Energieversorger will Verbrauch in Rechnung stellen

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Marifee
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Energieversorger will Verbrauch in Rechnung stellen

Beitrag von Marifee » 02.12.18, 21:24

Hallo!

(Ich hoffe, ich bin in diesem Forum richtig, ich habe es nach "bestem Wissen und Gewissen" ausgesucht. Wenn nicht, liebe Moderatoren, bitte ins richtige Forum verschieben. Danke!)

Folgender hypothetischer Fall:

Mieter M hat aufgrund von erheblichen Zahlungsrückständen vor einigen Monaten eine fristlose Kündigung bekommen, ist aber nicht ausgezogen. (Räumungsklage ist in Vorbereitung.) Inzwischen wohnt M dann doch nicht mehr in der Wohnung, hat aber weder die Wohnung vollständig geräumt noch übergeben.

Nun bekommt der Vermieter V ein Schreiben vom Energieversorger, daß M den Strom bereits vor zwei Monaten abgemeldet hat und der Strom noch nicht wieder auf einen anderen Nutzer angemeldet wurde. Seit dem angefallene Verbräuche sollen nun dem Vermieter V in Rechnung gestellt werden.

Wie ist hier die Rechtslage?
Als Laie würde ich vermuten, daß eine Rechnungsstellung an den Vermieter rechtlich nicht möglich ist, weil es keine vertragliche Grundlage dafür gibt. Für diesen Stromzähler hat es ja nie eine Vertrag zwischen Vermieter und Stromversorger gegeben.
Oder gibt es andere rechtliche Aspekte, die berücksichtigt werden müssen?

Vielen Dank vorab!

SusanneBerlin
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Re: Energieversorger will Verbrauch in Rechnung stellen

Beitrag von SusanneBerlin » 02.12.18, 21:38

Nun bekommt der Vermieter V ein Schreiben vom Energieversorger, daß M den Strom bereits vor zwei Monaten abgemeldet hat und der Strom noch nicht wieder auf einen anderen Nutzer angemeldet wurde. Seit dem angefallene Verbräuche sollen nun dem Vermieter V in Rechnung gestellt werden.
Dann teilt man dem Energieversorger eben mit, dass der Mieter nicht ausgezogen ist und den Strom immer noch verbraucht.
Als Laie würde ich vermuten, daß eine Rechnungsstellung an den Vermieter rechtlich nicht möglich ist, weil es keine vertragliche Grundlage dafür gibt.
Für den Fall, dass die Wohnung leersteht und trotzdem Strom verbraucht wird (etwa durch eine Warmwassertherme, nicht ausgeschaltete Boiler, Lichteinschalten, Betrieb von Elektrogeräten beim Renovieren durch den Vermieter) liegen Sie falsch. Der Vertrag kommt durch Entnahme des Stroms zustande.
Grüße, Susanne

Zafilutsche
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Re: Energieversorger will Verbrauch in Rechnung stellen

Beitrag von Zafilutsche » 03.12.18, 09:42

Marifee hat geschrieben: Inzwischen wohnt M dann doch nicht mehr in der Wohnung, hat aber weder die Wohnung vollständig geräumt noch übergeben.
Das scheint der Knackpunkt zu sein.
Ein Mieter kann und darf sogar mit Abwesenheit glänzen- nur gehört die regelmäßige Mietzahlung genauso dazu.
Solange die Räumungsklage nicht beschieden und durchgesetzt wird, kann der Vermieter die Wohnung gar nicht neu vermieten.
Dass der Mieter seinen Stromanbieter gekündigt hat, heisst ja nicht automatisch dass dieser in der Lage ist über die Zeit hinaus weiter Strom zu verbrauchen. Schluss mit der Entnahme Möglichkeit wäre erst nach Wohnung und Schlüsselübergabe.
Dazu sollte auch die Wohnung geräumt sein (Notfalls mittels GV).

Etienne777
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Re: Energieversorger will Verbrauch in Rechnung stellen

Beitrag von Etienne777 » 03.12.18, 11:23

Der Besitz der Mietsache ist bisher nicht an den Vermieter zurückgefallen, eine Eintrittspflicht für dem Energieversorger zustehende Zahlungen kann daher für den VM nicht aus Besitz entstehen.

