Bafög abgelehnt, Aufteilung Unterhalt

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Kuschelwuschel
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Bafög abgelehnt, Aufteilung Unterhalt

Beitrag von Kuschelwuschel » 16.02.19, 20:06

Hallo und guten Tag

Ich habe so gut wie keinen Kontakt zu meiner Tochter, weiß aber, dass meine Tochter seit ca. einem halben Jahr studiert.
Jetzt hat sie mir aktuell geschrieben, dass ein Antrag auf Bafög abgelehnt wurde und sie einen Anwalt einschaltet.

1. Habe ich ein Anrecht darauf, den Ablehnungsbescheid des Bafög Amtes von meiner Tochter zu verlangen?

2. Da ich davon ausgehe, dass das BAföG Amt auch die Bezüge und Lohnsteuerjahresausgleich der Mutter vorliegen hat, besteht die Möglichkeit, dass das Bafög Amt den fälligen Unterhalt von Vater und Mutter berechnet?

3. Gilt für den Unterhalt die Düsseldorfer Tabelle?

4. Je nach Höhe der Unterhaltszahlungen, könnte es passieren, dass ich meine Hypothek nicht mehr bedienen kann. Gibt es einen Selbstbehalt?

5. Wenn ja, wie hoch ist dieser und wo kann ich ihn geltend machen, bzw. gibt es dafür Unterlagen?

6. Angeblich wird der Anwalt von mir meine Pensionsbezüge verlangen um den Unterhalt zu berechnen zwischen ihrer Mutter und mir. Ist dieses rechtens und kann ich von dem Anwalt die Bezüge Mitteilungen meiner Exfrau verlangen?
Oder kann ich von meiner Tochter die Bezüge Mitteilungen ihrer Mutter verlangen?

7. Ihre Mutter ist Beamtin. Kann sie sich durch weniger Arbeit tlw. Um die Unterhaltsverpflichtung drücken? Soll heißen, ihre Mutter arbeitet nur dreißig Stunden, obwohl sie 40 Stunden arbeiten könnte.

8. Muss ich deshalb mehr bezahlen, weil die Mutter keine Lust zur vollen Arbeitszeit hat?

9. Besteht die Möglichkeit den Unterhalt der Mutter auf 40 Stunden hochzurechnen? Wenn nicht, würde es ja bedeuten, gesetztenfalls die Mutter hat einen betuchten Freund und geht nun nicht mehr arbeiten. Müsste ich dann den vollen Unterhalt bezahlen?

SusanneBerlin
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Re: Bafög abgelehnt, Aufteilung Unterhalt

Beitrag von SusanneBerlin » 16.02.19, 21:42

Hallo,

1. MMn. Ja.

2. Nein, aus der Berechnung des Studentenwerks geht nicht hervor, wieviel Unterhalt einer Studierenden von Ihren Eltern zusteht und das Studentenwerk macht auch keine Unterhaltsberechnungen.

3. Man kann zurBestimmung des Unterhalts die DD Tabelle heranziehen, aber die Tabelle hat keine Gesetzeskraft.

4. Der Selbstbehalt gegenüber studierenden Kindern beträgt laut Düsseldorfer Tabelle 1300€.

5. Der Selbstbehalt wird normalerweise vom Unterhaltsfordernden unaufgefordert berücksichtigt. Macht der das nicht, dann wendet man als Unterhaltsverpflichteter dem Unterhaltsfordernden gegenüber ein, dass der Selbstbehalt zu berücksichtigen ist.

6. Ja Sie haben auch einen Anspruch auf die Einkommensnachweise der Mutter. Die Nachweise können Sie von Ihrer Tochter oder vom Anwalt der Tochter fordern.

7. Es gibt gegenüber studierenden Kindern keine Pflicht, in Vollzeit zu arbeiten oder überhaupt zu arbeiten um höheren Unterhalt zahlen zu können. Das heißt, auch Sie dürfen weniger arbeiten.

8. Es kommt auf die konkreten Zahlen an. Es könnte passieren, dass der von Ihnen zu zahlende Betrag höher wird wenn sich das Einkommen der Mutter verringert.

