Handwerker: Rechnung für Erstellen von Angebot?

Rechtsgeschäfte des täglichen Lebens, Kaufrecht für Käufer und Verkäufer, Werkvertragsrecht

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tony
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Handwerker: Rechnung für Erstellen von Angebot?

Beitrag von tony » 12.03.19, 18:15

Hallo,

man stelle sich folgende Situation vor:

Man beauftragt (mündlich) einen Handwerker, z.B. einen Elektriker, sich eine kaputte Sache (z.B. eine Gegensprechanlage) anzusehen und ein Angebot für eine Reparatur abzugeben.
Dies tut der Handwerker, aber das Angebot ist dann so teuer, dass man dankend ablehnt.

6 Monate später schickt der Handwerker plötzlich eine Rechnung. Darin wird nicht das Erstellen des Angebots in Rechnung gestellt, sondern das Überprüfen der defekten Sache. Berechnet werden Monteur-Arbeitsstunden.

Muss man das bezahlen?
Meines Wissens darf nur ein Kostenvoranschlag in Rechnung gestellt werden, und auch nur, wenn das "branchenüblich" ist.
Nicht aber ein "Angebot".
Oder hat der Handwerker im beschriebenen Beispiel mit dem Berechnen der "Überprüfung" einen Trick bzw. eine Lücke gefunden? (Wobei eine "Überprüfung" o.ä. ja immer nötig ist, um ein seriöses Angebot zu erstellen, um also zu wissen, was zu tun ist).

Danke und Grüße
T.

ktown
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Re: Handwerker: Rechnung für Erstellen von Angebot?

Beitrag von ktown » 12.03.19, 19:33

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tony
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Re: Handwerker: Rechnung für Erstellen von Angebot?

Beitrag von tony » 12.03.19, 21:15

Das hatte ich bereits gefunden. Aber in dem Link geht es nur um Kostenvoranschläge, nicht um Angebote.
Hier wird der Unterschied erläutert:
https://www.gruenderlexikon.de/checklis ... g-angebot/

Interessant ist, dass beim Angebot (Zitat) "die einzelnen Arbeitsschritte und Materialien nicht ersichtlich" sind oder "die Arbeitsschritte und Materialien ohne Preisangaben nur mit dem Endbetrag aufgelistet" sind.
Was ist, wenn doch, zugleich aber andere Schlüsselaspekte wie beim Angebot sind und dies auch drübersteht?

Ich frage mich aber vor allem, ob die "Umdeutung" zu einer "Überprüfung" rechtlich stichhaltig wäre, s.o.

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Re: Handwerker: Rechnung für Erstellen von Angebot?

Beitrag von Froggel » 12.03.19, 23:39

Wenn der Kunde nicht im Voraus informiert wurde, dass Kosten anfallen, egal ob für das Erstellen eines Angebots oder das Erstellen eines Kostenvoranschlags, braucht der Kunde m.E. auch nichts zu bezahlen. Um ein Angebot oder auch einen Kostenvoranschlag erstellen zu können, muss der Angebotsersteller zwangsläufig erst einmal schauen, was er bewerten soll. Diese "Untersuchung" ist aber Risiko des Unternehmers und bedeutet noch keinen Vertragsschluss.
Ich bin kein Jurist.
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Re: Handwerker: Rechnung für Erstellen von Angebot?

Beitrag von ktown » 13.03.19, 07:00

Na da ist ja die Krux an der Sache. Der Handwerker hat ja wohl in seiner Rechnung die Worte Angebot oder Kostenvoranschlag vollkommen weg gelassen.
Im Grunde rechnet er einen vom AG abgebrochenen Reparaturauftrag ab. :wink:
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Re: Handwerker: Rechnung für Erstellen von Angebot?

Beitrag von tony » 13.03.19, 12:00

Das ist in der Tat die Krux.
Aber wie würde das zur ursprünglichen Korrespondenz passen, wenn er darin dem potentiellen Kunden schreibt: "Danke für Ihr Interesse. Anbei finden Sie unser Angebot".
Und wie würde er in dem Zusammenhang nachweisen wollen, dass bereits ein konkreter Reparaturauftrag bestand, und nicht nur der (mündliche) Auftrag zum Erstellen eines Angebots/Voranschlags?

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Re: Handwerker: Rechnung für Erstellen von Angebot?

