Nachfrage rechtens? Bewerber auf jeden Fall einladen?

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leiser fuchs
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Nachfrage rechtens? Bewerber auf jeden Fall einladen?

Beitrag von leiser fuchs » 08.12.18, 10:26

Hallo,

eine Stelle als Hausmeister ist von einer Behörde ausgeschrieben.

In der Stellenanzeige steht:

"typische Hausmeistertätigkeiten"

Es bewerben sich viele Schwerbehinderte, die sich entweder per E-Mail beworben haben oder ihre E-Mail-Adresse im Lebenslauf angegeben haben und alle sind anhand der Bewerbung nicht offensichtlich ungeeignet.

Diese werden von der Behörde per E-Mail kontaktiert und es wird explizit nachgefragt, ob diese aufgrund ihrer Schwerbehinderung(en) schwere Tätigkeiten, wie z. B. das Führen von schweren Kehrmaschinen, Schneefresen oder ähnliches ausführen können.

Manche antworten auf diese E-Mail, dass das kein Problem ist. Diese werden auch zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen.

Manche anworten nicht auf diese E-Mail und diese werden nicht zu einem Vorstellungsspräch eingeladen.

Manche antworten auf diese E-Mail und teilen mit, dass diese Nachfrage überhaupt nicht erlaubt ist. Diese werden auch nicht eingeladen, da es für die Stelle eben unerlässlich ist, solche Tätigkeiten auszuüben.

Fragen:

1. Hätten auch die eingeladen werden müssen, die nicht geantwortet haben?
2. Sind Bewerber verpflichtet, auf eine solche Nachfrage per E-Mail zu antworten?
3. Ist eine solche Nachfrage tatsächlich nicht erlaubt?

Was meint ihr? Wie ist da die Rechtslage?

Besten Dank vorab.

Herzliche Grüße

Tastenspitz
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Re: Nachfrage rechtens? Bewerber auf jeden Fall einladen?

Beitrag von Tastenspitz » 08.12.18, 10:50

Ja
Nein
Nein
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
Für individuelle Rechtsberatung bitte "ALT" und "F4" auf der Tastatur gleichzeitig drücken.

winterspaziergang
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Re: Nachfrage rechtens? Bewerber auf jeden Fall einladen?

Beitrag von winterspaziergang » 08.12.18, 11:29

leiser fuchs hat geschrieben:...

In der Stellenanzeige steht:

"typische Hausmeistertätigkeiten"

Es bewerben sich viele Schwerbehinderte, die sich entweder per E-Mail beworben haben oder ihre E-Mail-Adresse im Lebenslauf angegeben haben und alle sind anhand der Bewerbung nicht offensichtlich ungeeignet.
kein Wunder, was soll auch typisch am Hausmeister sein. Da steht keine brauchbare Stellenbeschreibung.

Was meint ihr? Wie ist da die Rechtslage?
dass man mit einer brauchbaren Stellenanzeige bessere Karten hat.

SusanneBerlin
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Re: Nachfrage rechtens? Bewerber auf jeden Fall einladen?

Beitrag von SusanneBerlin » 08.12.18, 11:36

Der Personalsachbearbeiter der Behörde ist anscheinend mit "typischen Personalertätigkeiten", dem Formulieren von Stellenanzeigen und Durchführen des Auswahlverfahrens, überfordert.
Grüße, Susanne

leiser fuchs
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Re: Nachfrage rechtens? Bewerber auf jeden Fall einladen?

Beitrag von leiser fuchs » 08.12.18, 12:19

Tastenspitz hat geschrieben:Ja
Nein
Nein
1. Dann könnten von solchen Bewerbern Entschädigungsansprüche geltend gemacht werden?
2. Ok.
3. Also nachfragen ok, aber würde eine nicht korrekt formulierte Stellenanzeige auch nicht "gerade biegen"?

FelixSt
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Re: Nachfrage rechtens? Bewerber auf jeden Fall einladen?

Beitrag von FelixSt » 08.12.18, 12:51

Der überforderte, offensichtlich inkompetente Personalsachbearbeiter sollte dringend von seinen Aufgaben entbunden und intern umgesetzt werden, um größeren finanziellen Schaden von der Dienststelle abzuwenden (siehe auch vorigen Thread des Fragestellers).

SusanneBerlin
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Re: Nachfrage rechtens? Bewerber auf jeden Fall einladen?

Beitrag von SusanneBerlin » 08.12.18, 12:54

1. ja
2. -
3. nein, wegen 2.
Grüße, Susanne

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Re: Nachfrage rechtens? Bewerber auf jeden Fall einladen?