Der VM war offensichtlich auch zu keiner Zeit - den Stromverbrauch der Mietsache betreffend - Vertragspartner des Energieversorgers, vielmehr erfolgte der Vertragsschluß ausdrücklich zwischen dem Mieter und dem Versorger. Eine Gesamtsukzession steht hier nicht zur Debatte. Ich erkenne keine Rechtsgründe, wegen derer der VM an die Stelle des säumigen Mieters treten und für die Stromkosten aufkommen soll, die im Verantwortungsbereich des Mieters liegen. Ein Mieter kann nicht seine Zahlungspflichten auf Dritte abwälzen, indem er formal den Versorgungsvertrag mit dem Stromversorger kündigt. Es ist letztlich allein das Problem des Versorgers, wenn er es versäumt hat den gekündigten Anschluß zu sperren und so die weitere Stromentnahme nicht verhindert hat.
Aus technischen Gründen befindet sich die Signatur
auf der Rückseite dieses Beitrags.

Zafilutsche
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Re: Energieversorger will Verbrauch in Rechnung stellen

Beitrag von Zafilutsche » 03.12.18, 11:43

Ich sehe das auch so wie Etienne777 es anführt.
Der Versorger hat lediglich vom ehemaligen Mieter offiziell die Abmeldung bekommen und festgestellt dass nach der Abmeldung
über den Zähler weiterhin Strom abgenommen worden ist. Daher ist dem Versorger unklar,
wer den überzähligen Strom entnommen hat. Mit der Angabe, dass die Wohnung noch im Besitz
des ehemaligen Kunden ist, sollte dem Anbieter klar sein, wer für die weitere Stromentnahme verantwortlich ist.
Unbenommen kann der Anbieter selbstverständlich nach erhalt der Kündigung des Vertrag Nehmers
ab dem bestätigten Kündigungstermin den Stromstecker für den betroffenen Zähler ziehen.

Marifee
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Re: Energieversorger will Verbrauch in Rechnung stellen

Beitrag von Marifee » 03.12.18, 20:49

SusanneBerlin hat geschrieben:Dann teilt man dem Energieversorger eben mit, dass der Mieter nicht ausgezogen ist und den Strom immer noch verbraucht.
Richtig! Aber bevor der Vermieter sich mit dem Stromversorger in Verbindung setzt, möchte er die Rechtslage einschätzen können, um in dem Gespräch/Schreiben sinnvoll auftreten zu können.

Für den Fall, dass die Wohnung leersteht und trotzdem Strom verbraucht wird (etwa durch eine Warmwassertherme, nicht ausgeschaltete Boiler, Lichteinschalten, Betrieb von Elektrogeräten beim Renovieren durch den Vermieter) liegen Sie falsch. Der Vertrag kommt durch Entnahme des Stroms zustande.
Es mag ja sein, daß durch die Stromentnahme ein (neuer) Vertrag zustande kommt. Da die Wohnung aber nicht geräumt und übergeben wurde, ist es der ehemalige Mieter, der den Strom entnimmt.



@ Zafilutsche une Etienne77
Danke! Das bestätigt mein Bauchgefühl.

Etienne777
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Re: Energieversorger will Verbrauch in Rechnung stellen

Beitrag von Etienne777 » 04.12.18, 00:26

Da die Wohnung aber nicht geräumt und übergeben wurde, ist es der ehemalige Mieter, der den Strom entnimmt.
Richtig, zumindest ist es ihm zuzurechnen, auch wenn er das nicht (mehr) aktiv machen sollte.
Aus technischen Gründen befindet sich die Signatur
auf der Rückseite dieses Beitrags.

hambre
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Re: Energieversorger will Verbrauch in Rechnung stellen

Beitrag von hambre » 04.12.18, 09:41

und festgestellt dass nach der Abmeldung über den Zähler weiterhin Strom abgenommen worden ist.
Ich glaube nicht, dass der Versorger das tatsächlich festgestellt hat. Wie soll er das auch gemacht haben?

Vielmehr geht der Versorger aus Erfahrung davon aus, dass es einen Nachmieter gibt und fragt einfach nur an, wer denn der Nachmieter ist.

