Hydrolyse bei Schuhsohlen

Rechtsgeschäfte des täglichen Lebens, Kaufrecht für Käufer und Verkäufer, Werkvertragsrecht

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Geruchsneutral
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Hydrolyse bei Schuhsohlen

Beitrag von Geruchsneutral »

Schuhsolen aus Polyurethan (wie bei den meisten Schuhen heutzutage) sind der sogenannten Hydrolyse ausgesetzt. Kommt das Material mit Wasser (Regen) in Verbindung, reagiert es und wird porös, bis es irgendwann zerbröselt. Das kann sogar bei einfacher Lagerung passieren, aber auch schon nach wenigen Monaten im normalen Gebrauch.

Jetzt meine Frage: Wenn eine Schuhsohle sich durch diese Hydrolyse nach einem Jahr auflöst, handelt es sich dann um einen Produktmangel, der bereits beim Kauf durch eine ungeeignete Materialwahl des Herstellers vorhanden war?
BGB § 477 "Beweislastumkehr" kommt ja wegen Ablauf der 6-Monats-Frist nicht mehr zum Tragen.
ktown
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Re: Hydrolyse bei Schuhsohlen

Beitrag von ktown »

Sie geben sich doch schon selbst die Antwort.
Geruchsneutral hat geschrieben: 12.04.21, 18:58Schuhsolen aus Polyurethan (wie bei den meisten Schuhen heutzutage)
Somit ist dies teil der Beschaffenheit, spiegelt sich im Preis wieder und somit kein Mangel.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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Geruchsneutral
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Re: Hydrolyse bei Schuhsohlen

Beitrag von Geruchsneutral »

ktown hat geschrieben: 12.04.21, 19:31 Sie geben sich doch schon selbst die Antwort.
Geruchsneutral hat geschrieben: 12.04.21, 18:58Schuhsolen aus Polyurethan (wie bei den meisten Schuhen heutzutage)
Somit ist dies teil der Beschaffenheit, spiegelt sich im Preis wieder und somit kein Mangel.
Es spiegelt sich zumindest nicht im Verkaufspreis wieder. Auch hochpreisige Schuhe nutzen das Material, weil es billig ist. Das ist eindeutig geplante Obsoleszenz, die sich durchgesetzt hat.

Ein Sachmangel ist doch ein Mangel, der die Nutzbarkeit der Sache beeinträchtigt. Eine Schuhsohle, die sich aufgelöst hat, beeinträchtigt eindeutig die Nutzbarkeit des Schuhs. Und ich habe auch noch auf keinem Schuh einen Warnhinweis a la "Achtung, dieser Schuh darf nicht mit Regen oder Feuchtigkeit in Kontakt kommen!" gesehen, der den Verkäufer aus der Haftung nimmt.
FM
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Re: Hydrolyse bei Schuhsohlen

Beitrag von FM »

Welche Nutzungsdauer hat denn der Verkäufer in Aussicht gestellt?
Froggel
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Re: Hydrolyse bei Schuhsohlen

Beitrag von Froggel »

Ein Sachmangel liegt immer dann vor, wenn sich die Sache nicht für die nach dem Vertrag vorausgesetzte Verwendung eignet oder aber wenn sie sich nicht für die gewöhnliche Verwendung eignet oder ihr eine Beschaffenheit fehlt, die bei Sachen der gleichen Art grundsätzlich üblich ist und die der Käufer nach der Art der Sache erwarten kann. In diesem Fall ist die Frage, was der Käufer bei einem Schuh erwarten kann.

Üblicherweise würde ich davon ausgehen, dass er erwarten kann, dass der Schuh tw. bis zu mehreren Jahren benutzt werden kann, ohne dass sich die Sohle auflöst. Zumindest die Dauer der Gewährleistungsfrist sollte er m.E. durchhalten. Ich hatte jedenfalls noch keine Schuhe, die, normale Nutzung mal vorausgesetzt, vor Ablauf von zwei Jahren nicht mehr nutzbar waren, und hier auf dieser Seite wird sogar von einer durchschnittlichen Lebensdauer zwischen sieben und maximal vierzehn Jahren ausgegangen. Auch da geht es um PU-haltige Schuhe. Man sollte meinen, dass zwei Jahre Haltbarkeit minimaler Standard ist. Nun muss man das als Käufer nur noch dem Verkäufer klar machen.
Ich bin kein Jurist.
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ktown
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Re: Hydrolyse bei Schuhsohlen

