Wollen Sie dass ..... ?

Straftaten und Ordnungswidrigkeiten, Straf- und Ordnungswidrigkeitenverfahren

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Altbauer
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Wollen Sie dass ..... ?

Beitrag von Altbauer » 21.11.18, 21:59

Frau A wurde Opfer eines Handtaschenraubes.
Der Täter wurde noch am Tatort gefasst. Es kommt zu einer Gerichtsverhandlung, bei der Frau A als
Zeugin geladen wird.

Der Verteidiger des Täters fragt die Zeugin Frau A:

"Wollen Sie, dass dieser junge Mensch ins Gefängnis kommt und so sein Leben verpfuscht wird?"

Frau A wundert sich.
Als Zeugin wird sie nach dem Hergang der Tat befragt. Das ist klar.
Aber man kann eine Zeugin doch nicht fragen, was für ein Urteil sie gerne hätte.

Frage:
Kann Frau A sich weigern, auf diese Frage zu antworten?

ktown
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Re: Wollen Sie dass ..... ?

Beitrag von ktown » 22.11.18, 07:59

Altbauer hat geschrieben:Aber man kann eine Zeugin doch nicht fragen, was für ein Urteil sie gerne hätte.
Wurde doch überhaupt nicht gefordert.

Wo ist das Problem?
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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Townspector
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Re: Wollen Sie dass ..... ?

Beitrag von Townspector » 22.11.18, 08:43

Langsam und bedächtig antworten:

"Ich möchte, dass dieser junge Mensch - wie überhaupt alle Menschen - spürt, dass die Taten zu denen er sich entschlossen hat, Konsequenzen haben.
Wenn es sich um bekanntermaßen verbotene Taten handelt, dann müssen dies auch negative Konsequenzen sein, damit er die Chance hat, für seine Zukunft zu lernen.
Für das etwaige Strafmaß wenden Sie sich übrigens gerne an die Person am Richtertisch."
Gedenksignatur - Gewidmet dem unbekannten Anwalt
In dankbarer Erinnerung an all jene namenlosen, stets laut angekündigten Rechtsvertreter,
die jedoch heldenhaft nie in meinem Dienstzimmer erschienen sind oder tapfer nichts von sich hören ließen.

Charon-
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Re: Wollen Sie dass ..... ?

Beitrag von Charon- » 22.11.18, 08:54

Altbauer hat geschrieben:Kann Frau A sich weigern, auf diese Frage zu antworten?
Ich sehe da eigentlich kein Problem, der Zeuge ist zur Aussage in der Sache verpflichtet (§ 69 StPO), nicht zu allen Themen, die einem Befrager so einfallen. (Es würde ja auch keinem einfallen, dass die Zeugin verpflichtet wäre, dem Verteidiger Fragen zu ihrer aktuellen Unterwäsche zu beantworten, wenn das nicht Thema der Verhandlung ist).
Altbauer hat geschrieben:Wollen Sie, dass dieser junge Mensch ins Gefängnis kommt und so sein Leben verpfuscht wird?"
Eine mögliche Antwort auf diese Frage wäre: "Das Urteil fällt der Richter". Und nur der Vollständigkeit halber: Ein Jugendlicher, der nach deutschem Strafrecht vor der Möglichkeit steht, ins Gefängnis zu kommen, hat mit gewisser Wahrscheinlichkeit sein Leben schon verpfuscht, oder muss zumindest hart daran arbeiten, es wieder auf die Spur zu kriegen...
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Celestro
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Re: Wollen Sie dass ..... ?

Beitrag von Celestro » 22.11.18, 09:43

Ich würde hier eher erwarten, daß die Staatsanwaltschaft oder der Richter eingreift.

FM
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Re: Wollen Sie dass ..... ?

Beitrag von FM » 22.11.18, 09:49

Wenn ein Zeuge Zweifel hat ob er eine Frage beantworten muss, kann der den oder die Vorsitzende/n fragen.

Deputy
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Re: Wollen Sie dass ..... ?

Beitrag von Deputy » 22.11.18, 12:06

Celestro hat geschrieben:Ich würde hier eher erwarten, daß die Staatsanwaltschaft oder der Richter eingreift.
Grundsätzlich wird Verteidigern recht viel Spielraum gelassen - damit nicht nachher die Begründung für die Revision lautet "Hätte ich die Zeugen so befragen können, wie ich es wollte und für richtig empfand, dann hätte sich der Sachverhalt ganz anders dargestellt."

Tastenspitz
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Re: Wollen Sie dass ..... ?

Beitrag von Tastenspitz » 22.11.18, 12:53

Altbauer hat geschrieben:"Wollen Sie, dass dieser junge Mensch ins Gefängnis kommt und so sein Leben verpfuscht wird?"
Ist eine geschlossene Frage. Hätte ich vermutlich mit "Ja" beantwortet.
btw: Ein Jugendlicher kommt nicht wegen einem Handtaschenraub in den Knast. Wenn die Gefahr besteht, hat er schon mehrfach mit einem Richter als Angeklagter Bekanntschaft gemacht.
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
Für individuelle Rechtsberatung bitte "ALT" und "F4" auf der Tastatur gleichzeitig drücken.

Deputy
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Re: Wollen Sie dass ..... ?