Beitrag von Zafilutsche » 13.03.19, 12:21

Hm- der Angebotsersteller wird doch im Angebot auf notwendige Voraussetzungen verwiesen haben?
Offen wäre bei einer defekten Gegensprechanlage, ob ein Defekt an den Zuleitungen oder am Gerät selbst zu suchen ist.
Es könnte ja sein, dass die alten Leitungen fehlerhaft sind aber die Geräte selbst funktionieren. Aber auch umgekehrt wäre es möglich.
Daher wäre die Frage, über was genau soll überhaupt ein Angebot erstellt werden? Ein Angebot über die Überprüfung der bestehenden (offenbar defekten) Anlage wird anders ausfallen, als die "Planung und Installation einer Gegensprechanlage vom Typ xy)
Hier vermute ich ging es um die Frage: Kann die bestehende Anlage (aus Kundensicht) im wirtschaftlich vertretbarem Masse instandgesetzt werden.
Jetzt stellt sich die Frage was in den regelmäßigen ablaufen (nachweislich) alles passiert ist.
Wie sah die Anfrage aus?
Wie sah das Angebot aus?
Wie wurde das Angebot überprüft?
Wer hat wie genau was bestellt?
Wie sah die Auftragsbestätigung aus? (was beinhaltete diese tatsächlich-> Prüfung mit Angebot)
Welche Leistungen wurden erbracht? Wurden Nachweise/Berichte/Protokolle abgezeichnet und oder ausgehändigt?

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Re: Handwerker: Rechnung für Erstellen von Angebot?

Beitrag von tony » 13.03.19, 12:34

Okay, gehen wir davon aus, dass es so ablief:
Der Kunde sagt dem Handwerker mündlich: Das Ding funktioniert nicht richtig. Bitte schauen Sie, ob Sie das reparieren können und erstellen Sie ein Angebot.
Daraufhin begutachtet der Handerker die Anlage. Anschließend teilt er mündlich mit, dass sie nicht reparabel ist und erstellt statt eines Reparaturangebots ein Angebot für die Installation einer neuen Anlage.
Dieses Angebot lehnt der Kunde dankend ab (auch weil sich in einem parallelen Fall zeigte, dass der Handwerker 3x so viel veranschlagt, wie die Mitbewerber).
6 Monate später schickt der Handwerker eine Rechnung für die "Überprüfung" der Anlage, deren Ergebnis gewesen sei, dass sie nicht zu reparieren ist.

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Re: Handwerker: Rechnung für Erstellen von Angebot?

Beitrag von ktown » 13.03.19, 14:16

tony hat geschrieben:Bitte schauen Sie, ob Sie das reparieren können und erstellen Sie ein Angebot.
Also ein zweiteiliger Auftrag und der erste Teil wird nun abgerechnet.
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Re: Handwerker: Rechnung für Erstellen von Angebot?

Beitrag von tony » 13.03.19, 14:32

Damit sind wir wieder bei einer Frage von oben: denn um ein Angebot für eine Reparaturleistung zu erstellen, muss man ja erstmal schauen, ob man es reparieren kann und was überhaupt zu reparieren ist, oder? Der Auftrag lautete ja nicht explizit: gehen Sie hin und reparieren sie, egal was zu tun ist und was es kostet.

Ich sehe aber natürlich auch, dass man das als "zweiteilig" betrachten kann, wenn man will. (Oder es einem ein halbes Jahr später einfällt :lol: )
Das wäre dann eben der Streitpunkt.

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Re: Handwerker: Rechnung für Erstellen von Angebot?

Beitrag von Zafilutsche » 13.03.19, 15:08

tony hat geschrieben:Damit sind wir wieder bei einer Frage von oben: denn um ein Angebot für eine Reparaturleistung zu erstellen, muss man ja erstmal schauen, ob man es reparieren kann und was überhaupt zu reparieren ist, ...
Jau stimmt! Beim Auto ist das der Gutachter der die Schadenshöhe ermittelt weil der auch prüft was kaputt ist und was noch heile ist. Der Gutachter macht das aber auch nicht für umme.
Oder war keine ausgebildete Elektrofachkraft vor Ort zum prüfen der Anlage?

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Re: Handwerker: Rechnung für Erstellen von Angebot?

