Teilweises Home Office / Mittelpunkt der ber. Betätigung?

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bavarian tax collector
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Re: Teilweises Home Office / Mittelpunkt der ber. Betätigung

Beitrag von bavarian tax collector » 08.04.19, 13:27

windalf hat geschrieben:
Steht in der Vereinbarung aber z.B., dass die Arbeit des AN (zur Unterstützung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie) "auch" in HO erfolgen kann, dürfte das "auch" immer eine Gleichwertigkeit suggerieren. Der AG überlässt es dem AN, wo diese Tätigkeit ausführt wird. Der AG differenziert somit nicht zwischen verschiedenen "Arbeitsarten" (untergeordnete T./Haupttätigkeit).
Daraus lässt sich aber nicht schließen, dass in qualitativer Hinsicht eine gleichwertige Arbeitsleistung erbracht wird. Ob das so ist hängt auch stark davon ab, was man so gerade macht. Wenn ich in Ruhe programmieren muss mach ich das immer von zu Hause. Warum? Weil ich da drei 4k Monitore hängen habe und damit in der Lage bin eine qualitativ höhere Arbeitsleistung zu erbringen als wenn ich das aus dem Büro machen würde. Brauche ich Abstimmung mit den Kollegen ist auch jedes Desktop-Sharing-Tool immer schlechter als direkt nebeneinander zu sitzen...
Denn nur mit dieser Technik kann er dann ja gleichwertige Arbeit leisten.
Sorry das ist Blödsinn. Die Arbeit ist nie gleichwertig ob man die im Home Office erbringt oder im Büro. Das ist immer ein bisschen anders...
Bevor man weiter diskutiert, sollte man sich die Rechtshistorie des §6 Abs.5 Nr. 6b EStG anschauen, um zu verstehen, warum der BFH -momentan!- so entscheidet!

Nach Einführung der Vorschrift hat die Finanzverwaltung ausschließlich auf den zeitlichen, also quantitativen Aspekt der Nutzung des häuslichen AZ abgestellt. Als Folge gab es eine Flut von Verfahren von Außendienstlern. Der BFH hat daraufhin die quantitative Betrachtung der Finanzverwaltung verworfen und eine qualitative Betrachtungsweise gefordert.

"Grundfall" war hier z.B. der Gutachter, der zwar 80% der Arbeitszeit im Außendienst tätig ist (Aufnahme der Sachverhalte), aber die qualitativ höherwertige Arbeit (Ausarbeiten der Gutachten) im häuslichen AZ vornimmt! Im Gegensatz dazu stand der Handelsvertreter, der im Außendienst die Abschlüsse tätig und im häuslichen AZ "nur" die Verwaltung vornimmt.

Darauf stellte die Finanzverwaltung rein auf den qualitativen Aspekt ab, so dass bei einem alternierenden Tele- oder Heimarbeitsplatz kein qualitativer Mittelpunkt im häuslichen AZ vorliegt. Auch das hat der BFH wieder kassiert (2006) und stellt bei einer qualitativ gleichwertigen Arbeit nun wieder auf den rein quantitativen Bezug ab. Dabei geht er -im Moment- davon aus, dass sowohl im Büro als auch am Telearbeitsplatz zunächst die gleiche Arbeit verrichtet wird. Ob dabei- aus welchen Gründen auch immer- die Arbeit im häuslichen AZ schneller, effektiver o.ä. und damit vielleicht "qualitativ besser" ausgeübt werden kann spielt bisher keine Rolle! Es steht aber jedem frei, einen entsprechenden Fall zum BFH zu bringen!

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Re: Teilweises Home Office / Mittelpunkt der ber. Betätigung

Beitrag von veul » 08.04.19, 15:18

Vielen Dank für den konstruktiven Beitrag.

Grundsätzlich ist bei gleichwertiger Arbeit also der Zeitfaktor zu sehen.

Und für alle die hier nachfragten: Ja, ein verantwortungsvoller Arbeitgeber prüft die Arbeitsverhältnisse vor Ort im HO. Nur so ist ja eine entsprechende produktive Arbeit zu erwarten. HO soll ja für beide Seiten etwas bringen. Mehr Gestaltungsspielraum für den AN und im Idealfall produktiveres Arbeiten des AN durch weniger betriebliche Unterbrechungen usw.
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Re: Teilweises Home Office / Mittelpunkt der ber. Betätigung

Beitrag von windalf » 08.04.19, 21:27

Ob dabei- aus welchen Gründen auch immer- die Arbeit im häuslichen AZ schneller, effektiver o.ä. und damit vielleicht "qualitativ besser" ausgeübt werden kann spielt bisher keine Rolle! Es steht aber jedem frei, einen entsprechenden Fall zum BFH zu bringen!
Noch besser wäre es wohl, wenn der Gesetzgeber das einfach mal regeln würde...
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Re: Teilweises Home Office / Mittelpunkt der ber. Betätigung

Beitrag von bavarian tax collector » 09.04.19, 08:03

windalf hat geschrieben:Noch besser wäre es wohl, wenn der Gesetzgeber das einfach mal regeln würde...
Stimmt! Am besten durch Streichen von §4 Abs.5 Nr. 6 Sätze 2 und 3 EStG! Alles andere würde zu einem weiteren "Gesetzesmoloch" führen, der nur wieder eine Vielzahl von Klagen nach sich ziehen würde (Wie ist "qualitativ höherwertig" zu definieren? Wer trifft die Entscheidung? Wie hat der Stpfl. die Höherwertigkeit nachzuweisen? Etc.!!

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Re: Teilweises Home Office / Mittelpunkt der ber. Betätigung

Beitrag von veul » 17.04.19, 14:13

Hm, ich finde noch immer aktuelle Aussagen, dass ein Arbeitszimmer Mittelpunkt der gesamten beruflichen oder betrieblichen Tätigkeit sein muss, damit Kosten unbeschränkt abzugsfähig sind.

Unter §4 EStG, Absatz 6b heißt es auch: "Die folgenden Betriebsausgaben dürfen den Gewinn nicht mindern: ... Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer sowie die Kosten der Ausstattung. Dies gilt nicht, wenn für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. In diesem Fall wird die Höhe der abziehbaren Aufwendungen auf 1250 Euro begrenzt; die Beschränkung der Höhe nach gilt nicht, wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung bildet;"

Bei zeitweiliger Nutzung in Homeoffice (als "Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit" mit höherem Stundenanteil) würde dann nur die 1.250 €-Regel greifen. Also kein vollständiger Abzug. Ist ja nicht Mittelpunkt der "gesamten ... Tätigkeit".

Hat denn da noch niemand geklagt? :mrgreen: Gibt es da noch kein Urteil zu?

MfG

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