Beitrag von Deputy » 22.11.18, 13:07

Die Antwort kann einem als Zeuge negativ ausgelegt werden. Verteidiger: "Der Aussage des Zeugen X darf kein großer Wert beigemessen werden Er wollte hier nicht objektiv aussagen, er wollte dass mein Mandant ins Gefängnis geht, obwohl ihm diese Entscheidung nicht zusteht. Wer weiß, was er an entlastendem weiß und verschweigt".

Tastenspitz
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Re: Wollen Sie dass ..... ?

Beitrag von Tastenspitz » 22.11.18, 13:33

Deputy hat geschrieben:Wer weiß, was er an entlastendem weiß und verschweigt".
Er kann den Zeugen das genau doch fragen. Er kennt den Ablauf doch durch seinen Mandanten bestens.
Statt dessen unterstellt er dem Zeugen irgend einen unsubstituierten Käse und greift in die Beweiswürdigung des Gerichts ein. Entweder nicht sehr realistisch oder der Anwalt ist doof wie Brot.
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Re: Wollen Sie dass ..... ?

Beitrag von ktown » 22.11.18, 14:30

Tastenspitz hat geschrieben:
Deputy hat geschrieben:Wer weiß, was er an entlastendem weiß und verschweigt".
Er kann den Zeugen das genau doch fragen. Er kennt den Ablauf doch durch seinen Mandanten bestens.
Statt dessen unterstellt er dem Zeugen irgend einen unsubstituierten Käse und greift in die Beweiswürdigung des Gerichts ein. Entweder nicht sehr realistisch oder der Anwalt ist doof wie Brot.
Vielleicht heißt er Bernd! :lachen:
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Re: Wollen Sie dass ..... ?

Beitrag von Deputy » 22.11.18, 17:33

@Tastenspitz
Es gibt Anwälte die in so einer Situation genau so argumentieren; entsprechende Fragen würden ihrer Ansicht nichts bringen, da der Zeuge wegen seinem Belastungseifer mit entlastendem sowieso nicht rausrückt. Kommt dann auf den Richter an ...

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Re: Wollen Sie dass ..... ?

Beitrag von Tastenspitz » 23.11.18, 08:29

Einen Zeugen und (wie hier) gleichzeitig Geschädigten derart zu beschuldigen sehe ich als wenig zielführend an. Das mag das letzte Strohhalm sein, mehr aber nicht.
Das so Antworten wie
Townspector hat geschrieben:"Ich möchte, dass dieser junge Mensch - wie überhaupt alle Menschen - spürt, dass die Taten zu denen er sich entschlossen hat, Konsequenzen haben. Wenn es sich um bekanntermaßen verbotene Taten handelt, dann müssen dies auch negative Konsequenzen sein, damit er die Chance hat, für seine Zukunft zu lernen. Für das etwaige Strafmaß wenden Sie sich übrigens gerne an die Person am Richtertisch."
in der Situation gegeben werden, glaube ich aber persönlich nicht. Und wenn, dann klingt das eher nach einstudiert und von daher unglaubwürdiger als ein spontan gegebenes "ja".
Aber - letztlich - wir wissen es nicht. :)
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Re: Wollen Sie dass ..... ?

Beitrag von Charon- » 23.11.18, 09:26

Tastenspitz hat geschrieben:Einen Zeugen und (wie hier) gleichzeitig Geschädigten derart zu beschuldigen sehe ich als wenig zielführend an
Warum? Um mal ein überspitzteres Beispiel zu bringen: Wenn es nur die Aussage der Geschädigten zur Belastung des Angeklagten gibt, und der Anwalt einen Beweis z.B. eine Tonaufnahme in der Hand hat, auf der die Geschädigte dem Täter im Vorwege droht, dass sie ihn ins Gefängnis bringen würde, dann würde er das doch auch direkt anbringen, und nicht erst als letzten Strohhalm.

Das ist doch ganz normaler Alltag, wenn es nur Zeugenbeweise gibt, dann muss man halt die Glaubwürdigkeit der Zeugen prüfen, bzw. im Strafverfahren erschüttern. Ob man das nun über Gegenfakten macht ("Mein Mandant war zum Zeitpunkt gar nicht in der Stadt, siehe dieses Urlaubsfoto"), oder über die Glaubwürdigkeit der Zeugen ("Die Zeugin will meinem Mandanten Übles") ist doch nur eine Frage der Möglichkeiten.
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Re: Wollen Sie dass ..... ?

Beitrag von Tastenspitz » 23.11.18, 10:23

Charon- hat geschrieben:Wenn es nur die Aussage der Geschädigten zur Belastung des Angeklagten gibt,
...was hier nicht so ist:
Altbauer hat geschrieben:Der Täter wurde noch am Tatort gefasst.
Smoking gun...in flagranti...auf frischer Tat...die Hand im Honigtopf... kennt noch jemand was? :)
Wir können jetzt den SV natürlich solange modifizieren, bis es passt.
Charon- hat geschrieben:Um mal ein überspitzteres Beispiel zu bringen
Wie gesagt....
Charon- hat geschrieben:wenn es nur Zeugenbeweise gibt, dann muss man halt die Glaubwürdigkeit der Zeugen prüfen, bzw. im Strafverfahren erschüttern.
Sicher. Aber wie? So wie von Deputy beschrieben wird das nix. Da müsste dann der Richter doof wie Brot sein wenn er sich von so einem Vortrag beeindrucken lässt.
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