Berliner Testament

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Herbert59
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Berliner Testament

Beitrag von Herbert59 » 10.10.19, 08:38

Hallo,

Mein Vater hat ein Erbe angetreten. Da er noch nicht wusste was er geerbt hat,
haben sie, also meine Stiefmutter und mein Vater, das Berliner Testament gemacht.
Ich als Stiefkind habe dann sehr wenig von dem Erbe. Ich zwei Halbschwestern.
Sieht das Recht anders aus, wenn mein Vater alleine, und ohne meine Stiefmutter im Testament steht?
Sein Kollege hat ihm ein großes Grundstück vererbt.

Vielen Dank

SusanneBerlin
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Re: Berliner Testament

Beitrag von SusanneBerlin » 10.10.19, 09:00

Hallo,
Sieht das Recht anders aus, wenn mein Vater alleine, und ohne meine Stiefmutter im Testament steht?
Meinen Sie das Testament, das der gestorbene Kollege des Vaters gemacht hat?

Wie alt ist der Vater?
Grüße, Susanne

Herbert59
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Re: Berliner Testament

Beitrag von Herbert59 » 10.10.19, 09:58

Ja das Testament von seinem Kollegen.
Er war alleinstehend ohne Nachfolger. Mein Vater ist 84 und meine Stiefmutter 68 Jahre alt.
Ich selber 60 Jahre alt.

SusanneBerlin
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Re: Berliner Testament

Beitrag von SusanneBerlin » 10.10.19, 10:15

Wenn die Eltern zusammen ein Berliner Testament gemacht haben, richtet es sich nach diesem Testament der Eltern, wer von den Kindern was erbt.

Im Normalfall erbt bei einem Berliner Testament zunächst der längerlebende Ehepartner alles. Wegen des Alters ist es wahrscheinlicher, dass der Ehemann als erster stirbt. Dann erbt also die Ehefrau (Stiefmutter) das Grundstück vom Ehemann.

Falls die Stiefmutter bereits vom Kollegen des Vaters das halbe Grundstück geerbt hat, macht für die Kinder keinen Unterschied, da die Kinder bei einem Berliner Testament der Eltern erst erben, wenn beide Elternteile gestorben sind.

Wie es nach dem Tod der Stiefmutter weitergeht, um das sagen zu können, müsste man wissen, was im Berliner Testament steht.

Möglich wäre, dass die 3 Kinder nach dem Tod des Längerlebenden Ehepartners zu gleichen Teilen erben, es wäre aber auch eine andere Teilungsanordnung möglich.

Wenn man zu Lebzeiten der Eltern keine Einsicht in das Testament bekommt und der Vater nicht sagt, was drinsteht, muss man den Erbfall abwarten. Beim Tod des Vaters würden seine Kinder vom Nachlassgericht Abschriften des Berliner Testaments erhalten.


Eine Vererbung ist übrigens nicht die einzige Möglichkeit, ein Grundstück weiterzugeben. Vielleicht ist der Vater dazu bereit, das Grundstück seinem Kind zu schenken. Fragen kann man ja mal.
Grüße, Susanne

Herbert59
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Re: Berliner Testament

Beitrag von Herbert59 » 10.10.19, 12:56

Danke Susanne.
Stiefmutter will das Grungstück (Wert 1,5 Mio.) nicht verkaufen. Mein Vater hat mir gesagt, er hat eine Verfüngung für mich gemacht, wenn er nicht mehr da ist. Ob mir das hilft weiß ich nicht.
Als Stiefkind hat man einfach die A..karte.
Grüße Herbert

SusanneBerlin
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Re: Berliner Testament

Beitrag von SusanneBerlin » 10.10.19, 13:29

Mein Vater hat mir gesagt, er hat eine Verfüngung für mich gemacht, wenn er nicht mehr da ist. Ob mir das hilft weiß ich nicht.
Das heißt, diese Verfügung schrieb er nochmal extra, zeitlich nach dem Berliner Testament?

