Anordnung einer Blutentnahme durch Notfallsanitäter

Patientenrechte, Arzthaftungsrecht, ärztliches Vergütungsrecht, Betäubungsmittelrecht, Apothekenrecht, Medikamentenversandrecht, Internet-Apotheke

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KaiHH
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Anordnung einer Blutentnahme durch Notfallsanitäter

Beitrag von KaiHH » 03.12.19, 08:24

Hallo zusammen.

Ich würde mich gerne mit einer sehr ähnlichen Frage hier einklinken, sofern das ok ist.

Mir gegenüber behauptete ein Notfallsanitäter, dass er eine Blutprobenentnahme anordnen könne. Halte ich für völligen Quatsch, da er dies im Bezug auf einen möglichen Alkoholkonsum im Straßenverkehr (beispielsweise bei einem Unfall) meinte. Auf Nachfrage wurde dann behauptet, er meine, dass er einfach den Polizisten sagen würde, dass er den Verdacht habe.

Wenn er aber im Rahmen seiner medizinischen Tätigkeit am Patienten diesen vermutlichen Alkoholkonsum bemerkt, dann müsste doch auch er einer Schweigepflicht unterliegen, die ihm die Herausgabe solcher Informationen verbietet, oder?

Grüße
KaiHH

ktown
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Re: Anordnung einer Blutentnahme durch Notfallsanitäter

Beitrag von ktown » 03.12.19, 08:31

Hab den Beitrag mal abgetrennt und eine eigene Überschrift verpasst. :wink:
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe

FM
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Re: Anordnung einer Blutentnahme durch Notfallsanitäter

Beitrag von FM » 03.12.19, 08:44

Die Blutentnnahme ist hier geregelt:

https://dejure.org/gesetze/StPO/81a.html

Richter oder Staatsanwalt ist der Notfallsanitäter sicher nicht, Ermittlungsperson höchstens dann, wenn es um den Sanitätsdienst der Polizei geht. Die RTW der Polizei fahren aber nicht zu normalen Einsätzen. Im öffentlichen Rettungsdienst tritt nur die Bundespolizei auf, aber die stellen da m.W. nur Piloten, nicht Sanitäter. Theoretisch denkbar wäre, dass Berufsfeuerwehrbeamte, die ja z.B. in Berlin auch Rettungsdienst machen, zu Ermittlungspersonen ernannt werden. Aber ich glaube nicht, dass ein Land das gemacht hat.

winterspaziergang
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Re: Anordnung einer Blutentnahme durch Notfallsanitäter

Beitrag von winterspaziergang » 03.12.19, 08:51

KaiHH hat geschrieben:
03.12.19, 08:24
Wenn er aber im Rahmen seiner medizinischen Tätigkeit am Patienten diesen vermutlichen Alkoholkonsum bemerkt, dann müsste doch auch er einer Schweigepflicht unterliegen, die ihm die Herausgabe solcher Informationen verbietet, oder?
Die Schweigepflicht geht nicht soweit, dass der Arzt oder Sanitäter einer eventuellen Eigen-oder Fremdgefährdung tatenlos zuschauen muss.

KaiHH
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Re: Anordnung einer Blutentnahme durch Notfallsanitäter

Beitrag von KaiHH » 03.12.19, 08:55

winterspaziergang hat geschrieben:
03.12.19, 08:51
Die Schweigepflicht geht nicht soweit, dass der Arzt oder Sanitäter einer eventuellen Eigen-oder Fremdgefährdung tatenlos zuschauen muss.
Gilt dies auch, wenn konkret keine Gefährdung mehr vorliegt, da der Unfall ja bereits geschehen ist?

Nicht falsch verstehen, ich würde es begrüßen, wenn er dies melden dürfte - ja sogar müsste. Alkohol hat nichts im Straßenverkehr zu suchen. Ich stelle mir lediglich die Frage ob er es dürfte.

Gruß
Kai

Gammaflyer
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Re: Anordnung einer Blutentnahme durch Notfallsanitäter

Beitrag von Gammaflyer » 03.12.19, 09:01

Nein, er dürfte es gerade nur dann, wenn er damit eine konkrete Gefahr abwenden kann.
Nicht zur Repression.

Tastenspitz
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Re: Anordnung einer Blutentnahme durch Notfallsanitäter

Beitrag von Tastenspitz » 03.12.19, 11:37

Gammaflyer hat geschrieben:
03.12.19, 09:01
wenn er damit eine konkrete Gefahr abwenden kann.
Zb. bei einem nur leicht Verletzten, der dann anschließend wieder in´s Auto steigen will.
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
Für individuelle Rechtsberatung bitte "ALT" und "F4" auf der Tastatur gleichzeitig drücken.

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