150 € Strafe wegen 1,5 g Marihuana

Straftaten und Ordnungswidrigkeiten, Straf- und Ordnungswidrigkeitenverfahren

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felixcat
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150 € Strafe wegen 1,5 g Marihuana

Beitrag von felixcat »

Hallo.

Bei einer allgemeinen Verkehrskontrolle wurde bei mir 1,5 g Marihuana gefunden. Eher gesagt habe ich mich einschüchtern lassen und es freiwillig herausgegeben. Nun habe ich einen Strafbefehl bekommen und soll 150 € Strafe plus Extrakosten zaheln. Also insegsamt 310,24€. Nun habe ich die Möglichkeit Einspruch einzulegen. Ich denke darüber nach, da ich bezweifle, dass es überhaupt 1,5 g waren. Das hat der Beamte mit der Hand abgeschätzt.

Deswegen habe ich folgende Fragen:
1. Wenn ich jetzt Einspruch erhebe und z.B. fordere, dass die Menge nochmal genau bestimmt wird, treibe ich dadurch die Bearbeitungskosten in die Höhe?
2. Macht es überhaupt Sinn, da es sich ja so oder so um eine geringe Menge handelt und der Staatsanwalt die Sache nicht fallen gelassen hat? Ich kann mir kaum vorstellen, dass ich weniger zahlen muss, wenn es sich nur um 1g statt 1,5g handelt.

Beitragsschreiber

Beitrag von Beitragsschreiber »

Ob 1g oder 1,5g - das wird sich auf das Strafmaß nicht sonderlich auswirken.
Ich gehe mal davon aus, dass es um eine Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu je 10 € geht. Das ist ja schon ziemlich an der unteren Grenze.
Die Tagessatzhöhe hängt vom Einkommen ab. Unter 10 € gehen viele Richter auch bei einem Hartz4-Empfänger nicht. Sollte also ein höheres Einkommen vorhanden sein, bestände bei einem Einspruch schon deshalb die erhebliche Gefahr, dass die Strafe sich erhöht.

felixcat
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Beitrag von felixcat »

Danke für die Antwort.

Ja, es handelt sich um eine Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu je 10 €. Ich bin Student und habe kein eigenes Einkommen.

Gehe ich richtig davon aus, dass die Anzeige nicht mehr fallen gelassen werden kann? Damit hatte ich ehrlich gesagt gerechnet, als ich erwischt wurde, da es sich um eine geringe Menge handelt.

Gammaflyer
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Beitrag von Gammaflyer »

Die Möglichkeit besteht schon, nur sieht der Staatsanwalt offensichtlich keinen Grund.

young miss
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Beitrag von young miss »

Hallo,


vielleicht einfach mal nachfragen bezüglich der Möglichkeit zur Ratenzahlung.



Liebe Grüße,

young miss

windalf
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Beitrag von windalf »

Die Strafe lässt sich doch problemlos von dem zukünftig eingesparten Marihuanakonsum finanzieren... :wink:
...fleißig wie zwei Weißbrote
0x2B | ~0x2B
Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

Eierhahn

Beitrag von Eierhahn »

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird die Menge in der Anzeige nicht auf Grund von der Schätzung aus der Hand des Polizisten festgelegt worden sein.
Man mag es kaum glauben, aber auch auf Polizeiwachen gibt es Feinwagen... :wink:

hws
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Beitrag von hws »

Eierhahn hat geschrieben:Man mag es kaum glauben, aber auch auf Polizeiwachen gibt es Feinwagen...
..die bei einem Dealer als Tatwerkzeug konfisziert worden sind :?:

hws

Pünktchen
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Beitrag von Pünktchen »

windalf hat geschrieben:Man mag es kaum glauben, aber auch auf Polizeiwachen gibt es Feinwagen...
Wobei hier die Menge am Wirkstoff THC entscheidend ist. Bei 1,5 g handelt es sich in jedem Fall um eine geringe Menge, so dass ein Absehen einer Strafe möglich gewesen wäre. S. §29 Abs. 5 BtMG

Eierhahn

Beitrag von Eierhahn »

hws hat geschrieben:..die bei einem Dealer als Tatwerkzeug konfisziert worden sind :?:
Wohl eher: die durch die Polizeibehörde gekauft wurde...
Pünktchen hat geschrieben:Wobei hier die Menge am Wirkstoff THC entscheidend ist. Bei 1,5 g handelt es sich in jedem Fall um eine geringe Menge, so dass ein Absehen einer Strafe möglich gewesen wäre. S. §29 Abs. 5 BtMG
Die Menge des Wirkstoffes lässt sich allerdings nur bedingt gut von Polizisten feststellen...

J.A.
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Beitrag von J.A. »

Pünktchen hat geschrieben: Wobei hier die Menge am Wirkstoff THC entscheidend ist. Bei 1,5 g handelt es sich in jedem Fall um eine geringe Menge, so dass ein Absehen einer Strafe möglich gewesen wäre. S. §29 Abs. 5 BtMG
Die Wirkstoffmenge ist nur dann entscheidend, wenn es um die Abgrenzung von der "Normalmenge" zur "nicht geringen Menge" [§ 29a BtmG] geht. Dabei ist die "nicht geringe Menge" bei einem Wirkstoffgehalt von 7,5g THC erreicht. Bei allem darunter ist die Bruttomenge (also nicht der Wirkstoff entscheidend). In den meisten Bundesländern kann bis 6g Brutto eingestellt werden [§ 31a BtmG], oder von Strrafe abgesehen werden [§ 29, Abs. 5] .Wenn es sich dabei um die Wirkstoffmenge (also netto) handeln würde. könnten ja z..B. 59g mit 10% Wirkstoffgehalt noch eingestellt werden, da die dann "nur" 5,9g Wirkstoff enthalten.