Dann könnte es sein, dass diese Verfügung nichts bewirkt, weil das gemeinsame Testament mit der Ehefrau "vorgeht" bzw. die Verfügung aufhebt.

Andererseits haben die Ehefrau und die anderen beiden Kinder des Vaters Pflichtteilansprüche, so dass es sowieso nicht möglich sein wird, das Grundstück alleine zu behalten.

Wenn das Grundstück im Wert von 1,5 Mio der einzige Nachlasswert wäre und an ein Kind des Vaters ginge, müssten an die Stiefmutter und an die Halbgeschwister insgesamt 437.000 € an Pflichtteisansprüchen ausgezahlt werden.

Es wäre rechtlich möglich, dass der Vater das Berliner Testament widerruft und seinen Nachlass nochmal neu regelt. Falls er das in Erwägung zieht, wäre es ratsam, sich beim Notar beraten zu lassen. Den Notar bräuchte er auch, um das gemeinsame Testament zu widerrufen.
Grüße, Susanne

Herbert59
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Re: Berliner Testament

Beitrag von Herbert59 » 10.10.19, 13:42

Ich habe aber gelesen, das man das Berliner Testament nur zusammen widerrufen kann.
Es ist auch noch das eigene Haus zu vererben. Wert jetzt etwa 700 000 tausend.
Ich sollte mich wirklich bei einem Notar braten lassen.

Vielen Dank
Grüße Herbert

SusanneBerlin
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Re: Berliner Testament

Beitrag von SusanneBerlin » 10.10.19, 13:55

Ich habe aber gelesen, das man das Berliner Testament nur zusammen widerrufen kann.
Zusammen geht es auch.

Aber solange beide leben, kann auch einer dem anderen gegenüber das gemeinsame Testament widerrufen § 2271 BGB.
Vielen Dank
Grüße Herbert
Gern geschehen.
Grüße, Susanne

matthias.
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Re: Berliner Testament

Beitrag von matthias. » 10.10.19, 13:58

Ich sollte mich wirklich bei einem Notar braten lassen.

Vielen Dank
Grüße Herbert
[/quote]

Das wäre wirklich sinnvoll, bei den Summen um die es hier geht.

lottchen
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Re: Berliner Testament

Beitrag von lottchen » 10.10.19, 14:21

matthias. hat geschrieben:
10.10.19, 13:58
Ich sollte mich wirklich bei einem Notar braten lassen.
Der Vater sollte sich beraten lassen! Der ist doch derjenige, der was zu vererben hat. Den Sohn geht das doch (jetzt noch) gar nichts an. Der Sohn kann sich beraten lassen wenn der Vater versterben sollte und er nicht einverstanden ist mit dem, was er bekommen soll. Dann wird er aber eher einen Anwalt als einen Notar brauchen.
Ich empfehle, Beiträge unserer Forentrolle BäckerHD, FelixSt und Dieter_Meisenkaiser konsequent zu ignorieren!

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Re: Berliner Testament

Beitrag von khmlev » 10.10.19, 14:39

lottchen hat geschrieben:
10.10.19, 14:21
Der Vater sollte sich beraten lassen! Der ist doch derjenige, der was zu vererben hat. Den Sohn geht das doch (jetzt noch) gar nichts an.
Zustimmung. Es gilt immer noch der Grundsatz Sterben kommt vor Erben.

Die einzigste Ausnahme wäre, wenn Vater, Stiefmutter und die Kinder einen Erbvertrag abschließen und so diese Problematik gemeinsam regeln, aber das scheint wohl nicht gewollt.
Gruß
khmlev
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Herbert59
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Re: Berliner Testament

Beitrag von Herbert59 » 10.10.19, 15:05

khmlev hat geschrieben:
10.10.19, 14:39
lottchen hat geschrieben:
10.10.19, 14:21
Der Vater sollte sich beraten lassen! Der ist doch derjenige, der was zu vererben hat. Den Sohn geht das doch (jetzt noch) gar nichts an.
Zustimmung. Es gilt immer noch der Grundsatz Sterben kommt vor Erben.

