandelt hat?

Bin auf eure Meinungen gespannt!
Heemann
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Re: Unterhaltsanspruch an Exmann nach 18 Jahren Scheidung

Beitrag von Heemann »

noch erwähnenswert:
F und M hatten ein Eigenheim, dessen Finanzierung (erst 50%, die weiteren 50% wurden während der Ehe dazugekauft) über die Bank lief, allerdings nur M im Grundbuch eingetragen war.
Dies wurde vor langer Zeit verkauft (heimlich) und M hat den Erlös für sich behalten. (Es hieß, M steht im Grundbuch, alles gehört M und ginge F nichts an).
Wegen einer Dusseligkeit hat M nun das gesamte "Vermögen" verloren und hat nichts mehr.
Froggel
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Re: Unterhaltsanspruch an Exmann nach 18 Jahren Scheidung

Beitrag von Froggel »

Bestand denn bisher eine Unterhaltspflicht von F an M? Wenn nicht, woraus sollte sich plötzlich eine Unterhaltspflicht ergeben? Immerhin ist F selbst ebenfalls gesundheitlich eingeschränkt und arbeitslos. Herangezogen werden kann auch bei einer Heirat von F und P nur das Einkommen von F und nicht das des P (steht im Übrigen auch auf der von Ihnen genannten Seite).

Es gibt zudem bei bestehender Unterhaltspflicht einige Gründe, wann der Unterhaltsanspruch begrenzt oder sogar verweigert werden kann:
Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)
§ 1579 Beschränkung oder Versagung des Unterhalts wegen grober Unbilligkeit

Ein Unterhaltsanspruch ist zu versagen, herabzusetzen oder zeitlich zu begrenzen, soweit die Inanspruchnahme des Verpflichteten auch unter Wahrung der Belange eines dem Berechtigten zur Pflege oder Erziehung anvertrauten gemeinschaftlichen Kindes grob unbillig wäre, weil

1. die Ehe von kurzer Dauer war; dabei ist die Zeit zu berücksichtigen, in welcher der Berechtigte wegen der Pflege oder Erziehung eines gemeinschaftlichen Kindes nach § 1570 Unterhalt verlangen kann,
2. der Berechtigte in einer verfestigten Lebensgemeinschaft lebt,
3. der Berechtigte sich eines Verbrechens oder eines schweren vorsätzlichen Vergehens gegen den Verpflichteten oder einen nahen Angehörigen des Verpflichteten schuldig gemacht hat,
4. der Berechtigte seine Bedürftigkeit mutwillig herbeigeführt hat,
5. der Berechtigte sich über schwerwiegende Vermögensinteressen des Verpflichteten mutwillig hinweggesetzt hat,
6. der Berechtigte vor der Trennung längere Zeit hindurch seine Pflicht, zum Familienunterhalt beizutragen, gröblich verletzt hat,
7. dem Berechtigten ein offensichtlich schwerwiegendes, eindeutig bei ihm liegendes Fehlverhalten gegen den Verpflichteten zur Last fällt oder
8. ein anderer Grund vorliegt, der ebenso schwer wiegt wie die in den Nummern 1 bis 7 aufgeführten Gründe.
Während der Ehe fremdzugehen und diese Frau sogar in der ehelichen Wohnung wohnen zu lassen, und dabei seine Ehefrau zu erniedrigen, könnte womöglich darunter fallen. Ebenso könnte das Haus, sollte sich der Wert innerhalb der Ehe gesteigert haben und dieser Zugewinn unter dem Tisch fallengelassen worden sein, zu dem Teil mit den schwerwiegenden Vermögensinteressen hinzugezählt werden. Da so etwas aber nur individuell entschieden werden kann, sollte man sich vorsichtshalber von einem Anwalt beraten lassen. Das ist immer noch besser, als im Nachhinein das Nachsehen zu haben.
Ich bin kein Jurist.
- alle Angaben ohne Gewähr -
Evariste
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Re: Unterhaltsanspruch an Exmann nach 18 Jahren Scheidung

Beitrag von Evariste »

Heemann hat geschrieben: 10.02.24, 11:27 Wenn die beiden nun heiraten würden, hätte M Anspruch auf nachehelichen Unterhalt, laut Scheidung-org.
Das muss nicht zutreffen.

Googeln Sie einfach mal nach "Unterhaltskette". Wenn ein Ehepartner jahrelang keinen Unterhaltsanspruch hatte und dann irgendwann krank wird, kann er keinen Unterhalt wegen Krankheit (darum handelt es sich hier) verlangen.
Das Gesetz bestimmt auch den Zeitpunkt, zu dem die gesundheitliche Störung eingetreten sein muss. Vor diesem sogenannten Einsatzzeitpunkt muss eine lückenlose Unterhaltskette bestanden haben. Dieser Zeitpunkt kann sein
- die rechtskräftige Scheidung
- der Wegfall des Betreuungsunterhalts
- das Entfallen des Ausbildungsunterhalts
- der Wegfall des Arbeitslosenunterhalts bzw. des Aufstockungsunterhalts
(https://www.kanzlei-hasselbach.de/blog/ ... krankheit/)
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