Durch Mitteilung der tatsächlichen Sachlage an den Versorger sollte sich die Sache für den Mieter erledigt haben.

Etienne777
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Re: Energieversorger will Verbrauch in Rechnung stellen

Beitrag von Etienne777 » 04.12.18, 10:54

hambre hat geschrieben:Durch Mitteilung der tatsächlichen Sachlage an den Versorger sollte sich die Sache für den Mieter erledigt haben.
Sie meinen für den Vermieter, nehme ich an. :wink:
Aus technischen Gründen befindet sich die Signatur
auf der Rückseite dieses Beitrags.

Zafilutsche
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Re: Energieversorger will Verbrauch in Rechnung stellen

Beitrag von Zafilutsche » 04.12.18, 13:22

hambre hat geschrieben:Ich glaube nicht, dass der Versorger das tatsächlich festgestellt hat. Wie soll er das auch gemacht haben?
Der Versorger wird den Netzbetreiber gebeten haben, nach der Vertragsaufkündigung (durch den Versorger!)
den Zählerstand zu übermitteln. Bei Vertragsende (das ist was anderes als die regelmäßigen Zwischenablesungen)
kommt tatsächlich ein Ableser im Auftrag des Netzbetreibers raus.
Vielleicht war wegen dem Fehlen eines Nachmieters der Ableser erneut vor Ort und hat eine Differenz zur vorherigen Ablesung festgestellt?

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Re: Energieversorger will Verbrauch in Rechnung stellen

Beitrag von Etienne777 » 04.12.18, 16:41

Oder die Hütte verfügt bereits über Smartmeter, die man fernablesen kann.
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Pünktchen
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Re: Energieversorger will Verbrauch in Rechnung stellen

Beitrag von Pünktchen » 04.12.18, 21:46

Wenn der Vertrag nicht gekündigt ist, läuft er sowieso weiter. Die Frage ist nur, wer für die Rechnung aufkommt. Wer hat den Vertrag abgeschlossen? Selbst, wenn man den Vertrag kündigt und kein neuer Vertrag geschlossen wird, springt der Grundversorger mit dem teuren Grundtarif ein. Ein nachgewiesener Verbrauch ist dafür gar nicht nötig.

Zafilutsche
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Re: Energieversorger will Verbrauch in Rechnung stellen

Beitrag von Zafilutsche » 05.12.18, 12:50

Pünktchen hat geschrieben: Wenn der Vertrag nicht gekündigt ist, läuft er sowieso weiter.
Beim ersten durchlesen hatte ich überlesen:
Marifee hat geschrieben: Mieter M hat aufgrund von erheblichen Zahlungsrückständen vor einigen Monaten eine fristlose Kündigung bekommen, ist aber nicht ausgezogen.
Pünktchen hat geschrieben: Die Frage ist nur, wer für die Rechnung aufkommt. Wer hat den Vertrag abgeschlossen?
Wahrscheinlich doch der "M"?

Pünktchen hat geschrieben:Selbst, wenn man den Vertrag kündigt und kein neuer Vertrag geschlossen wird, springt der Grundversorger mit dem teuren Grundtarif ein.
Wenn berücksichtigt wird, dass der Stromanbieter fristlos den Stromliefervertrag gekündigt hat, wäre m.E. fraglich, ob dieser auch zeitgleich mit der fristlosen Kündigung des Vertrages auch den Netzzugang/Messtelle frei gibt um zu verhindern dass der Zahlungssäumige M den Strom von woanders bezieht.
Eigentlich wird der Automat ausgeschaltet ggf. verblombt oder ggf wird auch der Zähler ausgebaut.

SusanneBerlin
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Re: Energieversorger will Verbrauch in Rechnung stellen

Beitrag von SusanneBerlin » 05.12.18, 12:54

Die "fristlose Kündigung"bezieht sich auf das Mietverhältnis, der Wohnungsvermieter hat dem Mieter gekündigt.

Der Mieter hat sich beim Stromversorger laut TE "abgemeldet".
Grüße, Susanne

Zafilutsche
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Re: Energieversorger will Verbrauch in Rechnung stellen

Beitrag von Zafilutsche » 05.12.18, 13:43

Upps! :oops: Klar
Danke!

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