Die einzigste Ausnahme wäre, wenn Vater, Stiefmutter und die Kinder einen Erbvertrag abschließen und so diese Problematik gemeinsam regeln, aber das scheint wohl nicht gewollt.
Das denke ich auch. Meine Stiefmutter ist sehr bedacht das Ihre Kinder abgesichert sind. Das verstehe ich auch. Aber ich werde bestraft (weil meine Mutter früh gestorben ist) von dem blöden Erbrecht in Deutschland.

SusanneBerlin
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Re: Berliner Testament

Beitrag von SusanneBerlin » 10.10.19, 15:33

Herbert59 hat geschrieben:Aber ich werde bestraft (weil meine Mutter früh gestorben ist) von dem blöden Erbrecht in Deutschland.
Jeder, der Geschwister hat, ist beim Erben "bestraft" weil er das Erbe teilen muss.

Daneben kann jeder, der etwas zu vererben hat, durch ein Testament von der gesetzlichen Erbfolge abweichen.

Und selbst wenn es keine gesetzliche Einschränkungen (Pflichtteil usw) gäbe, glaubst du dein Vater würde wollen, dass du nach seinem Tod alles bekommst und seine zweite Frau und die anderen 2 Kinder sollen absolut nichts bekommen?


Mit den gesetzlichen Beschränkungen hat das folglich weniger zu tun, dass dir nicht alles allein zufällt, sondern einfach mit der Tatsache, dass dein Vater ein zweites Mal geheiratet hat und weitere Kinder gezeugt hat. Hätte das "unterlassen", wärst du nach dem Gesetz Alleinerbe des gesamten Vermögens sobald dein Vater stirbt.

Es liegt mMn. nicht am Gesetz, sondern es ist wahrscheinlich auch der Wunsch des Vaters, dass seine 2. Ehefrau abgesichert ist und seine 3 Kinder gleich gestellt sind. Und falls er jemanden bevorzugen will, lässt auch das Erbrecht die Möglichkeit, die eigene Ehefrau zu enterben und einem Kind doppelt soviel zu vermachen als den anderen. Wenn der Vater das wollte, wohlgemerkt.
Grüße, Susanne

Herbert59
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Re: Berliner Testament

Beitrag von Herbert59 » 10.10.19, 16:10

Mein Vater wollte mir ein Voraus Erbe geben. Und das war weit unter dem gerechten verteilen unter den Erben. Aber ich wäre damit einverstanden gewesen.
Aber es ist wegen dem Berliner Testament nicht zustande gekommen ist. Weil er selber nicht mehr alleine entscheiden kann.

Grüße Herbert

SusanneBerlin
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Re: Berliner Testament

Beitrag von SusanneBerlin » 10.10.19, 16:37

Weil er selber nicht mehr alleine entscheiden kann.
Meinst du:

a). weil er nicht mehr geschäftsfähig, dement, nicht mehr testierfähig ist?

Oder b) weil er dachte, dass er das Berliner Testament nicht ändern kann?

Im Fall a) kann man nicht mehr viel machen, im Fall b) irrt er sich oder scheut den Aufwand.

Mein Vater wollte mir ein Voraus Erbe geben.
Hätte er einfach machen können bzw. kann er immer noch machen wenn er noch fit genug im Kopf ist.


Manchmal werden aber auch Gründe vorgeschoben (wie: "das geht jetzt nicht mehr wegen dem Berliner Testament") um niemanden zu enttäuschen oder niemanden zu verärgern. Es ist eben schwer, es jedem Recht zu machen. Natürlich hätte jeder gern den Löwenanteil für sich selber.
Grüße, Susanne

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