9. Nein, siehe Antwort zu Frage 7. Es kommt auf das tatsächliche bereinigte Einkommen an, nicht wieviel man verdienen könnte.
Grüße, Susanne

Kuschelwuschel
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Re: Bafög abgelehnt, Aufteilung Unterhalt

Beitrag von Kuschelwuschel » 16.02.19, 23:34

Vielen Dank für die schnelle Antwort.
Punkt 8. hatte ich befürchtet.

Mir fällt noch eine Frage ein.
Da meine Tochter ja bereits ihr Studium begonnen hat, jetzt aber erst mit Forderungen kommt, muss ich jetzt rückwirkend nachzahlen bis zum Studienbeginn?

SusanneBerlin
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Re: Bafög abgelehnt, Aufteilung Unterhalt

Beitrag von SusanneBerlin » 17.02.19, 01:20

a meine Tochter ja bereits ihr Studium begonnen hat, jetzt aber erst mit Forderungen kommt, muss ich jetzt rückwirkend nachzahlen bis zum Studienbeginn?
Nein. Unterhalt kann nur für die Zukunft geltend gemacht werden.
Grüße, Susanne

Kuschelwuschel
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Re: Bafög abgelehnt, Aufteilung Unterhalt

Beitrag von Kuschelwuschel » 17.02.19, 17:48

Vielen Dank für die Auskünfte. Diese haben mir sehr geholfen.

Kuschelwuschel
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Re: Bafög abgelehnt, Aufteilung Unterhalt

Beitrag von Kuschelwuschel » 05.03.19, 19:10

Ich habe noch weitere Fragen.

Ich habe jetzt Post vom Anwalt meiner Tochter bekommen. Ich soll dort meine Einkünfte offen legen. Angeblich hat er auch die Einkommensnachweise meiner Exfrau vorliegen.
Anschließend will er dann den Unterhalt berechnen.
Habe ich auch kein Problem mit.

Da dieser Anwalt schon bei der Unterhaltszahlung, ich drücke es mal vorsichtig aus, nicht annähernd in der Lage war, richtige Berechnungen anzustellen, will ich ihm schreiben, dass ich meine Unterlagen erst übersende, wenn ich auch die gleichen Unterlagen meiner Exfrau vorliegen habe. Darf ich das zu machen?
Ich muss doch selber die Möglichkeit haben, die Unterlagen zu prüfen und dementsprechend eine Berechnung durchzuführen.

1. Kann ich die Unterlagen von dem Anwalt verlangen oder muss ich mich an meine Exfrau halten?
Es kann ja nicht sein, dass ich immer alles offen legen muss, selber aber nie Unterlagen bekomme. Das war schon so bei den damaligen Unterhaltsberechnungen.

2. Meine Exfrau verfügt über eine erhebliche Summe von Barvermögen. Muss sie dieses auch angeben oder langt lediglich ihr Einkommen?


Vielen Dank

winterspaziergang
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Re: Bafög abgelehnt, Aufteilung Unterhalt

Beitrag von winterspaziergang » 05.03.19, 20:53

Kuschelwuschel hat geschrieben:I

1. Kann ich die Unterlagen von dem Anwalt verlangen oder muss ich mich an meine Exfrau halten?
Es kann ja nicht sein, dass ich immer alles offen legen muss, selber aber nie Unterlagen bekomme. Das war schon so bei den damaligen Unterhaltsberechnungen.

2. Meine Exfrau verfügt über eine erhebliche Summe von Barvermögen. Muss sie dieses auch angeben oder langt lediglich ihr Einkommen?
Wenn schon auf der "Gegenseite" einen Anwalt ist, wäre zu überlegen, auch einen einzuschalten, statt in Foren zu fragen. Er/sie kann alle Unterlagen sichten, Kontakt zum anderen Anwalt aufnehmen usw.