Beitrag von Oktavia » 09.12.18, 12:53

*seufz*
Hat die Behörde tatsächlich per Mail nachgefragt? Unglaublich... hätte da auch per Postkarte gefragt? Die Behörde hat hier also gegen Datenschutz verstoßen und das bei Daten einer hohen Schutzklasse - Gratulation!
Die Frage hätte man im Vorstellungsgespräch stellen dürfen aber auch nur wenn man sie allen stellte.
Kann doch auch sein, dass jemand ohne anerkannten Behindertenstatus diese Tätigkeiten nicht ausführen kann/darf. Alle die nicht offensichtlich ungeeignet sind muss man einladen (im ÖD).
Das bedeutet
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Re: Nachfrage rechtens? Bewerber auf jeden Fall einladen?

Beitrag von Dummerchen » 09.12.18, 15:39

Oktavia hat geschrieben:*seufz*
Die Behörde hat hier also gegen Datenschutz verstoßen und das bei Daten einer hohen Schutzklasse -
Gegen welche Vorschrift genau hat denn die Behörde verstossen? Den §666 "Nachfragen darfst du nicht"?
Die Frage hätte man im Vorstellungsgespräch stellen dürfen aber auch nur wenn man sie allen stellte.

Und wo finde ich die Quelle dieser Aussage?
Kann doch auch sein, dass jemand ohne anerkannten Behindertenstatus diese Tätigkeiten nicht ausführen kann/darf. Alle die nicht offensichtlich ungeeignet sind muss man einladen (im ÖD).
Das bedeutet
Keine Ahnung, was das deiner Ansich nach bedeuten soll. Aber zum einen können nur Menschen mit anerkannten Schwerbehinderungen die Schutzrechte für Schwerbehinderte in Anspruch nehmen, zum anderen muss auch der ÖD nicht jeden Dussel zum Vorstellungsgespräch einladen. Diese Vorschrift gilt auch nur für Schwerbehinderte; bei Nichtbehinderten darf nach Aktenlage vorsortiert werden.
The nine most terrifying words in the English language are, 'I'm from the government and I'm here to help.'
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Re: Nachfrage rechtens? Bewerber auf jeden Fall einladen?

Beitrag von Froggel » 09.12.18, 17:44

Dummerchen hat geschrieben:Diese Vorschrift gilt auch nur für Schwerbehinderte; bei Nichtbehinderten darf nach Aktenlage vorsortiert werden.
Zumal hier nicht auf Diskriminierung abgezielt werden kann, denn offenbar wurden ja auch andere Schwerbehinderte eingeladen. Trotzdem ist das Verhalten der verantwortlichen Behördenmitarbeiter sicher nicht in Ordnung.
Ich bin kein Jurist.
- alle Angaben ohne Gewähr -

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Re: Nachfrage rechtens? Bewerber auf jeden Fall einladen?

Beitrag von FM » 09.12.18, 18:03

Wenn jemand auf eine Nachfrage gar nicht erst antwortet, kann das schon als "kein Interesse mehr" verstanden werden. Vielleicht kam er ja selbst zu der Meinung die Arbeit doch nicht ausüben zu können, nachdem er nun näher informiert wurde. Wenn er an der Bewerbung festhalten wollte, würde er das doch wohl mitteilen.

In eine Stellenanzeige wird man kaum je alle Tätigkeiten und Anforderungen aufnehmen können, gerade auch nicht auf alles eingehen können, was bei jeder denkbaren Art von Behinderung relevant sein könnte.

Evariste
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Re: Nachfrage rechtens? Bewerber auf jeden Fall einladen?

Beitrag von Evariste » 09.12.18, 19:07

Dummerchen hat geschrieben:
Oktavia hat geschrieben:*seufz*
Die Behörde hat hier also gegen Datenschutz verstoßen und das bei Daten einer hohen Schutzklasse -
Gegen welche Vorschrift genau hat denn die Behörde verstossen? Den §666 "Nachfragen darfst du nicht"?
Artikel 32 DSGVO. E-Mails mit besonders zu schützenden persönlichen Daten sind zu verschlüsseln. Das ist hier wohl nicht geschehen. Somit liegt die Information, dass der Empfänger der Nachricht schwerbehindert ist, auf dem Mailserver im Klartext vor, jeder Administrator kann darauf zugreifen.
Froggel hat geschrieben:
Dummerchen hat geschrieben:Diese Vorschrift gilt auch nur für Schwerbehinderte; bei Nichtbehinderten darf nach Aktenlage vorsortiert werden.
Zumal hier nicht auf Diskriminierung abgezielt werden kann, denn offenbar wurden ja auch andere Schwerbehinderte eingeladen.
Natürlich ist das eine Diskriminierung. Man hat anscheinend _nur_ bei Schwerbehinderten nachgefragt. Wie Oktavia richtig festgestellt hat, es könnte sein, dass auch der eine oder andere nichtbehinderte Bewerber keine schweren Tätigkeiten ausführen kann oder will; diese wurden in der Stellenanzeige auch nicht speziell erwähnt. Man hätte also - wenn schon - bei allen Bewerbern nachfragen müssen.
FM hat geschrieben:Wenn jemand auf eine Nachfrage gar nicht erst antwortet, kann das schon als "kein Interesse mehr" verstanden werden. Vielleicht kam er ja selbst zu der Meinung die Arbeit doch nicht ausüben zu können, nachdem er nun näher informiert wurde.
... oder aber der Behinderte rechnet sich aufgrund der diskriminierenden Nachfrage aus, dass er sowieso nicht eingestellt werden wird. Wozu sich also die Mühe einer Antwort machen?

