Mit Fahrrad über grüne Fußgängerampel gefahren

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SKerner
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Mit Fahrrad über grüne Fußgängerampel gefahren

Beitrag von SKerner » 27.08.09, 18:10

Hallo zusammen

Meiner Frau ist heute folgendes passiert - sie ist mit dem Fahrrad von unserem Haus aus losgefahren und ist die 10 Meter bis zur nächsten Kreuzung über den Gehweg fahren und die Fußgängerampel fahrend überquert. Anschliessend hat sich sich in den Straßenverkehr einfädelt und wollte auf der Strasse weiterfahren.

Dazu kam es aber nicht, da Sie von 2 Polizisten angehalten wurde. Diese warfen ihr vor, sie wäre als Verkehrsteilnehmer über eine rote Ampel gefahren - 100 Euro Bussgeld und Punkte in Flenzburg...

Nun meine Frage an die Experten - ist dieses Bussgeld haltbar? Oder können wir dagegen Wiederspruch einlegen?
Nach den Infos, die ich bisher im Netz gefunden habe könnte man meiner Frau eigentlich nur das Fahren auf einem Gehweg vorwerfen, was mit 10 Euro und ohne Punkte deutlich angenehmer wäre.

Jens L
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Re: Mit Fahrrad über grüne Fußgängerampel gefahren

Beitrag von Jens L » 27.08.09, 18:34

SKerner hat geschrieben:100 Euro Bussgeld
Klingt nach einem qualifizierten Rotlichtverstoß, sprich es war bereits länger als 1 Sekunde Rot.
Welche Ampel war denn rot?

Danny001
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Beitrag von Danny001 » 28.08.09, 06:24

Wenn das Lichtzeichen für Fußgänger grün war, war somit das Lichtzeichen für die Fahrzeuge Rot. In der Regel gibt es für Fußgänger erst dann Grün, wenn die Rotphase für den Fahrzeugverkehr mindestens 1 Sekunde auf Rot steht. Das sind jedenfalls meine Beobachtungen. Habe noch keine Fußgängerampel gesehen, die Zeitgleich umschaltet.

Da der Gehweg Bestandteil der Straße ist und die Frau somit zuerst das Rotlicht passieren musste, um zur Fußgängerbereich der Ampel zu kommen, sehe ich hier einen Rotlichtverstoß.

Es trifft entweder der Tatbestand
"Sie missachteten als Radfahrer das Rotlicht der Lichtzeichenanlage. Die Rotphase dauerte bereits länger als 1 Sekunde an."

oder der Tatbestand
"Sie missachteten als Radfahrer das Rotlicht der Lichtzeichenanlage und gefährdeten +) dadurch Andere."

zu. Beide sind jeweils mit 100,- Euro Bußgeld versehen.

jelly
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Beitrag von jelly » 28.08.09, 06:45

Danny001 hat geschrieben: Da der Gehweg Bestandteil der Straße ist und die Frau somit zuerst das Rotlicht passieren musste, um zur Fußgängerbereich der Ampel zu kommen, sehe ich hier einen Rotlichtverstoß.
Was? Für einen Radfahrer auf dem Gehweg ist das Rotlicht der Ampel, die den auf der Straße fliessenden Verkehr aufhält, maßgeblich? Gilt das auch für die Radfahrer, die auf dem in den Gehweg integrierten Radstreifen unterwegs sind - wenn keine separate Fahrradampel vorhanden ist? Und man dürfte als Radfahrer niemals Fussgängerampeln benutzen, um auf die andere Straßenseite zu kommen .... wenn man sich die Praxis mal anschaut, ist es völlig unklar, warum nicht an jeder Kreuzung Ordnungshüter lauern - wäre eine sichere Einnahme von wenigstens 3000 EUR täglich.

Und was noch komplizierter wird: es gibt ja auch diese kombinierten Radfahrer/Fussgänger-Ampeln. Wo oben das Männchen und unten das Rad drauf ist. Zum Erreichen dieser Ampel müsste der Radfahrer dann ja also warten, bis der Autoverkehr grün hat, dann an die Ampel ran, warten, bis die grün ist, schnell rüber - und dort sicherheitshalber wieder warten, bis die Auto-Ampel grün ist ... :twisted:

Ich hätte ja ein Bußgeld für Fahren auf dem Gehweg verstanden .... wie hoch wäre das eigentlich?

