Mahnbescheid gegen Verstorbenen nach Identitätsdiebstahl

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Mahnbescheid gegen Verstorbenen nach Identitätsdiebstahl

Beitrag von NULL »

Folgendes könnte sich zugetragen haben:
Ein Senior (>90 Jahre alt) verstirbt im November 2022 und hinterlässt als einzige Angehörige seine Witwe (>80 Jahre alt) und eine Stiefenkeltochter (die Stieftochter ist schon vorher verstorben).
Die Stiefenkeltochter (im folgenden nur Enkelin genannt) hat für beide Senioren eine Vorsorgevollmacht auch für Rechtsgeschäfte und über den Tod hinaus.

Ab Februar erreichen die Witwe mehrfach Zahlungsaufforderungen mit Inkassoandrohung von einem Inkassodienstleister für eine abgetretene Forderung eines Online-Modeversands (Betrag >700€). Die Bestellung soll im Dezember 2023 durch den Verstorbenen stattgefunden haben; die Schreiben sind auch an den Verstorbenen gerichtet.

Um die Witwe nicht weiter zu belasten (sie hat natürlich Angst, wenn solche "offiziellen" Briefe ankommen), hat die Enkelin bei der Post einen Nachsendeauftrag einrichten lassen (Grund: Todesfall) und beim Inkassounternehmen telefonisch mitgeteilt, dass der angebliche Schuldner verstorben ist und auch zum Zeitpunkt der angeblichen Bestellung bereits seit einem Jahr verstorben war.

Gestern wurde an die Anschrift der Enkelin per förmlicher Zustellung (gelber Brief) per Briefkasteneinwurf ein Mahnbescheid zugestellt. Dieser war auch an die Anschrift des Verstorben adressiert, ist aber aufgrund des Nachsendeauftrags bei ihr gelandet.

Die Enkelin hat nun einen Widerspruch zum Mahnbescheid abgeschickt und eine Kopie der Vorsorgevollmacht und der Sterbeurkunde mitgeschickt.

Da der Widerspruch maschinell verarbeitet wird, werden die beigefügten Dokumente vom zuständigen Gericht beachtet?
Durfte die Enkelin dem Mahnbescheid widersprechen (Stichwort gesetzlicher Vertreter)?
ktown
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Re: Mahnbescheid gegen Verstorbenen nach Identitätsdiebstahl

Beitrag von ktown »

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Evariste
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Re: Mahnbescheid gegen Verstorbenen nach Identitätsdiebstahl

Beitrag von Evariste »

... und hier die Antwort auf die (erste) Frage:
Eine darüber hinausgehende Widerspruchsbegründung an das Gericht ist nicht erforderlich. Eine solche würde das Gericht nicht lesen, da es ein automatisiertes Verfahren ist, und sich das Gericht zu diesem Zeitpunkt für Ihren Fall überhaupt nicht zuständig fühlen würde.
An die Gegenseite, also den Antragsteller des Mahnbescheids (Gläubigerseite) sollten Sie nach Erhalt eines gerichtlichen Mahnbescheids jedoch unbedingt ein Widerspruchsschreiben verfassen. Dieses ist von Ihnen selbst zu formulieren und sollte noch einmal klarstellen, warum Sie dem Mahnbescheid widersprochen haben, und dass Sie Ihren Widerspruch aufrecht erhalten.
Bezüglich der 2. Frage, wenn die Enkelin die entsprechende Vollmacht hat, darf sie sicher widersprechen. Im Grunde ist der Mahnbescheid aber sowieso gegenstandslos, da er sich gegen einen Verstorbenen richtet. Aber sicher ist sicher...
lottchen
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Re: Mahnbescheid gegen Verstorbenen nach Identitätsdiebstahl

Beitrag von lottchen »

Ich habe letztes Jahr mal einen Mahnbescheid beantragt, wogegen die gegnerische Partei auch Einspruch eingelegt hat. Die handschriftliche Begründung der gegnerischen Partei wurde mir vom Gericht mitgeschickt. Es waren allerdings nicht mehrere Seiten. Keine Ahnung ob ich die auch bekommen hätte.
FM
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Re: Mahnbescheid gegen Verstorbenen nach Identitätsdiebstahl

Beitrag von FM »

Da ist einiges seltsam. Die Enkelin, von der nicht erwähnt wurde dass sie Erbin wäre, führt Zivilverfahren für den Verstorbenen und lässt sich dessen Post zusenden, sogar amtliche Zustellungen. Die Witwe als die eigentliche Erbin reagiert gar nicht, erfährt es auch gar nicht, da die Post umgeleitet wurde.
NULL
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Re: Mahnbescheid gegen Verstorbenen nach Identitätsdiebstahl

Beitrag von NULL »

Vielen Dank für Eure Antworten.

Der Link ist sehr informativ und absolut hilfreich, wenn man selbst in einem Mahnverfahren landet.

Zum Thema Begründung des Widerspruchs/Sterbeurkunde: Es ist also nicht sicher, sondern eher unwahrscheinlich, dass das beim Gericht jemand liest und die Informationen ans Inkassounternehmen weiterleitet.
Daraus folgt die Frage: Ist die Enkelin (oder die Witwe oder irgendjemand anders) verpflichtet, dem Inkassunternehmen die Sterbeurkunde zu schicken? Ein Telefonanruf hat leider nicht genügt.

Zum Thema seltsam, dass sich die Enkelin kümmert:
Warum ist das seltsam? Die einzige Tochter der Senioren (Mutter der Enkelin) ist bereits verstorben, die Enkelin ist die letzte Verbliebene der Familie und kümmert sich um die Angelegenheiten der Senioren (der Witwe, Pflegestufe 3). Und ja, die Enkelin wird später auch die gesetzliche Erbin sein. Das sollte aber wegen der Vorsorgevollmachten keine Rolle spielen, oder?
ktown
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Re: Mahnbescheid gegen Verstorbenen nach Identitätsdiebstahl

Beitrag von ktown »

NULL hat geschrieben: 27.03.24, 12:51Ist die Enkelin (oder die Witwe oder irgendjemand anders) verpflichtet, dem Inkassunternehmen die Sterbeurkunde zu schicken? Ein Telefonanruf hat leider nicht genügt.
Wenn man nichts bestellt hat dann reicht es dem Mahnbescheid formlos zu widersprechen. Sollte das Inkassounternehmen vor Gericht ziehen, könnte man dann die Sterbeurkunde vorlegen.
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