Eine nicht-rechtliche Anmerkung:
Ich habe so gut wie keinen Kontakt zu meiner Tochter, weiß aber, dass meine Tochter seit ca. einem halben Jahr studiert.
letzteres ist doch eigentlich eine gute Sache. Sich dann mit dem Einfordern von Unterhalt plagen zu müssen, weil ihr kein Bafög zusteht, legt ihr nur unnötige Steine in den Weg.

SusanneBerlin
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Re: Bafög abgelehnt, Aufteilung Unterhalt

Beitrag von SusanneBerlin » 05.03.19, 21:47

1. Kann ich die Unterlagen von dem Anwalt verlangen oder muss ich mich an meine Exfrau halten?
Es kann ja nicht sein, dass ich immer alles offen legen muss, selber aber nie Unterlagen bekomme. Das war schon so bei den damaligen Unterhaltsberechnungen.
Gegen Ihre Exfrau haben Sie keinen Anspruch auf Offenlegung ihres Einkommens. Die Unterlagen müssen Sie von Ihrer Tochter oder deren Anwalt einfordern.

Wenn Sie keine Informationen bekommen wieviel die Mutter verdient, können Sie nicht prüfen ob die Unterhaltsforderung Ihrer Tochter gerechtfertigt ist. Sie könnten dann die Zahlung wegen der fehlenden Gehaltsnachweise der Mutter verweigern, müssten dann aber falls die Gegenseite eine Klage erhebt, den vom Gericht festgelegten Unterhalt nachzahlen seit der Aufforderung durch Ihre Tochter bzw. deren Anwalt nachzahlen.
2. Meine Exfrau verfügt über eine erhebliche Summe von Barvermögen. Muss sie dieses auch angeben oder langt lediglich ihr Einkommen?
Das Barvermögen ist für Unterhaltsforderungen nicht relevant und muss daher nicht angegeben werden.
Grüße, Susanne

matthias.
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Re: Bafög abgelehnt, Aufteilung Unterhalt

Beitrag von matthias. » 06.03.19, 08:12

Kuschelwuschel hat geschrieben:Ich habe noch weitere Fragen.

Ich habe jetzt Post vom Anwalt meiner Tochter bekommen. Ich soll dort meine Einkünfte offen legen. Angeblich hat er auch die Einkommensnachweise meiner Exfrau vorliegen.
Anschließend will er dann den Unterhalt berechnen.
Habe ich auch kein Problem mit.

Das ist aber letztlich gar nicht seine Aufgabe.

Der Anwalt kann das gerne machen, rechtsicher legt aber nur ein Richter den Unterhalt fest.

Wie schon gesagt, nimm dir entweder selber einen Anwalt und die 2 tauschen sich dann aus, oder lass es auf eine Klage ankommen und lass den Richter entscheiden oder verhandle einfach selber mit deiner Frau und deiner Tochter, was angemessen wäre.

Ich würd sagen eine Studierende braucht 800 €, beide Eltern zahlen die Hälfte aber das wäre sicher zu einfach gedacht und bringt ja auch den Anwälten keine Kohle. :(

SusanneBerlin
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Re: Bafög abgelehnt, Aufteilung Unterhalt

Beitrag von SusanneBerlin » 06.03.19, 08:23

Das ist aber letztlich gar nicht seine Aufgabe.
Doch klar ist es die Aufgabe des Anwalts, den Anspruch seines Mandanten zu berechnen und von der Gegenseite einzufordern.

Außer der Mandant besteht darauf, dass der Anwalt sofort Klage erhebt ohne es vorher mit einer Zahlungsaufforderung per anwaltlichem Schreiben zu versuchen. Dann ist es aber gut möglich, dass der Mandant auf den Kosten für den Anwalt und für das Gerichtsverfahren sitzen bleibt, weil die Klage unnötig war. Das weiß der Anwalt natürlich, und deshalb fordert jeder Anwalt in der Regel erst einmal außergerichtlich den Anspruch ein, und erst wenn das dann keinen Erfolg zeigt wird Klage erhoben.
Grüße, Susanne

windalf
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Re: Bafög abgelehnt, Aufteilung Unterhalt