SKerner
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Beitrag von SKerner » 28.08.09, 07:14

Jens L hat geschrieben:Klingt nach einem qualifizierten Rotlichtverstoß, sprich es war bereits länger als 1 Sekunde Rot.
Welche Ampel war denn rot?
.
Die Ampeln der Kreuzung waren für die Autofahr Rot und für die Fußgänger Grün.
Danny001 hat geschrieben: Da der Gehweg Bestandteil der Straße ist und die Frau somit zuerst das Rotlicht passieren musste, um zur Fußgängerbereich der Ampel zu kommen, sehe ich hier einen Rotlichtverstoß.
.
Um das nochmal klar auszudrücken - meine Frau ist vor Überquerung der Kreuzung nie auf der Strasse gewesen. Da vor unserem Haus Autos parken ist Sie vom Haus bis zur Ampel auf dem Gehweg gefahren. Daher ist mir nicht klar wie sie bei Rot über eine Autoampel fahren kann, wenn Sie nie auf der Strasse war.
Wenn das doch der Fall ist, kann mir jemand einen Passus der Verkehrsordnung nennen aus dem das hervorgeht?

flokon
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Beitrag von flokon » 28.08.09, 07:23

In diesem Fall war es aber ein GEHweg kein kombinierter RAD- und GEHweg.

Sie hätte also schon gar nicht auf dem Gehweg fahren dürfen, hätte sie sich rechtzeitig auf der Fahrbahn eingeordnet, wäre sie wohl vor der roten Ampel zum Stehen gekommen und das hätte ja 30sek. länger gedauert. :wink:

Da stellt sich einem schon die Frage was bringt Verkehrserziehung in Schulen, wenn nebem dem Polizisten, der richtiges Verhalten an Ampeln erklärt ein Radfahrer nachdem anderen über die grüne Fussgängerampel düst.

Questor

Beitrag von Questor » 28.08.09, 07:39

Es ist eigentlich ganz einfach. Gehen wir mal davon aus, dass der Radfahrer auf der richtigen Straßenseite (auf dem Radweg) fuhr. Sobald er an eine Ampel kommt, die für die Fußgänger grün ist, hat er anzuhalten und die Fußgänger passieren zu lassen. (Das tun die meisten Radfahrer nicht. Vielmehr fahren sie meist weiter und schnautzen sogar noch die Fußgänger an, weil die "ihnen im Weg" sind). Wenn er dort aber steht, kann er logischerweise nicht über die grüne Fußgängerampel. Erst wenn die rot ist und für die Autos wieder grün ist, darf er weiterfahren bis zur Fußgängerampel, dort halten und wiederum auf das Grün der Fußgänger warten. Wenn dann für die Fußgänger grün ist, darf er (weiter in Fahrtrichtung) dann auf die Fahrbahn fahren und sich auf der Fahrbahn für Autos weiterbewegen, solange er keinen Fußgänger gefährdet.

Radfahrer müssen eigentlich (wenn kein Radweg da ist) ihr Rad bis zur Straße schieben, warten, bis eine Lücke im Fahrbahnverkehr entsteht und sich dann auf der Fahrbahn weiterbewegen. Kommt dann eine Ampel die für Autofahrer auf rot springt, haben sie dort genauso wie die Autofahrer auch (und genauso als ob sie auf dem Radweg fahren würden) zu halten.

es ist eine absolute Unsitte, dass Radfahrer sich auf der Fahrbahn bewegend, dauernd bei rot rüberbrettern.
Und auf dem Gehweg hat ein Radfahrer eh nix verloren.

Und: Ich bin Nur-Radfahrer

Das Busgeld ist gerechtfertigt.

Danny001
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Beitrag von Danny001 » 28.08.09, 08:07

SKerner hat geschrieben:
Danny001 hat geschrieben: Da der Gehweg Bestandteil der Straße ist und die Frau somit zuerst das Rotlicht passieren musste, um zur Fußgängerbereich der Ampel zu kommen, sehe ich hier einen Rotlichtverstoß.
Um das nochmal klar auszudrücken - meine Frau ist vor Überquerung der Kreuzung nie auf der Strasse gewesen.
Der Gehweg ist genauso Bestandteil der Straße wie die Fahrbahn. Fuhr Ihre Frau also auf dem Gehweg, fuhr sie auf der Straße. Ich behauptete nicht, dass sie auf der Fahrbahn fuhr.