Beitrag von ktown »

Wenn ich mir das Thema so anschaue, dann scheint das nicht nur bei Einwirkung von Außen, sondern grundsätzlich auch durch Schweiß und natürliche Alterung aufzutreten.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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Geruchsneutral
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Re: Hydrolyse bei Schuhsohlen

Beitrag von Geruchsneutral »

FM hat geschrieben: 12.04.21, 21:33 Welche Nutzungsdauer hat denn der Verkäufer in Aussicht gestellt?
In der Regel keine. Ich habe vereinzelte Hersteller-Informationen von Sicherheitsschuhen zur Hydrolyse gefunden und dort war von 5-10 Jahren die Rede.

Bei mir tritt das Phänomen teilweise innerhalb von 6 Monaten auf, meist aber zwischen dem 1. und 2. Jahr und ich habe die meisten namhaften Hersteller von Herrenschuhen durch, die man im lokalen Handel bekommt. Wenn ich dann nach Produktrezensionen dieser Schuhe suche, finde ich ähnliche Erfahrungen, teilweise mit Bildern.
Geruchsneutral
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Re: Hydrolyse bei Schuhsohlen

Beitrag von Geruchsneutral »

Froggel hat geschrieben: 12.04.21, 21:59 Üblicherweise würde ich davon ausgehen, dass er erwarten kann, dass der Schuh tw. bis zu mehreren Jahren benutzt werden kann, ohne dass sich die Sohle auflöst. Zumindest die Dauer der Gewährleistungsfrist sollte er m.E. durchhalten. Ich hatte jedenfalls noch keine Schuhe, die, normale Nutzung mal vorausgesetzt, vor Ablauf von zwei Jahren nicht mehr nutzbar waren, und hier auf dieser Seite wird sogar von einer durchschnittlichen Lebensdauer zwischen sieben und maximal vierzehn Jahren ausgegangen. Auch da geht es um PU-haltige Schuhe. Man sollte meinen, dass zwei Jahre Haltbarkeit minimaler Standard ist. Nun muss man das als Käufer nur noch dem Verkäufer klar machen.
Genau auf diese Hersteller-Seite bin ich auch gestoßen und war doch sehr überrascht, weil bei mir Schuhe (bzw. die Sohlen) nur noch maximal 2 Jahre halten.
Dann habe ich mir aber einige Schuhe dieses Herstellers angesehen und es häufen sich negative Kunden-Bewertungen, bei denen die Schuhe schon innerhalb der 6 Monate auseinander fielen. Es gibt bei einem bekannten Onlineshop auch Kundenbilder, die katastrophale Mängel aufzeigen.
Tastenspitz
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Re: Hydrolyse bei Schuhsohlen

Beitrag von Tastenspitz »

Naja.
Es ist halt Schrott was da zum Teil unterwegs ist.
Kann bewußt so gebaut sein oder es ist halt nur eine schlechte Charge oder Marke.
Man kann nur auf die allseits bekannten Kundenrechte hinweisen.
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
Für individuelle Rechtsberatung bitte "ALT" und "F4" auf der Tastatur gleichzeitig drücken.
winterspaziergang
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Re: Hydrolyse bei Schuhsohlen

Beitrag von winterspaziergang »

Geruchsneutral hat geschrieben: 12.04.21, 23:53
Bei mir tritt das Phänomen teilweise innerhalb von 6 Monaten auf, meist aber zwischen dem 1. und 2. Jahr und ich habe die meisten namhaften Hersteller von Herrenschuhen durch, die man im lokalen Handel bekommt. Wenn ich dann nach Produktrezensionen dieser Schuhe suche, finde ich ähnliche Erfahrungen, teilweise mit Bildern.
Hab das selbst noch nie erlebt und das auch von niemand sonst gehört.

Wenn man schreibt "bei mir tritt das immer dann und dann auf", meint man, dass das wiederholt auftritt: Warum kauft man diese Schuhe/Marke dann immer wieder?