Beitrag von ktown » 13.03.19, 15:18

tony hat geschrieben:Ich sehe aber natürlich auch, dass man das als "zweiteilig" betrachten kann, wenn man will. (Oder es einem ein halbes Jahr später einfällt )
Grundsätzlich sei gesagt, dass die regelmäßige Verjährung für solche Ansprüche 3 Jahre beträgt.
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Re: Handwerker: Rechnung für Erstellen von Angebot?

Beitrag von Etienne777 » 13.03.19, 15:57

Im Zweifel ist das was der Kunde wollte und beauftragt hat durch Auslegung zu ermitteln. Ich werte es so, daß der Handwerker prüfen sollte ob ER in der Lage ist den Fehler zu beheben und er dazu ein Kostenangebot unterbreiten sollte. Das kann man jedenfalls nach meiner Auslegung und Rechtsauffassung nur im Zusammenhang sehen, denn logischerweise kann der Handwerker zu den Kosten nichts sagen, ohne vorher zu prüfen, was überhaupt zu machen ist. Diese Prüfung ist somit untrennbar mit der Erstellung des Kostenangebots verknüpft und kein eigenständiger Auftrag zur bloßen Fehlersuche. Der Wille des Kunden war es zu erfahren, ob der angefragte Handwerker sich in der Lage sieht den Fehler zu beheben und was damit für Kosten verbunden wären. Der Wille des Kunden war es nicht, losgelöst von der möglichen Vertragsanbahnung in Sachen Reparatur nur festgestellt zu wissen, was defekt ist.

Es ist nicht ersichtlich, daß der Kunde neben der bloßen Einholung eines Kostenangebots zusätzlich auch eine Begutachtung beauftragt hätte und daß dafür ein entsprechender Werkvertrag geschlossen worden wäre. Würde der Kunde die Rechung nicht zahlen, bliebe dem Handwerker nur der Versuch, seine Forderung gerichtlich durchzusetzen, womit er aber mit allergrößter Wahrscheinlichkeit scheitern würde. Denn dann müßte er beweisen, daß ein Werkvertrag geschlossen und nicht nur ein Kostenangebot eingeholt wurde.
Aus technischen Gründen befindet sich die Signatur
auf der Rückseite dieses Beitrags.

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Re: Handwerker: Rechnung für Erstellen von Angebot?

Beitrag von Zafilutsche » 13.03.19, 16:21

Etienne777 hat geschrieben:Der Wille des Kunden war es nicht, losgelöst von der möglichen Vertragsanbahnung in Sachen Reparatur nur festgestellt zu wissen, was defekt ist.
Spekulation!
Wenn wir beim Spekulieren schon sind, dann wollte dieser wissen, welche defekten Teile (oder entstörfilter) er im Internet kaufen muß oder Kontakte gereinigt werden müssen, um seine Gegensprechanlage möglichst günstig wieder in Schuss zu bringen oder ggf die entsprechende Störquelle zu beseitigen. Eine vernünftige Diagnose ist eine Voraussetzung um z.B. eine Schadenursache beseitigen zu können. Solche Dienstleistungen müssen Handwerker nicht zwingend in einer sog. "Mischkalkulation" einrechnen. Klar: Der Angebotsersteller wäre auf der sicheren Seite, dass vor Abgabe eines Kostenvoranschlages er darauf hingewiesen hätte, dass die An- und Abfahrt und der notwendige Zeitaufwand für die Diagnose nicht kostenfrei sein kann. Ob das bei einer Angebots Annahme dann in die Kalkulation (Mischkalkulation/Pauschale) einfließt/verrechnet wird bleibt dem Unternehmer überlassen, denn dieser erstellt ja dann ein Angebot über die Instandsetzung nach Kenntnis was genau ersetzt getauscht verändert werden muss. (Welche Teile zu welchem Preis, Monteurstunden, Wegekosten/Porto, Verwaltungskosten u.v.m).
Unbenommen hätte die Fehlerdiagnose auch jemand anderes machen können, nur wäre die Frage dann: Was ist bei einer fehlerhaften Diagnose? Und ein erteilter Auftrag der auf einer fehlerhaften Diagnose fußen könnte?

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Re: Handwerker: Rechnung für Erstellen von Angebot?

Beitrag von ktown » 13.03.19, 18:07

Also wenn ich mein Fahrzeug in der Werkstatt gebe um einen Fehler zu finden dann zahl ich das doch? Im Resultat bekomme ich dann von der Werkstatt einen Betrag genannt, was die Reparatur kostet und kann dann entscheiden, ob ich es machen lasse oder nicht.
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