Oktavia
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Re: Nachfrage rechtens? Bewerber auf jeden Fall einladen?

Beitrag von Oktavia » 09.12.18, 19:40

Dummerchen hat geschrieben:
Oktavia hat geschrieben:*seufz*
Die Behörde hat hier also gegen Datenschutz verstoßen und das bei Daten einer hohen Schutzklasse -
Gegen welche Vorschrift genau hat denn die Behörde verstossen? Den §666 "Nachfragen darfst du nicht"?
Ne, gegen die Vorschriften des jeweiligen Landesdatenschutzgesetzes. Der Nachfragende hier hat immerhin Gesundheitsdaten öffentlich einsehbar um die Globus geschickt.
Dummerchen hat geschrieben:Und wo finde ich die Quelle dieser Aussage?
Sitzt hier auf dem Bürostuhl :roll:
Kann man sich herleiten aus §33 GG, §6-8 AGG, §12 AGG
Ein Schwerbehinderter Mensch der sich auf eine Hausmeisterstelle bewirbt wird gefragt ob er das körperlich kann, der nicht Schwerbehinderte nicht, das ist Diskriminierung. Immerhin kann es sein dass der Bewerber ohne Ausweis Probleme mit der Bandscheibe hat und keinen GdB. Der Schwerbehinderte hat eine Krebserkrankung gut überstanden uns ist wieder fit.

Dummerchen hat geschrieben:Aber zum einen können nur Menschen mit anerkannten Schwerbehinderungen die Schutzrechte für Schwerbehinderte in Anspruch nehmen, zum anderen muss auch der ÖD nicht jeden Dussel zum Vorstellungsgespräch einladen. Diese Vorschrift gilt auch nur für Schwerbehinderte; bei Nichtbehinderten darf nach Aktenlage vorsortiert werden.
Um genau zu sein gilt sie für Schwerbehinderte und ihnen Gleichgestellte :wink: Aber sie gilt auch für Menschen ohne Ausweis/Anerkennung wenn ihre Behinderung offensichtlich ist z.B. bei Kleinwuchs
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FM
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Re: Nachfrage rechtens? Bewerber auf jeden Fall einladen?

Beitrag von FM » 09.12.18, 19:55

Evariste hat geschrieben: ... oder aber der Behinderte rechnet sich aufgrund der diskriminierenden Nachfrage aus, dass er sowieso nicht eingestellt werden wird. Wozu sich also die Mühe einer Antwort machen?
Wenn jemand in der Bewerbung mitteilt "ich bin schwerbehindert und kann nicht schwere Lasten tragen" ist dann die Nachfrage "das für die Arbeit notwendige Gerät XY wiegt 20 kg, ginge das noch?" eine Diskriminierung? Ist es im Sinne des Schwerbehinderten ihn erst mal vielleicht über einige hundert km und mit Übernachtungskosten anreisen zu lassen um ihn dann erst mitzuteilen: "Geht leider doch nicht. Ja das haben wir vermutet, aber im Rechtsforum im Internet steht, wir durften es nicht vorher sagen."?

winterspaziergang
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Re: Nachfrage rechtens? Bewerber auf jeden Fall einladen?

Beitrag von winterspaziergang » 09.12.18, 20:16

FM hat geschrieben: In eine Stellenanzeige wird man kaum je alle Tätigkeiten und Anforderungen aufnehmen können, gerade auch nicht auf alles eingehen können, was bei jeder denkbaren Art von Behinderung relevant sein könnte.
Davon war auch nicht die Rede.
Es geht auch nicht um jede Art der Behinderung, sondern um den beschriebenen Umstand, dass körperlich schwere Tätigkeiten auszuführen sind und z.B. die schwierigste in das Profil zu schreiben ist. Dann muss man nicht jede denkbare Tätigkeit abfragen, sondern gibt schlicht zu verstehen, welche körperlichen Voraussetzungen vorliegen müssen.

Dann kann sowohl der anerkannt Behinderte, als auch derjenige, der lediglich irgendeine Einschränkung ohne Behindertenstatus hat, das prüfen und von einer Bewerbung Abstand nehmen.

Andersherum wird es nämlich sinnbefreit: Man schreibt nichts in die Stellenanzeige und fragt dann bei den Bewerbern an, ob sie die Tätigkeit überhaupt ausführen können- spätestens da müsste doch das scheinbare Hindernis
FM hat geschrieben:kaum je alle Tätigkeiten und Anforderungen [...], gerade auch nicht auf alles eingehen können, was bei jeder denkbaren Art von Behinderung relevant sein könnte
genauso auftreten.

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