Sollte es bei verschiedenen Modellen, also unterschiedliche Hersteller, auftreten, liegt es nicht an den Schuhen.
PyramSo
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Re: Hydrolyse bei Schuhsohlen

Beitrag von PyramSo »

Es scheint doch noch gute Marken zu geben ...
Ich hatte auch viele Jahre das Problem, dass die Sohlen ruckzuck durch waren, kapitale Schäden, auch bei Marken, die ich als gut eingeschätzt hätte. Folge war, dass ich eher immer billigere Schuhe gekauft habe, wieso noch viel Geld ausgeben, wenn die vermeintlich besseren genauso schnell durch waren wie die Billichteile ...

Als das Geld mal lockerer saß, Ende 2017 doch mal in einen Pfälzer Outlet-Ort gefahren, unter der Woche wenn nix los ist, und da 3 Paar mit für meine Verhältnisse hohem Preis erworben.
Das Paar Wanderschuhartige tut brav seinen Dienst mit wenig Gebrauchsspuren, sind aber nicht soo oft im Einsatz. Aber halten nun auch schon deutlich länger als ein Billichwanderschuhverschnitt mit schon deutlichen Sohlenabnutzungserscheinungen incl. leichten Rissen...
Von den beiden als Alltagsschuhpaaren ist eins noch in guten Zustand, weil zu selten genutzt, weil doch nicht so bequem wie gedacht
Ein Glücksgriff war das andere Paar, mit dem man wohl auch Waldläufer ausstatten würde ... Da ist erst jetzt die Sohle durch, aber noch nicht als kapitaler Schaden (die Billichheimer brachen tw. auseinander), erstaunlich bei dem Umstand, dass es nahezu das einzige Paar im Einsatz war in 3 von 4 Jahreszeiten und in der 4. bei Regen.
Es ist damit auch das erste seit vielen Jahren, wo mal wieder Schuhcreme zum Einsatz kommen musste, weil das erste Paar seit vielen Jahren, wo die Sohle länger hielt als das Oberleder an der Schuhspitze Spuren von Abnutzung zeigte.
Sobald der Lockdown rum ist, muss ich mal versuchen zu ergründen, was das Geheimnis deren Sohle ist und wo dieses Geheimnis noch überall verwendet wird, damit ich nicht von dieser einen Marke abhängig werde ...
Bis dahin muss noch Sohlenreparaturchemiezeugs ran (hilft aber auch nicht wirklich gut ...) und ein anders Paar, das, warum auch immer, ungenutzt rumstand ... Mal schauen, wie lange das hält, weil auch bekannte gute Marke zum gut halben Preis aber des anderen ...
Andererseits ...

Wenn ich aber diesen Qualitätsschuhpreis drittel (gut 3 Jahren hielten sie ja nun anstandslos), lande ich auch wieder im Billichschuhsegment, wirklich sparen tue ich also nur Ressourcen und (weil Schuhkauf lästig empfunden) Nerven ... Hmmm ...

Hachja, es bleibt wohl doch ein Kreuz mit dem Schuhkauf ...

(PS: Ich rede vom klassischen Halbschuh, der ja immer unmoderner zu werden scheint und immer mehr dem "Turnschuh" weicht, wie kürzlich zu lesen war als Grund, warum immer mehr klassische Schuhgeschäfte hierzustadt eingehen ...)

Was noch schlimmer als Schuhsohlen ist: Schnürsenkel, die gehen noch schneller hopps und die klassischen Ersatzsenkel noch mal 10x so schnell, weil die heutigen Ösen offenbar viel zu scharfkantig sind, weswegen ich inzwischen Senkel, wenn hinüber, durch Polypropylenkordel ersetze. Muss ich auch mal wieder >= 30 m aus'm Baumarkt holen nach'm Lockdown, Vorrat reicht wohl nur noch für 1 Paar.

Aber eigentlich wollte ich ja eine Nebenkostenfrage recherchieren und nicht Schuhe besohlen ...
Tastenspitz
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Re: Hydrolyse bei Schuhsohlen

Beitrag von Tastenspitz »

Tastenspitz hat geschrieben: 13.04.21, 06:26 Es ist halt Schrott was da zum Teil unterwegs ist.
Ok. :| Kann man auch anders sagen:
PyramSo hat geschrieben: 13.04.21, 23:59 Es scheint doch noch gute Marken zu geben ...
Klingt gleich viel besser. :D
Und hier
https://elten.com/hydrolyse-warum-loest ... sohle-auf/
stehen noch Tipps wie man das Auflösen hinauszögern kann.
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