Die Staffelung ist so (wobei ich jetzt von einem "6g-Bundesland" ausgehe):

Bis 6g Brutto (="geringe Menge") --> Einstellung möglich nach § 31a, oder Absehen von Strafe nach § 29(5) BtmG

Über 6g Brutto, aber weniger als 7,5g Netto (=sog. "Normalmenge") --> § 29 BtmG (keine Einstellung nach den o.g. Vorschriften möglich)

ab 7,5g Netto ("nicht geringe Menge")--> Verbrechenstatbestand nach § 29a BtmG = 1 Jahr Mindeststrafe
Pünktchen hat geschrieben:Bei 1,5 g handelt es sich in jedem Fall um eine geringe Menge
Das wiederum ist natürlich -so oder so- richtig, da 1,5g Brutto nicht 7,5g Wirkstoff enthalten können.
Aus "Stilblüten der Justiz":
"Die Reifeverzögerung des heranwachsenden Angeklagten ist dermaßen ausgeprägt, dass er in seiner Entwicklung einem Jugendrichter gleichzustellen ist"

Mike Gimmerthal
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Beitrag von Mike Gimmerthal »

J.A. hat geschrieben:
Pünktchen hat geschrieben: Wobei hier die Menge am Wirkstoff THC entscheidend ist. Bei 1,5 g handelt es sich in jedem Fall um eine geringe Menge, so dass ein Absehen einer Strafe möglich gewesen wäre. S. §29 Abs. 5 BtMG
Die Wirkstoffmenge ist nur dann entscheidend, wenn es um die Abgrenzung von der "Normalmenge" zur "nicht geringen Menge" [§ 29a BtmG] geht. Dabei ist die "nicht geringe Menge" bei einem Wirkstoffgehalt von 7,5g THC erreicht. Bei allem darunter ist die Bruttomenge (also nicht der Wirkstoff entscheidend). In den meisten Bundesländern kann bis 6g Brutto eingestellt werden [§ 31a BtmG], oder von Strrafe abgesehen werden [§ 29, Abs. 5] .Wenn es sich dabei um die Wirkstoffmenge (also netto) handeln würde. könnten ja z..B. 59g mit 10% Wirkstoffgehalt noch eingestellt werden, da die dann "nur" 5,9g Wirkstoff enthalten.

Die Staffelung ist so (wobei ich jetzt von einem "6g-Bundesland" ausgehe):

Bis 6g Brutto (="geringe Menge") --> Einstellung möglich nach § 31a, oder Absehen von Strafe nach § 29(5) BtmG

Über 6g Brutto, aber weniger als 7,5g Netto (=sog. "Normalmenge") --> § 29 BtmG (keine Einstellung nach den o.g. Vorschriften möglich)

ab 7,5g Netto ("nicht geringe Menge")--> Verbrechenstatbestand nach § 29a BtmG = 1 Jahr Mindeststrafe
Und dann noch von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich ... mal rein ab vom Juristischen ... wie krank und absurd ist das denn?
Freigabe, Abgabe gegen Altersnachweis in besonderen Geschäften (meinetwegen Apotheken) und gut ist ...

Ehrlich ... ist ja nicht zum Aushalten :evil:
Ich verabscheue Ihre Meinung, doch ich werde mein Leben lang dafür kämpfen, daß sie sie äußern dürfen!(E.B. Hall)
Etwas ist nicht recht, weil es Gesetz ist, sondern es muss Gesetz sein, weil es recht ist. (C.-L. de Montesquieu)

FM
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Beitrag von FM »

felixcat hat geschrieben: Ja, es handelt sich um eine Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu je 10 €. Ich bin Student und habe kein eigenes Einkommen.
Ein Student hat einen BAföG-Anspruch oder eben Unterhaltsanspruch gegen seine Eltern von grob gesagt 600 Euro im Monat. Wenn er das nicht bekommt oder weniger wird wohlk anderes Einkommen da sein, das angerechnet wird, wobei auch Naturalunterhalt zu beachten wäre.

Auch im vorliegendem Fall kann es kaum so sein daß "gar nichts" vorhanden ist, wenn man sich ein Auto und Marihuana leisten kann.

Da erscheint ein Tagessatz von 10 Euro sehr gering, 20 wäre eher naheliegend.

Mike Gimmerthal
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Beitrag von Mike Gimmerthal »

FM hat geschrieben:Auch im vorliegendem Fall kann es kaum so sein daß "gar nichts" vorhanden ist, wenn man sich ein Auto und Marihuana leisten kann.
Hättest du genau so argumentiert ginge es um Auto und 2 Flaschen Bier am Tag?
Ich verabscheue Ihre Meinung, doch ich werde mein Leben lang dafür kämpfen, daß sie sie äußern dürfen!(E.B. Hall)
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Wächter
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Beitrag von Wächter »

felixcat hat geschrieben:(..)

Gehe ich richtig davon aus, dass die Anzeige nicht mehr fallen gelassen werden kann? Damit hatte ich ehrlich gesagt gerechnet, als ich erwischt wurde, da es sich um eine geringe Menge handelt.
Dieses "Gerücht" (dass eine geringe Menge erlaubt sei) hält sich weiterhin.... Dem ist aber nicht so, auch geringste Menge können zu einer Verurteilung, mit teilweise hohen Strafen, führen.




@Mike Gimmerthal

Ihre Meinung ist nicht auszuhalten. Drogen (hier Cannabis) kann zu verehrenden Folgen führen. Ein Freigabe ist das falscheste, was überhaupt geschehen kann und wird sich (Kurve zum Forum des Rechtes) aufgrund der EU Politik und des Eu Rechtes nicht durchsetzen.

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