Beitrag von windalf » 06.03.19, 08:53

Sich dann mit dem Einfordern von Unterhalt plagen zu müssen, weil ihr kein Bafög zusteht, legt ihr nur unnötige Steine in den Weg.
Au weia die arme Studentin. Wir wäre es denn mit einfach selbst den Unterhalt sicherstellen dann braucht man auch nicht erbärmlich bei den Eltern betteln...
...fleißig wie zwei Weißbrote
0x2B | ~0x2B
Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

matthias.
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Re: Bafög abgelehnt, Aufteilung Unterhalt

Beitrag von matthias. » 06.03.19, 09:13

SusanneBerlin hat geschrieben:
Das ist aber letztlich gar nicht seine Aufgabe.
Doch klar ist es die Aufgabe des Anwalts, den Anspruch seines Mandanten zu berechnen und von der Gegenseite einzufordern.

Aber er kann den Unterhalt nicht festlegen. Fordern kann er was er will.

Old Piper
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Re: Bafög abgelehnt, Aufteilung Unterhalt

Beitrag von Old Piper » 06.03.19, 09:21

matthias. hat geschrieben:Ich würd sagen eine Studierende braucht 800 €, beide Eltern zahlen die Hälfte aber das wäre sicher zu einfach gedacht und bringt ja auch den Anwälten keine Kohle. :(
Diese 800,- EUR (tatsächlich ist es etwas weniger, glaube ich - nämlich 730,- EUR zzgl. evtl. entstehende Fahrtkosten zur Uni) gelten aber nur für Studierende, die nicht mehr bei einem der Eltern wohnen. Davon geht dann noch das Kindergeld ab und den Rest teilen sich die Eltern entsprechend der Höhe ihrer Einkünfte.
MfG
Old Piper
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Behörden- und Gerichtsentscheidungen sind zwar oft recht mäßig, aber meistens rechtmäßig.

SusanneBerlin
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Re: Bafög abgelehnt, Aufteilung Unterhalt

Beitrag von SusanneBerlin » 06.03.19, 09:30

matthias. hat geschrieben:
SusanneBerlin hat geschrieben:
Das ist aber letztlich gar nicht seine Aufgabe.
Doch klar ist es die Aufgabe des Anwalts, den Anspruch seines Mandanten zu berechnen und von der Gegenseite einzufordern.
Aber er kann den Unterhalt nicht festlegen. Fordern kann er was er will.
Sicherlich muss man einer Forderung nicht ungeprüft nachkommen, nur weil sie von einem Anwalt kommt.

Man hat die Wahl, ob man der Forderung nachkommt, ob man selber entscheidet welchen Betrag man für berechtigt hält oder ob man nun selbst einen Anwalt mandatiert, der die Gegenrechnung macht .

Wenn man weniger zahlt als die Gegenseite fordert, hat man eben das Risiko, dass die Gegenseite klagt. Die Verfahrenskosten zahlt dann die Partei, die falsch lag. Lagen beide falsch und der ausgeurteilte Betrag liegt irgendwo in der Mitte, werden die Kosten des Verfahrens geteilt.
Grüße, Susanne

lottchen
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Re: Bafög abgelehnt, Aufteilung Unterhalt

Beitrag von lottchen » 06.03.19, 09:57

Kuschelwuschel hat geschrieben: Ich habe so gut wie keinen Kontakt zu meiner Tochter, weiß aber, dass meine Tochter seit ca. einem halben Jahr studiert.
Jetzt hat sie mir aktuell geschrieben, dass ein Antrag auf Bafög abgelehnt wurde und sie einen Anwalt einschaltet.
Wenn Du zu ihr keinen Kontakt hast - wie konnte der (Nicht)Baföganspruch denn überhaupt festgestellt werden? Oder war das einer der wenigen Momente, in denen Du Kontakt hattest, als sie Dir die Formulare für die Bafögbeantragung zusendete, in der Dein Einkommen abgefragt wird?
Ich empfehle, Beiträge unserer Forentrolle BäckerHD, FelixSt und Dieter_Meisenkaiser konsequent zu ignorieren!

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