Eine Ampel gilt für den Verkehr, für den sie gedacht ist und diese Ampel gilt für den Fahrzeugverkehr der gesamten Straßenbreite in Fahrtrichtung zum Lichtzeichen (Außnahmen z. B. verschiedene Lichtzeichen für verschiedene Fahrstreifen z. B. Linksabbieger). Ein Fahrrad ist ein Fahrzeug und es befand sich auf der Straße, also im Geltungsbereich der LZA.
Ein Schieben zur Ampel und überqueren der Fußgängerampel, danach auf die Fahrbahn gewechselt und losgefahren, wäre kein Problem gewesen.

AlBundy
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Beitrag von AlBundy » 29.08.09, 08:48

Ich fahre selber ab und zu auf einer Strasse mit dem Fahrrad, daneben ist ein grosser Platz, ausser der Strassenbahn darf niemand auf dem grossen Platz fahren. Die Ampel auf der Strasse ist für Linksabbieger so gut wie immer rot. Ich fahre deshalb eigentlich nur ein paar Meter rüber auf den Platz und dann über die Schienen, sofern gerade keine Bahn kommt.

Das war mir aber schon immer klar, dass ich mich hier rechtlich im Grenzbereich bewege. Soviel sollte man eigentlich mitdenken können, obwohl die Polizei hier normalerweise nie einschreitet. Wenn sie es aber mal tut, kanns sehr unangenehm werden.

Kormoran
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Beitrag von Kormoran » 29.08.09, 20:14

In meinen Augen handelt es sich um einen Rotlichtverstoß. Die Frau ist bei (Auto)-Rot in den geschützten Bereich der Fußgängerampel eingefahren und hat ihn (offensichtlich in Fahrtrichtung) auch wieder verlassen und damit auch durchquert. Dabei hat sie in Richtung von (Fußgänger)-Grün auch die Straßenseite gewechselt.

Wenn dies kein Rotlichtverstoß wäre, könnte jeder Fahrzeugführer vor einer Fußgängerampel auf den Gehweg wechseln, an der roten Ampel vorbeifahren, anschließend wieder auf die Straße zurückkehren und wäre nur wegen Befahren des Gehweges dran (und außerdem ist sie ja eben nicht "nur" auf dem Gehweg vorbeigefahren, s.o.).

Angesichts der Tatsache, dass das Umgehen einer roten Ampel über die auf der Ecke liegende Tankstelle (deren Gelände prinzipiell ja immerhin durchaus befahren werden darf) sogar als Rotlichtverstoß gilt, erschiene mir etwas anderes auch völlig abwegig.

maconaut
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Beitrag von maconaut » 31.08.09, 08:13

Yep - sehe ich ebenso. Anhaltspunkte:

http://www.radarforum.de/forum/lofivers ... 24596.html

"Die Rspr. hat einen Rotlichtverstoß bejaht, wenn

die LZA durch Benutzung von Parkstreifen umgangen wurde (OLG Düsseldorf
NZV 1998, 41; BayObLG NZV 1994, 80; OLG Karlsruhe NZV 1989, 158),
die LZA durch Benutzung eines Gehwegs umgangen wurde (OLG Düsseldorf VRS
63, 75; OLG Hamm VRS 65, 158; OLG Karlsruhe NZV 1989, 158; a. A. OLG
Düsseldorf DAR 1994, 247; s. auch OLG Hamm NStZ-RR 2002, 250 = VRS 113,
135 = NZV 2002, 408 [jedenfalls dann, wenn der Betroffene unmittelbar
nach Umfahren der LZA auf die Fahrbahn zurückkehrt]).

die LZA durch Benutzung eines Radwegs umgangen wurde (OLG Düsseldorf VRS
68, 377),
die LZA durch Benutzung eines Tankstellengeländes umgangen wurde und bei
fortdauerndem Rotlicht wieder in den geschützten Bereich eingefahren
wird (BayObLG NZV 1994, 80;s. aber unten).

Die Rspr. hat einen Rotlichtverstoß verneint, wenn

die LZA durch Benutzung eines Tankstellengeländes umgangen und
anschließend in eine Querstraße abgebogen wurde (OLG Köln DAR 1985, 229;
OLG Karlsruhe NZV 1989, 158; s. aber oben),
die LZA dadurch umgangen wurde, dass der Betroffene über ein seitlich
gelegenes Grundstück fährt, um die kreuzende Straße zu erreichen (OLG
Düsseldorf NZV 1998, 41),
der Einmündungsbereich einer Straße über den Gehweg vor der Ampel und
eine daran anschließende Fläche umfahren sowie anschließend in die
einmündende Straße über deren Gehweg abgebogen wurde (OLG Düsseldorf DAR
1984, 156),
die LZA durch zulässiges Abbiegen vor der LZA, Wenden und Einbiegen in
die zuvor befahrene Straße umfahren wurde (OLG Düsseldorf NZV 1993, 243)."

Hans Ulg
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Beitrag von Hans Ulg » 31.08.09, 08:57

Nach der Logik müßte ebenfalls ein Rotlichtverstoß vorliegen, wenn ein Radfahrer an einer handelsüblichen Ampelkreuzung bis zur Fußgängerampel vorfährt.

Redfox

Beitrag von Redfox » 31.08.09, 10:43

Hans Ulg hat geschrieben:Nach der Logik müßte ebenfalls ein Rotlichtverstoß vorliegen, wenn ein Radfahrer an einer handelsüblichen Ampelkreuzung bis zur Fußgängerampel vorfährt.
Das verstehe ich nicht.

Was ist eine "handelsübliche Ampelkreuzung"?.

Wenn kein Radweg vorhanden ist, hat der Fahrradfahrer auf dem Fahrstreifen zu fahren. Dann gilt das "normale" Lichtzeichen für diesen Fahrstreifen, i.a.R. die Autoampel.

Oder es ist eine Radwegfurt vorhanden, die an eine Fußgängerfurt grenzt. Dann gilt das Lichtzeichen für Fußgänger (§ 37 Abs. 2 Nr. 6 StVO ).

Oder es ist ein gesondertes Lichtzeichen für Radfahrer vorhanden.

Hans Ulg
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Beitrag von Hans Ulg » 31.08.09, 11:09

Redfox hat geschrieben:
Hans Ulg hat geschrieben:Nach der Logik müßte ebenfalls ein Rotlichtverstoß Oder es ist eine Radwegfurt vorhanden, die an eine Fußgängerfurt grenzt. Dann gilt das Lichtzeichen für Fußgänger (§ 37 Abs. 2 Nr. 6 StVO ).

Genau diesen üblichen Fall meine ich. Dabei wird die PKW-Ampel und die Fußgängerquerung überfahren und dann vor der Querstraße gehalten. Wenn aber, wie hier behauptet, die Fahrbahnampeln (auch) beachtet werden müßten, dann läge ein Rotlichtverstoß vor.

Redfox

Beitrag von Redfox » 31.08.09, 13:02

Hans Ulg hat geschrieben:Dabei wird die PKW-Ampel und die Fußgängerquerung überfahren und dann vor der Querstraße gehalten.
M.E. ist dann die Fußgängerampel maßgeblich.
Hans Ulg hat geschrieben:Wenn aber, wie hier behauptet, die Fahrbahnampeln (auch) beachtet werden müßten, dann läge ein Rotlichtverstoß vor.
Diese Behauptung ist m.E. - - jedenfalls wenn ich die zitierten Urteile lese - so falsch.

Es liegt kein Rotlichtverstoß vor, weil die Fahrbahnampel missachtet wurde, denn die Fahrbahnampel spielt für den Fußweg keine Rolle.

Ein Rotlichtverstoß liegt vielmehr vor, weil das Rotlicht umgangen wurde, wenn der Radfahrer verbotswidrig auf dem Bürgersteig fährt, und dadurch das Rotlicht nicht beachtet bzw. beachten braucht.

Auf der Radwegfurt fährt er aber erlaubterweise und umgeht daher auch kein Rotlicht für die Fahrbahn, wnn dies nicht gleichzeitig für die Radwegfurt gilt.

Und das muss ausreichend erkennbar sein. Siehe z.B. --> www.owig.org/mai_04.htm#24

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